• vom 04.12.2016, 15:20 Uhr

Digital-Life

Update: 07.12.2016, 11:53 Uhr

Kunstvermittlung

Das Handy als Museumsguide




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Adrian Lobe

  • Die digitale Technologie verändert die Art und Weise, wie Museumsbesucher mit Exponaten interagieren.

Ich und Goya: Das Selfie mit Kunstwerk wird von den Museen allmählich zähneknirschend akzeptiert.

Ich und Goya: Das Selfie mit Kunstwerk wird von den Museen allmählich zähneknirschend akzeptiert.© getty/corbis news/Richard Baker Ich und Goya: Das Selfie mit Kunstwerk wird von den Museen allmählich zähneknirschend akzeptiert.© getty/corbis news/Richard Baker

Vor der Mona Lisa im Pariser Louvre ist regelmäßig ein illustres Schauspiel zu beobachten: Hunderte Menschen recken ihre Handys in die Höhe, um sich und das weltberühmte Gemälde von Leonardo da Vinci zu fotografieren. Das Selfie ist zum Bestandteil des Museumsbesuchs geworden. Es gibt eine Reihe von Hashtags, unter denen Menschen ihren Museumsbesuch in sozialen Netzwerken dokumentieren. Zum Beispiel #musepose, bei dem Nutzer die Pose eines Kunstwerks imitieren, oder #museumofselfies, bei denen nicht etwa ein Selfie geteilt wird, sondern Personen auf Gemälden oder Skulpturen ein Handy in die Hand gelegt wird, sodass der Betrachter den Eindruck hat, als hielte Louis XIV. ein Smartphone in der Hand.

Man muss diese Spielereien nicht zur Kunst überhöhen, doch zeigt es, dass sich die Interaktion zwischen musealem Raum, Exponaten und Besuchern durch die digitale Technik wandelt. Der Kunstkritiker Eric Gibson schrieb in einem Essay für die Zeitschrift "The New Criterion": "Statt die Arbeiten kontemplativ zu betrachten, posieren Besucher daneben für ein Porträt. In der prädigitalen Fotografie war das Subjekt die Arbeit der Kunst. Nun ist es der Besucher; das Kunstwerk ist sekundär. Wo einst die Botschaft dieser Bilder war: ,Ich habe gesehen‘, lautet sie jetzt: ,Ich war da.‘" Diese Kulturkritik, dass Selfies Kunstwerke zum Konsumgut reduzieren, ist nicht neu, und einige Beobachter befürchteten, dass die neuen Technologien das Kunstwerk auf unvorteilhafte Weise neu definieren. Doch Kulturstätten können sich diese Technologien auch zunutze machen.


Einige Museen bieten sogar explizit Selfie-Stationen an, wo sich Besucher mit den Exponaten ablichten lassen können. Am 18. Januar 2017 findet der inoffizielle Museum Selfie Day statt, wo Twitter-Nutzer weltweit dazu aufgerufen sind, ihre Selfies aus Museen mit der Community zu teilen. Hieß es früher "Handys aus!", heißt es heute: "Handys an!".

Das New Yorker Metropolitan Museum of Art hat seine Besucher schon vor fünf Jahren dazu ermuntert, Handys anzuschalten. Die Entscheidung, das Handyverbot aufzuheben, trug dem Gedanken Rechnung, dass Smartphones so omnipräsent in der digitalen Gesellschaft sind, dass ein Bann ein verlorenes Rennen sei. Auf die Frage, was die größte Konkurrenz darstelle, antwortete der ehemalige Digitalchef des Museums, Sree Sreenivasan: "Es ist nicht das Guggenheim. Auch nicht das Museum of Natural History. Es sind Netflix und Candy Crush."

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-12-04 15:23:05
Letzte Änderung am 2016-12-07 11:53:05



Werbung




Werbung


Werbung