• vom 08.03.2017, 16:27 Uhr

Digital-Life

Update: 08.03.2017, 18:18 Uhr

Wikileaks

Deutsche Staatsanwaltschaft ist alarmiert




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Von WZ Online / Reuters

  • Rechtliche Schritte gegen US-Hackerzentrum in Frankfurt könnten folgen.

US-Konsulat Frankfurt: Diplomatische Vertretung, Agentenhochburg oder beides? - © US Government

US-Konsulat Frankfurt: Diplomatische Vertretung, Agentenhochburg oder beides? © US Government

Die auf WikiLeaks veröffentlichten Unterlagen über angebliche CIA-Spähaktionen von Frankfurt aus haben in Deutschland erste juristische Konsequenzen gezeitigt. Die Bundesanwaltschaft erklärte, bei Anhaltspunkten auf konkrete Straftaten und Täter würden Ermittlungsverfahren eingeleitet. Dem Enthüllungsportal zufolge betreibt der Auslandsgeheimdienst im Frankfurter US-Konsulat eine Hackerbasis für Europa, den Nahen Osten und Afrika. Im Visier hätten die Spione Computer und mobile Geräte mit allen gängigen Betriebssystemen sowie internetfähige Fernseher. Ein Österreich-Bezug konnte bislang nicht festgestellt werden.

Laut WikiLeaks bilden die seit Dienstag online gestellten Dokumente "die gesamten Hacker-Fähigkeiten" der CIA ab. Die Dokumente beschreiben, wie schädliche Software wie Viren und Trojaner zur Cyberspionage eingesetzt wird. Hunderte Millionen Zeilen Programmcode werden zurzeit ebenso wie die Namen von CIA-Mitarbeitern noch zurückgehalten.

Ein Sprecher des Auswärtige Amtes in Berlin sagte, es lägen keine eigenen Erkenntnisse über die Echtheit der Dokumente vor. "Wir nehmen diesen Vorgang sehr ernst und stehen dazu auch in Kontakt mit unseren amerikanischen Partnern." Laut Regierungssprecher Steffen Seibert hat das für die Spionageabwehr zuständige Bundesamt für Verfassungsschutz auch die USA und andere befreundete westliche Nationen im Blick.

Für die Strafverfolgung von Spionage ist in Deutschland der Generalbundesanwalt zuständig. Ein Sprecher der Karlsruher Behörde sagte, die WikiLeaks-Dokumente würden genau geprüft. "Wenn wir Anhaltspunkte für konkrete strafbare Handlungen oder konkrete Täter haben, leiten wir Ermittlungsverfahren ein." Dies sei momentan nicht der Fall. Den Dokumenten zufolge werden CIA-Mitarbeiter von den USA mit Diplomatenpässen ausgestattet und arbeiten als vermeintliche Mitarbeiter des Außenministeriums.

Der Grünen-Geheimdienstexperte Konstantin von Notz sagte Reuters TV, ganz neu seien die Enthüllungen nicht. Seit den Enthüllungen des Ex-CIA-Mitarbeiters Edward Snowden über den Geheimdienst NSA sei man außerdem bei den Aktivitäten der CIA "bösgläubig". In der IT-Infrastruktur gebe es ein massives Sicherheitsproblem. Der Vizechef der Linksfraktion, Jan Korte, forderte die Bundesregierung auf, jetzt deutlich zu machen, was sie gegen einen offenbar in Frankfurt praktizierten Rechtsbruch der CIA unternehmen wolle. Wenn der Verfassungsschutz seine Arbeit gemacht habe, müsse die Ausweisung der beteiligten Diplomaten nur Formsache sein.

Noch keine konkreten Fälle dokumentiert

Information

Gefährdetes Internet der Dinge
Geräte wie Smart-TVs sind nach Ansicht des IT-Sicherheitsexperten Michael Brengel von der Universität des Saarlandes kaum gegen Spionage geschützt. "Bei einem Smart-TV handelt es sich um ein ganz normales Computersystem mit Schwachstellen", sagte der Wissenschaftler.
Mit dem Internet verbundene Alltagsgegenstände, auch unter der Bezeichnung "Internet der Dinge" (eng. "Internet of Things", IoT) bekannt, waren bereits häufiger wegen massiver Sicherheitslücken aufgefallen. "Die Anfälligkeit von solchen vernetzten Geräten wie Smart TVs hängt mit den generell niedrigen Sicherheitsvorkehrungen in der noch jungen Branche zusammen", sagte Brengel. "Problematisch ist, dass wirtschaftliche Kalkulationen bei der Konstruktion der häufig schnelllebigen Geräte häufig dazu führen, dass kaum Schutzmechanismen gegen Hackerzugriffe implementiert werden."

Den Nutzern von Geräten wie Smart-TVs sei anders als im Fall von normalen PCs zudem häufig überhaupt nicht bewusst, dass es sich bei den Geräten um angreifbare Computersysteme handele.
(Reuters)

Konkrete Abhöraktionen finden sich in den Dokumenten nicht. Welchen Schaden die Enthüllungen für die US-Abhörprogramme bedeuten, ist zunächst unklar.

Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, der 2013 massive Spähprogramme der NSA (National Security Agency) enthüllt hatte, erklärte im Kurzbotschaftendienst Twitter, die veröffentlichten Dokumente wirkten "authentisch". Er verwies in auf Detailinformationen, die nur Geheimdienst-Insidern bekannt gewesen seien.

Zurückhaltung und Empörung in den USA

US- Präsidentensprecher Sean Spicer sagte erwartungsgemäß wenig zu den Enthüllungen. Der Fall sei noch "nicht vollständig bewertet". Auch CIA-Sprecher Jonathan Liu wollte weder bestätigen noch dementieren, dass die Dokumente echt sind. "Wir äußern uns nicht zur Echtheit und zum Inhalt von angeblichen Geheimdienstdokumenten", erklärte er.

Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, Devin Nunes, zeigte sich allerdings "sehr besorgt". Die Angelegenheit scheine "sehr, sehr ernst" zu sein. Mehrere Experten erklärten , die Dokumente wirkten auf den ersten Blick authentisch.

Reuters zitiert einen langjährigen  Geheimdienstmitarbeiter, der von Empörung bei der CIA und beim Nachrichtendienst NSA berichtete. Die Leute "rasen vor Wut". Der Fall sei nicht mit den Enthüllungen Snowdens vergleichbar. "Dies wurde über eine lange Zeit gesammelt und an WikiLeaks übergeben."

Angriffe auf Samsung-Fernseher

Den Unterlagen zufolge hat die CIA auch Smartphones im Visier. So könnten die Geheimdienstler verschlüsselte Messaging-Dienste wie WhatsApp, Telegram und Signal mitlesen - allerdings nur, wenn sie zuvor das gesamte Telefon unter ihre Kontrolle gebracht hätten. Ein mit Großbritannien betriebenes Programm mit dem Namen Weeping Angel (weinender Engel) diene dazu, ans Internet angeschlossene Samsung-Fernseher in Abhörgeräte umzufunktionieren.

Bislang keine Informationen zu Österreich

"Nach derzeitigem Informationsstand gibt es noch keinen sichtbaren Österreich-Bezug", sagte Ministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck am Mittwoch auf APA-Anfrage.

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Schlagwörter

Wikileaks, CIA, Deutschland, Hacker, Samsung

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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2017-03-08 16:32:12
Letzte ─nderung am 2017-03-08 18:18:17



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