• vom 16.06.2017, 20:00 Uhr

Technologie

Update: 21.06.2017, 15:14 Uhr

Mobilität

Doppelter Katalysator




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Von Roland Knauer

  • Aus Pflanzenöl stellt ein neues Verfahren Biodiesel für herkömmliche Motoren her.

Biotreibstoff wird derzeit noch dazugemischt.

Biotreibstoff wird derzeit noch dazugemischt.© Fotolia/nexusseven Biotreibstoff wird derzeit noch dazugemischt.© Fotolia/nexusseven

Berlin. Das Verfahren klingt fast zu einfach, um wahr zu sein: Lukas Gooßen von der Ruhr-Universität in Bochum und seine Kollegen berichten in der Zeitschrift "Science Advances", dass sie gerade einmal zwei Katalysatoren und wenig Energie brauchen, um aus herkömmlichem Biodiesel ein Gemisch herzustellen, das praktisch die gleichen Eigenschaften wie Diesel-Kraftstoff aus Erdöl hat. "Ein erster Test hat bereits gezeigt, dass ein Modellauto mit einem kleinen Dieselmotor damit fährt", freut sich der Chemiker.

Genau das klappt mit dem bisher produzierten Biodiesel nicht: Besteht dieser doch aus sogenannten "Fettsäure-Methylestern" oder kurz "Fame" (nach dem englischen Fatty Acid Methyl Ester), während Diesel-Kraftstoff aus einem Gemisch verschiedener Kohlenwasserstoffe besteht, das aus Erdöl gewonnen wird. In den Augen eines Chemikers sind das aber recht verschiedene Verbindungen. Solche Unterschiede können im Motor durchaus zu Problemen führen. So hat Fame etwa einen höheren Siedepunkt als Diesel.

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Raps- oder Jatropha-Öl
Während herkömmlicher Kraftstoff beim Einspritzen in den Motor vollständig verdampft, bleibt ein Teil des Fame-Biodiesels flüssig. Diesel in Gas-Form verbrennt anschließend und liefert dabei genug Energie, um ein Auto oder ein anderes Fahrzeug anzutreiben. Das funktioniert beim Fame-Gas zwar genauso, es bleibt aber ein Flüssigkeitsfilm zurück, der ins Motoröl eindringt. Dadurch schmiert das Öl weniger gut, Motorschäden drohen. Auch der Partikelfilter ist gefährdet, der den gefährlichen Feinstaub aus dem Abgas entfernt, weil dieser mit Diesel kontrolliert abgebrannt wird.

Fame brennt dagegen oft mit zu hohen Temperaturen und beschädigt dabei den Filter. Um mit reinem Fame-Biodiesel zu fahren, müssten die Auto-Hersteller daher einen neuen Motor konstruieren. Das rentiert sich aber nur, wenn man diesen Sprit auch an vielen Tankstellen erhält. Das wiederum ist in absehbarer Zukunft wenig wahrscheinlich.

Daher begnügt sich die EU damit, dem Diesel aus Erdöl sieben Prozent Fame beizumischen. Auch wenn dieser Anteil 2020 auf zehn Prozent steigt, ist das viel zu wenig, um die Klimaziele zu erreichen, auf die sich Europa verpflichtet hat. Gleichzeitig lahmt die Einführung von Elektro-Fahrzeugen und Autos mit Verbrennungsmotoren scheinen zumindest in bestimmten Bereichen mittelfristig noch eine Zukunft zu haben. Einen brauchbaren Biodiesel für diese Fahrzeuge aber könnte das Verfahren liefern, das Lukas Gooßen und seine Doktoranden Kai Pfister und Sabrina Baader von der TU Kaiserslautern entwickelt haben.

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Dokument erstellt am 2017-06-16 15:35:08
Letzte ─nderung am 2017-06-21 15:14:06



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