• vom 07.08.2017, 17:43 Uhr

Digital-Life

Update: 08.08.2017, 10:20 Uhr

Digitalisierung

Touchscreen-Gschroppen




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Von Stephanie de la Barra

  • Bis 2025 will die Regierung Österreich in das digitale Zeitalter manövrieren.

Früh übt sich, wer in der Welt von morgen bestehen will. - © fotalia/Jandrie Lombard

Früh übt sich, wer in der Welt von morgen bestehen will. © fotalia/Jandrie Lombard

Wien. Es gibt immer diesen Moment, wenn James Bond in das geheime Forschungslabor unter der Leitung von "Q" kommt und sich die neuesten Trickobjekte vorführen lässt. Da gibt es Brillen, die Fotos machen und Distanzen berechnen können, Autos mit Flachbildschirmen, die den Weg anzeigen, und Uhren, die Nachrichten übermitteln. Was früher Zukunftsfantasien waren, würde man heute wohl einfach Smart Car und Smart Watch nennen.

Und es wären wohl auch keine Trickobjekte, sondern einfach Gadgets. Klar, kennt man. Das neue Auto öffnet sich heute per Sensorchip und zu Hause ist seit kurzem Alexa, die Sprachassistentin von Amazon, die neue Ansprechpartnerin. Aber was waren nochmal G5 und das Internet der Dinge? Wenn man so will, sind dies die virtuellen Tricks aus Q’s Labor für unsere Gesellschaft heute. Nur ohne James Bond.

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Die Bundesregierung hat einen virtuellen Fahrplan für die digitale Zukunft Österreichs erstellt, die Digital Roadmap Austria. Bis 2025 sollen so schrittweise alle Bereiche digitalisiert werden. Die öffentliche Verwaltung, das Gesundheitswesen, die Schulbildung, die Forschung. 100 Experten aus verschiedenen Bereichen und Ministerien haben in über 50 Sitzungen an einer großen Gesamtstrategie zur digitalen Zukunft Österreichs gearbeitet. 2015 wurde mit dem Projekt begonnen. Zwei Jahre und über 2200 Kommentare von Bürgern später konnte die Roadmap mit 12 Leitprinzipien erstmals im Jänner 2017 von der Bundesregierung beschlossen werden. Jetzt geht es um die Umsetzung.

"Digitalisierung wird stattfinden, ob wir es gutheißen oder schlechtheißen. Wir können da mitgestalten, oder es werden andere für uns tun", sagt Roland Ledinger, Leiter der Informations- und Kommunikationstechnik Strategie im Bundeskanzleramt.

Wie diese Gestaltung aussehen kann, zeigt die Digital Roadmap Austria: Sie erinnert an das U-Bahnnetz Wiens. Im Zentrum der digitalen Strategie steht der Punkt Digital Roadmap. Bunte Linien führen zu den nächst größeren Verbindungspunkten wie Sicherheit, Bildung, Wirtschaft und Arbeitsplätze. Von dort aus führen die nächsten Stationen zur Open-Government-Strategie, Big Data in der öffentlichen Verwaltung oder zur Gründerland-Strategie. Vom Allgemeinen zum Konkreten also. Noch gibt es allerdings keine konkreten Projekte, die umgesetzt werden. Das soll sich ab Herbst mit einem Monitoring ändern. "Bis 2025 müssen wir eine ganze Reihe an Aktivitäten setzen", sagt Ledinger. "Aktuell liegen wir im guten Mittelfeld."

Ende der
österreichischen Haltung

Laut dem Networked Readiness Index liegt Österreich auf Platz 20 von insgesamt 139 Ländern. Vor der Alpenrepublik liegen Deutschland auf Platz 15, die USA auf Platz 5, gefolgt von Norwegen, Schweden und Finnland. "Bei anderen Feldern sind wir nicht so gut, etwa bei der Gründung von Unternehmen. Da müssen wir Maßnahmen setzen. Wir haben das Potenzial besser zu werden", erklärt Ledinger.

Manche Strategien zur Innovation gibt es schon, wie etwa die Breitband-Strategie. Andere fehlten bisher noch und wurden in die Roadmap aufgenommen, wie 5G, die fünfte Generation drahtloser Breitbandtechnologie. Klingt kompliziert, bedeutet aber einfach höhere Geschwindigkeit, größere Reichweite und ein Möglichwerden des Internets der Dinge, also der Möglichkeit, Geräte zu vernetzen ohne zwischengeschaltete menschliche Aktion. Geräte tauschen selbständig Daten aus. Autos werden mit Sensoren ausgestattet und fahren eigenständig, was zu neuen Mobilitätskonzepten führt. Weniger Umweltverschmutzung und Unfälle durch intelligent optimiertes Fahren sind das Ziel. Geräte am Körper messen Herzschlag und Blutdruck, überwachen den Gesundheitszustand aus der Entfernung.

Situationsoptimierte Materialien sollen konzipiert werden, wie Kleidung, die bei Regen wasserfest wird. Mit intelligenten Energienetzen gäbe es eine direkte Kommunikation zwischen Verbraucher und Betreiber, was eine Nutzenoptimierung und eine jährliche Einsparung von 6,3 Milliarden Megawattstunden bedeuten würde. Ab 2030 könnten auch Neuroprothesen möglich sein, die neuronale Teile ersetzen und so motorische, sensorische und kognitive Fähigkeiten wiederherstellen könnten. Ein Computer, der lernt. Was hier nach Science Fiction klingt, soll schon in einigen Jahren machbar sein - und Österreich G5-Vorreiterland werden. Soweit das Szenario.

Aber ist die Gesellschaft überhaupt bereit für so etwas? Ledinger zufolge braucht es dazu aktiven Kompetenzaufbau schon ab dem Kindergarten. Es darf nicht mehr nur erlernt werden, dass eine heiße Kochplatte gefährlich ist, sondern auch wie ein Tablet funktioniert. "Strukturiertes Denken kann man schon im Kindergarten fördern", sagt Ledinger. Aber auch ältere im Arbeitsmarkt aktive Menschen müssen abgeholt werden. "Ich glaube, es wird den Bürgern langsam bewusst, dass man da nicht drumrumkommt. Das geht nicht mehr, die typisch österreichische Haltung: Das sitz’ ich schon aus. In zehn Jahren wird es manche Berufe nicht mehr geben und Loks und Autos werden selbst fahren", sagt Ledinger. Manche Jobs werden aussterben, andere geschaffen werden. Ledinger will die Digitalisierung immer als unterstützendes Werkzeug verstanden wissen. "Solange der Computer nicht selbst entscheidet, ob die Lok fährt oder nicht, ist alles in Ordnung." Aber Digitalisierung ist längst ein Teil unseres Alltags geworden. Seit 2008 bestellen Senioren in den 30 "Häusern zum Leben" (Kuratorium Wiener Pensionisten Wohnhäuser) ihr Essen digital über einen Touchscreen. Mit Eingabe der Wohnungsnummer erscheint der Name und damit Auswahlmöglichkeiten zwischen drei Mittag- und drei Abendessen. Über einen Knopf kann das Essen dann auf das Zimmer oder in den Speisesaal bestellt werden. Alles digital optimiert.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-07 17:48:06
Letzte ─nderung am 2017-08-08 10:20:23



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