Den kenne ich doch von irgendwo her, aber wer ist das genau? Diese Frage könnte in naher Zukunft Ihr Smartphone beantworten. Oder Ihre Brille. Grundlage dafür ist die Technologie des ukrainischen Unternehmens Viewdle. das soeben in Googles Firmengeflecht eingegliedert wurde.
Viewdle beschäftigt sich mit der Erkennung von Gesichtern und Gesten und entwickelt Verfahren, die unter anderem das berührungsfreie Steuern von Geräten ermöglichen. Dass Google das Unternehmen aus Kiew in seine Tochter Motorola Mobility integriert, zeigt, dass man die Technologie für Android-Geräte verwenden möchte. Die einfachste Anwendung ist wohl die Erkennung des jeweiligen Anwenders eines Tablet mit Kamera und die Bereitstsellung der gewünschten Umgebung inklusive Mail-, Facebook- und Twitterkonto.
Ehrgeiziger ist das automatische Markieren von Fotos auf Picasa, die um Hintergrundinformationen aus sozialen Netzwerken und aus dem Adressbuch des Anwenders erweitert werden. Für etwa 40 Millionen Dollar Kaufpreis will Google aber sicher mehr.
So bleibt zu vermuten, dass Viewdles vor allem für Googles Project Glass tätig werden soll. Unter diesem namen arbeitet der Internetkonzern an Brillen, die ihren Trägern neben zahlreichen Zusatzfunktionen laufend Informationen anbieten sollen. Die heute von Mobiltelefonen abgedeckten Anwendungen wie Telefonie, Film- und Fotokamera, Chat, SMS, Mail und Navigation könnten die Zauberbrillen mit Daten über Menschen, Gebäude und Gegenstände ergänzen. Aufgrund der automatischen Erkennung würden die Geräte automatisch Grunddaten zu Personen im Gesichtsfeld bereitstellen. Im PR-Material von Viewdle sind dies etwa Namen und Statusmeldungen von Facebook, in der Realität könnten dies auch persönliche Anmerkungen sein. Statt nach dem Namen zu grübeln, kann man dann auf den eben Gesichteten stürzen und sich bei X freundlich nach dem Gang der Geschäfte mit Y erkundigen, um ihm am Ende Grüße für den guten bekannten Z mit auf den Weg zu geben...
Freilich drängen sich auch andere Vorstellungen auf. Versicherungskeiler könnten sich mit durchdringendem Blick über die Einkommensverhältnisse oder Krankheitsberichte ihrer Kunden informieren. Arbeitgeber könnten das Vorleben von Bewerbern ebenso sehen wie Fans die aktuellen Alben der eben auftretenden Band. Voraussetzung dafür ist bloß die Verbindung zu entsprechenden mehr oder weniger offiziellen Datenbanken.
Dass es sich bei Viewdle um eines der wenigen konkreten Projekte der gehypten "augmented Reality" (erweiterten Realität) handelt, steht außer Zweifel. Wer diese Realität gestaltet, wird wohl noch Gegenstand von Diskussionen.