

Neben den hochtechnologischen großen Drohnen, die nur von Militärs mit der entsprechenden Infrastruktur genutzt werden können, gibt es aber auch weitaus einfachere Exemplare, die mit geringen finanziellen Mitteln und einer Anleitung aus dem Internet selbst gebaut werden können. Zudem wurden in letzter Zeit sehr kleine Drohnen entwickelt, so ist etwa die passenderweise "Moskito" genannte Minidrohne nur 35 Zentimeter groß und dementsprechend vielseitig einsetzbar. Die Folge dieses immer größer werdenden Angebotes ist, dass nun auch Akteure, die früher nicht an komplexe Waffensysteme gekommen sind, diese Geräte einsetzen können. Bei diesen unerwünschten Nutzern handelt es sich sowohl um terroristische Gruppierungen, als auch um Diktaturen, die diese Maschinen gegen die eigene Bevölkerung einsetzen können.
Umgebaute Panzer
Doch nicht nur in der Luft, auch auf der Erde ist mittlerweile eine Vielzahl unterschiedlicher ferngelenkter Geräte im Einsatz. Das Spektrum reicht von umgebauten Panzern, die zum Räumen von Minenfeldern eingesetzt werden, bis hin zu kleinen Geräten, die an ferngesteuerte Autos aus Kinderzimmern erinnern, aber zur Aufklärung eines Schlachtfeldes mit Kameras bestückt sind. Auch bei den Maschinen, die auf dem Boden eingesetzt werden, geht die Tendenz zu immer größerer Autonomie.
Bei der rasant fortschreitenden technischen Entwicklung muss aber noch die Frage gelöst werden, wie die Sicherheit dieser Geräte gewährleistet werden kann. Immer wieder gibt es Berichte, dass Computerviren den Militärs zu schaffen machen. Das Schreckensszenario ist, dass durch einen Eingriff von außen die Drohnen oder Roboter gekapert und für unvorhergesehene Zwecke verwendet werden. Neben dieser nicht gänzlich beantworteten Frage der Sicherheit kritisiert Peter Singer auch, dass die technische Entwicklung zwar rasch voranschreitet, die Militärs aber oft nicht den richtigen Umgang mit den modernen Geräten finden.
Die verschiedenen Streitkräfte der Vereinigten Staaten fördern zwar die Entwicklung der Drohnen und anderer Roboter, konnten bis jetzt aber noch keine umfassende Doktrin entwickeln, wie diese Geräte möglichst zielführend eingesetzt werden können.
Die fortschreitende Technologisierung des Krieges führt dazu, dass sich auch der rechtliche Rahmen der Kriegsführung ändern sollte. Peter Singer fürchtet aber, dass die Juristen und Experten in den internationalen Organisationen mit der rasanten technischen Entwicklung nicht Schritt halten können. Das Bild des Soldaten, der nach einer Entscheidung der Politik in Uniform in den Krieg zieht, gilt nur mehr zum Teil.
Heute müssen Soldaten auch gegen Maschinen kämpfen und sind mit einem Gegner konfrontiert, der tausende Kilometer entfernt hinter einem Bildschirm sitzt. Die neuen, mechanischen Akteure stellen die derzeit existierenden Konventionen, die den rechtlichen Rahmen für die Kriegsführung bilden, in Frage.
Diese Unsicherheit wird durch die aktuelle Entwicklung noch weiter verstärkt. Die Forscher in diesem Bereich arbeiten derzeit vor allem daran, dass die Drohnen und Roboter autonom handeln können. Schon jetzt können viele Geräte ohne menschliches Zutun in den Einsatz ziehen, sie sind darauf programmiert, eigenständig eine bestimmte Route zu wählen und ihre Aufträge selbstständig zu erfüllen.
Auch hier tut sich ein rechtliches Dilemma auf: Die aktuell gültigen Vorschriften wie die Genfer Konventionen zielen darauf ab, das Verhalten der Kriegsführenden zu regeln und zivile Opfer zu vermeiden. Wer gegen diese Vorschriften verstößt, muss sich dafür verantworten. Die Verwendung von Maschinen, die autonom auf dem Schlachtfeld agieren, würde diesen Aspekt des Kriegsrechtes untergraben, denn wie sollen diese Geräte zur Verantwortung gezogen werden?
Ethik der Maschine
Anders als Singer gehört Robert Arkin vom Georgia Institute of Technology zu den Befürwortern der neuen Technologie: "Ich bin davon überzeugt, dass unbemannte Systeme ethischer als menschliche Soldaten handeln können." Er bezieht sich auf Umfragen unter Soldaten, die im Kampfeinsatz waren und Misshandlungen von Zivilisten zugegeben haben - meist erfolgten diese als Vergeltung für Verluste der eigenen Truppe. Arkin sieht mehrere Vorteile, die Maschinen gegenüber den Menschen haben: Ihr Urteilsvermögen wird nicht durch Emotionen beeinträchtigt, ihre Sensoren sind weit schärfer als die menschlichen Sinne und schließlich haben Maschinen keinen Trieb zur Selbsterhaltung, der Menschen in bestimmten Situationen irrational handeln lässt.
Arkin gibt zwar zu, dass kämpfende Maschinen zu unethischem Verhalten umprogrammiert werden können. Diese Manipulation kann aber nachverfolgt werden und der Verursacher - ein Mensch - kann zur Verantwortung gezogen werden.
Einwände der Kritiker
Doch nicht alle Forscher sind so optimistisch. Vor kurzem wurde das "International Committee for Robot Arms Control" gegründet. Experten aus verschiedenen Ländern wollen angesichts des technischen Fortschrittes bei militärischen Robotern die internationale Gemeinschaft zu einer Diskussion veranlassen, ob bewaffnete Roboter den Frieden sichern oder gefährden. Jürgen Altmann von der Universität Dortmund gehört zu den Skeptikern, er geht von einer Gefährdung des Friedens durch die bewaffneten Maschinen aus und tritt dafür ein, unbemannte Systeme grundsätzlich zu untersagen. Andere seiner Kollegen sind pragmatischer und wollen lediglich autonome Geräte, die ganz ohne menschliches Zutun agieren, verbieten.
Die Diskussion über die rechtlichen und ethischen Bedenken von kämpfenden Maschinen scheint jedenfalls an deren durchschlagenden militärischen Erfolg nichts zu ändern. Dass etwa die Bedeutung unbemannter Fluggeräte weiterhin steigt, beweist die neue Militärdoktrin der Vereinigten Staaten, die Anfang dieses Jahres veröffentlicht wurde.
Als erster Punkt auf der Prioritätenliste der Vereinigten Staaten stehen dabei der Kampf gegen Terrorismus und irreguläre Kriegsführung. Drohnen sind für diese Form der Kriegsführung bestens geeignet, daher hat das Pentagon beschlossen, trotz Budgetkürzungen in allen Bereichen der Streitkräfte die Flotte der Drohnen in den kommenden Jahren weiter auszubauen. Die High-Tech-Rüstungsspirale dreht sich also weiter.
Christian Hütterer, geboren 1974, lebt als Politikwissenschafter und Historiker in Wien, und ist im EU- und Internationalen Dienst der Parlamentsdirektion beschäftigt.