
Was passiert wenn man einen Google-Mitarbeiter, einen Netzaktivisten, den Chef eines Telekom-Unternehmens und einen Philosophen an einen Tisch setzt? Es kann eine durchaus interessante Unterhaltung werden, wie sich am Dienstag Abend beim, von der Telekom Austria Group veranstalteten, "Futuretalk 2012" zum Thema "Me, myself and I" zeigte.
Wie bestimmen Google, Facebook & Co unser Denken - dieser Frage ging der heurige "Futuretalk" nach. Dazu hatte die Telekom Austria prominente Redner in die Stallburg der Spanischen Hofreitschule in Wien geladen: Jared Cohen, Director des Think Tanks "Google Ideas", Eli Pariser, Aktivist und Autor, und den Kult-Philosophen Slavoj iek.
"How does the Internet shape our thinking?"
Titel der Veranstaltung, zu der in den Jahren zuvor schon WWW-Erfinder Sir Tim Berners-Lee, Apple-Mitbegründer Steve Wozniak, Facebook-Mitbegründer Chris Hughes und der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan zu Gast waren, war heuer "Me Myself And I. How does the Internet shape our thinking?". Fast 500 Besucher, unter anderem Sozialminister Rudolf Hundstorfer, der neue ÖIAG-Chef Rudolf Kemler, Kari Kapsch und Ex-Telekom-Boss Boris Nemsic, waren erschienen, um einer Diskussion und den durchaus unterschiedlichen Ansätzen der Diskutanten zu lauschen.
Jared Cohen von Google zeigte in seiner Präsentation die Chancen und Möglichkeiten des Internet auf. Jeder Mensch würde eine Vielzahl von Chancen und Möglichkeiten bekommen und könne sich im virtuellen Raum einer unsagbaren und stetig wachsenden Zahl von Ausdrucksformen und Wissenserwerb bedienen. Die virtuelle Realität und das "echte" Leben würden zusehends verschmelzen und in Kombination enorme Vorteile bringen. "Ich kenne eine Autistin, die im realen Leben mit vielen Problemen und Vorurteilen zu kämpfen hat. Es fällt ihr nicht leicht, Freunde zu finden. Doch in Cyberspace hat sie mittlerweile 50.000 Freunde. Daraus resultiert ein digitales Selbstvertrauen, das auch in der Realität seinen positiven Niederschlag findet", so Cohen. Als weitere positive Beispiele wurden etwa die Dissidenten der Zukunft genannt. Diese können mit moderner Technologie, nicht nur sicherer, sondern auch von jeden Flecken der Welt ihr Dissidentenleben im virtuellen Raum leben und so Präsenz zeigen und Missstände aufzeigen. "Im Gegensatz dazu, bedeutet es für die bösen Terroristen, dass sie nicht sicher sein können, da man ihnen mit Hilfe moderner Technologien schneller auf die Schliche kommen kann", meint der Mann von Google.
Das Leben in der Blase
Für Eli Pariser wiederum bedeutet die virtuelle Realität nicht nur, dass man ungeahnte Freiheiten und Möglichkeiten hat, sondern auch, dass sich das Leben wie in einer Blase um die eigenen Interessen und Einstellungen dreht und der Blick auf die Außenwelt und das Andere schwindet. "Es stimmt nicht, dass wir in einer Gatekeeperfreien Zeit leben. Es gibt die Gatekeeper immer noch. Nur sind es die Konzerne. Die Algorithmen von Google und Facebook geben vor was wir sehen, mögen und kaufen sollen. Aber im Gegensatz zu den klassischen Gatekeepern fehlt es diesen an ethischen und moralischen Werten. Wir bleiben daher immer nur in unserer Blase."
Warum können Pornos keine gute Handlung haben?
Slavoj iek zeigte gleich bei seinem Einstiegsstatement warum er zu den bekanntesten und berühmt-berüchtigtsten Philosophen zählt. "Wissen Sie warum ein Hardcore-Porno keine gute Handlung hat? Hätte er eine gute Handlung dann würde der Sex in den Hintergrund rücken. Diese beiden Faktoren lassen sich einfach nicht verbinden." Das Internet wiederum würde intelligenter Gatekeeper bedürfen und muss als Raum mehr sein als eine bloße Bühne für Konsum und der Darstellung von narzisstischen Personen. "Der private Raum verschwindet immer mehr und geht im öffentlichen Raum auf. Dies hat große Auswirkungen und Konsequenzen auf die Wahrnehmung, auf die Menschlichkeit und den zwischenmenschlichen Umgang", so iek.