• vom 07.07.2016, 09:00 Uhr

Digital-Life

Update: 07.07.2016, 09:02 Uhr

Yahoo

Internetpionier auf der Resterampe




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Von Adrian Lobe

  • 2003 hätte Yahoo Google zum Spottpreis übernehmen können. Heute steht der kriselnde Internetkonzern selbst zum Verkauf.

Das ganze schöne Marketing hilft nichts: Yahoo ist ziemlich am Ende.

Das ganze schöne Marketing hilft nichts: Yahoo ist ziemlich am Ende.© Reuters/Kimberly White Das ganze schöne Marketing hilft nichts: Yahoo ist ziemlich am Ende.© Reuters/Kimberly White

Es ist vermutlich einer der größten Irrtümer der Internetgeschichte: Im März 1998 trafen sich im gediegenen Mandarin Gourmet Restaurant in Palo Alto die Stanford-Studenten Larry Page und Sergey Brin mit dem Softwareingenieur und Architekten der Suchmaschine AltaVista, Paul Flaherty. Page und Brin hofften, AltaVista werde eine Million Dollar bezahlen, um Zugang zu ihrem bald patentierten PageRank-Algorithmus zu bekommen, der noch heute die Grundlage der Google-Suchmaschine bildet. Dann, so das Kalkül, könnten sie in Ruhe ihr Studium in Stanford fortsetzen. Doch Yahoo, der Mutterkonzern von AltaVista, lehnte das Angebot ab. Begründung: Die Nutzer sollten im Ökosystem von Yahoo bleiben.

2003 bot sich für Yahoo erneut die Möglichkeit einer Übernahme. Google, seit 1998 ein eigenständiges Unternehmen, brauchte frisches Kapital. Page und Brin verlangten drei Milliarden Dollar. Aus heutiger Sicht ein Spottpreis - Google hat heute einen Marktwert von 570 Milliarden Dollar. Doch Terry Semel, der damalige CEO von Yahoo, bot nur eine Milliarde Dollar. Der Deal platzte. Aus heutiger Sicht ein verhängnisvoller strategischer Fehler.


Keiner "yahooet"
Semel war ein eigenwilliger, starrsinniger Kopf, der aus der Unterhaltungsbranche aus Hollywood kam und jeden Tag von Los Angeles nach Sunnyvale zum Hauptsitz von Yahoo pendelte, weil er das Silicon Valley für eine bloße Parkanlage hielt. Wie man sich täuschen kann! Semel erkannte die Zeichen der Zeit nicht. Yahoos Suchmaschine hatte damals noch einen komfortablen Marktanteil von 28,9 Prozent, fast gleichauf mit Google. Auf diesem Ruhekissen konnte sich der Konzern ausruhen. Doch die Entwicklung im Internetzeitalter verläuft rasant. Heute hat Yahoo Search einen globalen Marktanteil von gerade einmal acht Prozent, hinter der chinesischen Suchmaschine Baidu (13,2 Prozent) und Platzhirsch Google, das mit zwei Dritteln den Markt beherrscht. Wäre Yahoo damals mehr unternehmerisches Risiko eingegangen, würde man heute vielleicht nicht "googeln", sondern "yahooen".

Ausgerechnet vom Konkurrenten Google kam 2012 die neue Chefin Marissa Mayer, eine junge, dynamische und gutaussehende Topmanagerin, die sich ihre Meriten in der männerdominierten Tech-Branche erwarb. Als Mayer mit ihrem jagdgrünen BMW vor dem Firmengelände vorfuhr, war der Optimismus groß. Die Mitarbeiter hatten die Hoffnung, dass Mayer den alten Tanker wieder auf Kurs bringen würde. Die zupackende Chefin kaufte Start-ups wie Tumblr auf und startete eine journalistische Offensive. Sie verpflichte die beliebte Nachrichtenmoderatorin Katie Couric als Anchorfrau und stattete sie mit einem üppigen Jahressalär von fünf Millionen Dollar aus. Und sie warb renommierte Journalisten ab wie Megan Liberman von der "New York Times" - sie wurde Chefredakteurin von Yahoo News -, den Tech-Kolumnisten David Pogue oder Andy Serwer von "Fortune". Mayer wilderte in Fachzeitschriften und Boulevardblättern, die neue Personalpolitik sorgte für Aufsehen.

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Yahoo, Google, Internet

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Dokument erstellt am 2016-07-06 16:23:05
Letzte ─nderung am 2016-07-07 09:02:42



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