• vom 03.05.2013, 15:44 Uhr

Digital-Life

Update: 03.05.2013, 15:48 Uhr

"Verbraucher-Tipps" zum Umgehen von Zensur

Blogger kämpfen mit Restriktionen autoritärer Staaten im Netz




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  • Auslandsender Deutsche Welle wird 60 Jahre alt

Internet-Aktivisten in Ländern mit schwach bis nicht ausgeprägter Demokratie kämpfen mit Restriktionen im Netz. Sie haben mit unterschiedlichem Druck seitens ihrer Staaten zu rechnen und setzen auf verschiedene Strategien zum Umgehen der Zensur.

Internet-Aktivisten in Ländern mit schwach bis nicht ausgeprägter Demokratie kämpfen mit Restriktionen im Netz. Sie haben mit unterschiedlichem Druck seitens ihrer Staaten zu rechnen und setzen auf verschiedene Strategien zum Umgehen der Zensur.© APAweb/EPA/JAVIER ETXEZARRETA Internet-Aktivisten in Ländern mit schwach bis nicht ausgeprägter Demokratie kämpfen mit Restriktionen im Netz. Sie haben mit unterschiedlichem Druck seitens ihrer Staaten zu rechnen und setzen auf verschiedene Strategien zum Umgehen der Zensur.© APAweb/EPA/JAVIER ETXEZARRETA

Berlin. Internet-Aktivisten in Ländern mit schwach bis nicht ausgeprägter Demokratie kämpfen mit Restriktionen im Netz. Sie haben mit unterschiedlichem Druck seitens ihrer Staaten zu rechnen und setzen auf verschiedene Strategien zum Umgehen der Zensur. Das zeigte sich bei einer von der Deutschen Welle organisierten Veranstaltung in Berlin am Freitag zum Tag der Pressefreiheit.

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  In Russland und der Ukraine wird auf Zeit gesetzt. Die Journalistin und Bürgeraktivistin Alena Popova etwa sagte, dass 75 Prozent Frauen seien, die in Russland online gingen. In erster Linie ginge es in den social media weniger um pro oder contra Staatspräsident Putin als etwa um die Korruption. "Wir können das Regime auf lokaler Ebene verändern", sagte Popova. "Dort haben die Politiker Angst vor uns." Erst danach ließen sich auch auf gesamtrussischer Ebene Veränderungen durchsetzen.

Eine Frage des Alters  
Der ukrainische Blogger Mustafa Nayyem verwies darauf, dass anders als in Europa, in seinem Land mehr um die älteren als um die jungen Wähler gekämpft werde. Während die Jungen das Internet nützten, hätten die Menschen jenseits der 50 das meist regierungsnahe Fernsehen als Hauptinformationsquelle. Seitens der Regierungsstellen würde facebook als Witz betrachtet. "Sie wissen nicht, was es ist, wie man es benutzt", sagte Nayyem. "Es wird wie Radio oder Zeitung empfunden."

  Ganz anders ist die Situation in China und im Iran: "In China kann man wegen eines Blogs ins Gefängnis kommen", sagte Hu Yong, der sich als "Netzbürger" bezeichnet und an der Universität Peking mit Schwerpunkt Internet unterrichtet. "Die chinesische Regierung lernt die Technologie sehr schnell. Sie kann den Account deleten, das ist tägliche Routine. Die sind nicht dumm, sondern sehr schnell."

  Ähnlich verhält es sich im Iran: "Jede Kommunikation kann überwacht werden", sagte der iranische Exil-Blogger Arash Abadpour. Deshalb würden die Menschen andere Kanäle wie Blootooth nutzen, über die keine Kontrolle seitens der Regierung bestünde. "Der wichtigste Schritt ist, dass wir miteinander kommunizieren können", so Abadpour. Zwar passiere in seiner Heimat viel auch in der Gegenrichtung, etwa eine weitere Radikalisierung, aber: "Die Konversation geht weiter. Ich bin sehr optimistisch."

"The Bobs – Best of Online Activism"  
Alle vier Blogger sind diesjährige Jury-Mitglieder des jährlich von der Deutschen Welle veranstalteten internationalen Wettbewerbs "The Bobs – Best of Online Activism". Die Deutsche Welle wird in diesem Jahr 60 Jahre alt. Sie begann 1953 als deutscher Radiosender für das Ausland auf Kurzwelle. Das Kurzwellenprogramm wurde 2011 eingestellt, heute sendet der deutsche Auslandsender Fernsehprogramme in 30 Sprachen rund um die Welt und ist im Internet aktiv. Gemäß gesetzlichem Auftrag hat sie "Deutschland zu erklären" und Informationen aus den Regionen der Welt für die Regionen der Welt zu geben.

  Deshalb kennt auch die Deutsche Welle Restriktionen für Medien: "In Äthiopien, wo wir in der lokalen amparischen Sprache senden, werden wir durch Störsender gejammt", sagte Chefredakteurin Ute Schaeffer gegenüber der APA. "In Farsi (Iran, Anm.) und Chinesisch wird unser Server geblockt, das kann aber umgangen werden." Schaeffer spricht von "Verbrauchertipps" der Deutschen Welle, wie deren Konsumenten in den betroffenen Ländern die Zensur umgehen könnten.

Deutliche Verschlechterung  
In der Ukraine habe sich die Situation für Medien in den letzten paar Jahren deutlich verschlechtert: "Dort werden unsere Korrespondenten schon mal zum Inlandsgeheimdienst geladen", sagt die Chefredakteurin. Dies zeige aber die Bedeutung der Deutschen Welle als Begleiter von Demokratie und Partizipation: "Man muss einen langen Atem haben, wir müssen uns der Diskussion um Werte stellen." Dies werde etwa in Tanzania honoriert, wo einem Viertel der Bevölkerung der deutsche Auslandssender zumindest ein Begriff ist, der dort auf Kisuaheli sendet: "Das gehört zur Glaubwürdigkeit", so Schaeffer, "wenn man jenseits der großen Krisen dranbleibt und sich nicht schon dünn macht, wenn es nach Stabilität riecht."

  Die Deutsche Welle hat ein seit den 1990er Jahren unverändertes Jahresbudget von rund 270 Millionen Euro und beschäftigt 1.500 festangestellte und eine große Zahl freier Mitarbeiter, die mitunter sogar verdeckt tätig sein müssen.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2013-05-03 15:46:40
Letzte Änderung am 2013-05-03 15:48:43



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