• vom 21.12.2017, 20:00 Uhr

Technologie

Update: 22.12.2017, 12:57 Uhr

Wissenchaftliche Durchbrüche 2017

Vom Leben in Atomgröße bis zum ältesten Homo sapiens




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  • Neben der kosmischen Verschmelzung feiern 2017 auch Mikroskopie, Biomedizin und Krebsforschung wissenschaftliche Erfolge. Ein Überblick.

Nachbildung eines Homo-Sapiens-Schädels. - © APAweb/AFP, KHAN

Nachbildung eines Homo-Sapiens-Schädels. © APAweb/AFP, KHAN

Nicht nur die Verschmelzung zweier Neutronensterne zählt das Fachjournal "Science" zu den Durchbrüchen des Jahres. Auch ein neu entdeckter Menschenaffe machten das Wissenschaftsjahr 2017 reicher. Die Familie hat mit dem Tapanuli-Orang-Utan nun drei Mitglieder. Schweizer Forscher stellten anhand von DNA-Tests und der Anatomie der Tiere fest, dass die in den abgeschiedenen Tapanuli-Distrikten auf Sumatra lebenden Primaten eine eigene Spezies sind. Zuvor hatte man sie für Sumatra-Orang-Utans gehalten - neben Borneo-Orang-Utans die zweite Orang-Utan-Art.

Die Kryo-Elektronenmikroskopie(Kryo-EM) erlaubt neue Einblicke in komplexe Moleküle, Viren oder Bakterien und hat ihren Pionieren heuer den Chemie-Nobelpreis eingebracht. Die neue Mikroskopietechnik nutzt flüssiges Ethan, um Moleküle in der Bewegung schock zu gefrieren. Dann können Forscher die Strukturen mit Computerprogrammen detailgenau analysieren. Das Protein beta-Amyloid, das sich im Gehirn von Alzheimer-Patienten ablagert, und das Zika-Virus wurden untersucht.


Die Genschere Crispr hat 2017 ein Upgrade bekommen, das bis in die Korrektur der einzelnen DNA-Bausteine, der Basen, reicht. Denn Crispr kann DNA zwar zuverlässig schneiden, aber nicht immer zuverlässig reparieren. Harvard-Forscher entwickelten nun ein Verfahren, das die vier Basen, aus denen die DNA sich zusammensetzt, punktgenau ansteuert.

Winzige Luftbläschen in einem Eisbohrkern aus der Antarktis geben Aufschluss über das Erdklima zu Beginn des Eiszeitalters vor 2,7 Millionen Jahren. Forschende der US-Universitäten Princeton und Maine haben das älteste Eis der Welt untersucht und festgestellt, dass die CO2-Werte in der Atmosphäre damals deutlich unter den heutigen lagen.

Dem Gespür eines Forschers des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie ist zu verdanken, dass die ältesten Relikte des Homo sapiens auf 300.000 Jahre zurückdatiert wurden: Ein Schädel, der 1961 in Marokko gefunden und für den eines Neandertalers gehalten worden war, wurde neu bewertet. Das Team hatte in Marokko weitere Knochenstücke und Flintsteine entdeckt, die 280.000 bis 350.000 Jahre alt sind. Zuvor hatten versteinerte Knochen aus Äthiopien mit 200.000 Jahren als älteste Überbleibsel des modernen Menschen gegolten.

Gleich mehrere erfolgreiche Ansätze von Gentherapie gab es 2017. Besonders hoffnungsvoll stimmt eine gegen Spinale Muskelatrophie, einer angeborenen Form von Muskelschwund, die unbehandelt oft vor dem zweiten Geburtstag zum Tod führt. Ärzte verabreichten zwölf betroffenen Babys das fehlende Gen über ein harmloses Virus als Genfähre intravenös - und damit erstmals über die Bluthirnschranke hinweg ins zentrale Nervensystem.

Normalerweise können nur große Detektoren tief in verlassenen Bergstollen im Eis der Antarktis superflüchtige Neutrinos bei der Kollision mit Atomen aufspüren. US-Forschern fingen die "Geisterteilchen", die Materie meist ungehindert durchdringen, mit einem kleinen, tragbaren Gerät ein. Erstmals konnten sie eine Neutrino-Wechselwirkung nachweisen.

In den USA wurde erstmals ein Medikament für solide Tumore zugelassen, das Krebszellen aufgrund ihrer DNA bekämpft - völlig unabhängig vom Ort, an dem der Tumor wächst. Ein erster Schritt, auf den weitere folgen werden, hoffen Onkologen.




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Dokument erstellt am 2017-12-21 16:35:06
Letzte nderung am 2017-12-22 12:57:53



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