• 23. Mai 2012

  • RSS abonnieren
  • Wiener Zeitung auf Facebook
  • Auf Twitter verfolgen

Sie sind hier:


  • Artikel vom 01.10.2011, 21:32 Uhr

Digital-News

Update: 01.10.2011, 21:42 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Diskussion, ob gesetzliche Bestimmungen in Sachen Computerkriminalität ausreichend sind

Der Österreicher - hundertfach öffentlich registriert


  • Datenschutzexperte Zeger: "Im Prinzip ist jedes Hendl in einer Datenbank".
  • Anonymous - Auch Thema bei Sitzung des Datenschutzrats.

"25.000 Daten von Polizisten online" - "600.000 Daten der Tiroler Gebietskrankenkasse gestohlen" - "GIS-Homepage gekapert": Anonymous sorgt auch in Österreich immer wieder für Schlagzeilen. Unter diesem Namen werden weltweit von verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen Aktionen durchgeführt, um auf Redefreiheit, die Unabhängigkeit des Internet und den unsensiblen Umgang mit Daten hinzuweisen bzw. gegen verschiedene Organisationen zu protestieren. Als gemeinsamen Zeichen des losen Netzwerkes gilt die Guy-Fawkes-Maske. - APAweb

"25.000 Daten von Polizisten online" - "600.000 Daten der Tiroler Gebietskrankenkasse gestohlen" - "GIS-Homepage gekapert": Anonymous sorgt auch in Österreich immer wieder für Schlagzeilen... APAweb

Wien. Vom Tag der Geburt über die Schulbildung, aktuelle und frühere Wohnsitze, den Ort der Beschäftigung, Familienstand, Religionszugehörigkeit bis zu Zusammensetzung des Einkommens, Zeiten allfälliger Arbeitslosigkeiten, Pension, Grund- oder Firmenbuch, Präsenzdienst, Subventionen, Führerschein, Verwaltungsstrafen - jeder Bürger in Österreich scheint mindestens in etwa 100 öffentlichen Registern auf, insgesamt gibt es schätzungsweise 200. Dies Zahl nennt Hans Zeger von der ARGE Daten auf die Frage, in wie vielen Registern der Österreicher aufscheint.

Werbung

Die Zahlen beziehen sich auf Register von Bund, Ländern, Gemeinden, Gebietskörperschaften und sonstigen Körperschaften öffentlichen Rechts. Rund 100 der ungefähr 200 Register gelten für jedermann - mit den großen Blöcken Melde- und Personenstandsdaten, Arbeits-, Finanz- und Gesundheitsdaten. Nicht jedermann, aber der Großteil der Österreicher scheint im Führerschein- und Kfz-Register auf, darüber hinaus im Passregister und - vermutlich - im Verwaltungsstrafregister.

EKIS und EDIS
Ein weitaus kleinerer Teil der Bürger findet seinen Namen im Strafregister, im kriminalpolizeilichen Informationssystem EKIS und, wie Zeger sagte, im weniger bekannten System EDIS, in dem "auffällige" Personen oder Gruppierungen gespeichert würden, z. B. jene Studenten, die vor zwei Jahren im Parlament Flugzettel warfen. Dies sei klarerweise als Verwaltungsübertretung zu ahnden, EDIS "geht schon ein wenig Richtung Stasi", kritisierte der Datenschützer.

Anonymous-Aktionen in Österreich.

Anonymous-Aktionen in Österreich.Grafik: APA Anonymous-Aktionen in Österreich.Grafik: APA

Auch der "Pleitegeier" führt sein Register: Die Exekutionsdatenbank, die "rund zehn Jahre systematisch von Firmen geplündert wurde". Zwar anonym, allerdings mit Namen verknüpfbar, sind dezentral geführte Register, die Auskunft geben über Lage, Größe und Kategorie von Wohnungen.

Genauer als für den durchschnittlichen Beschäftigten werde die Tätigkeit von Bundesbediensteten registriert, sagte Zeger, sehr viele Informationen würden über Landwirte gesammelt - von Subventionen bis zu Ernteerträgen und Viehbestand. "Im Prinzip ist jedes Hendl in einer Datenbank", sagte der Fachmann. "Landwirte sind eigentlich gläserner als gläsern - wenn man das so ausdrücken könnte".

Nicht jede Datenbank ist übrigens "exklusiv": Ein- und dieselben Daten von Bürgern können durchaus in mehreren Registern gespeichert sein, sagte Zeger.

Anonymous - Auch Thema bei Sitzung des Datenschutzrats
Neben der Vorratsdatenspeicherung wird das Thema Anonymous am kommenden Montag auf der Tagesordnung der Sitzung des Datenschutzrats stehen, erzählte dessen Vorsitzender Johann Maier (S). So will man u.a. diskutieren, ob die gesetzlichen Bestimmungen in Sachen Computerkriminalität ausreichend sind. Speziell geht es um die Bekämpfung von Datenmissbrauch - auch wenn diese nicht durch Hacken beschafft wurden.

Andererseits will Maier auch die Forderungen von Hans Zeger von der ARGE Daten aufgreifen und besprechen, wie man bei Unternehmen IT-Sicherheit implementieren und auch kontrollieren kann. Und schließlich soll man über eine alte Forderung des Politikers sprechen: Die Einsetzung betrieblicher Datenschutzbeauftragter, die auch entsprechende IT-Konzepte zu erarbeiten hätten. "Ich glaube, mit einem solchen Datenschutzbeauftragten wäre es bei der Tiroler Gebietskrankenkasse nicht so weit gekommen."

Unabhängige Datenschutzbehörde
Die von der EU bereits vor Jahren verlangte Einrichtung einer unabhängigen Datenschutzbehörde, die es noch immer nicht gibt, sieht Maier offenbar zwiespältig. Hier gäbe es auch in anderen Ländern Diskussionen, etwa was denn "unabhängig" bedeutet. Hier sei eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs abzuwarten. Außerdem erwartet sich der Parlamentarier, dass die Union ihre diesbezüglichen Vorstellungen im November bei der Vorlage des Datenschutzrahmens präzisiert.
Der beim Bundeskanzleramt eingerichtete Datenschutzrat ist nach Eigendefinition ein Beirat, der die Bundesregierung und die Landesregierungen auf deren Ersuchen in rechtspolitischen Fragen des Datenschutzes berät. Er ist zur Wahrung des Datenschutzes berufen und hat in dieser Funktion die primäre Zielsetzung, die Entwicklung des Datenschutzes in Österreich zu beobachten und Vorschläge für seine Verbesserung zu erarbeiten.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-10-01 21:36:48
Letzte Änderung am 2011-10-01 21:42:14


Beliebte Inhalte



Der ORF hat sich in der Causa Facebook auch an den Verwaltungsgerichtshof gewandt. Dieser könnte - trotz der Ablehnung durch den VfGH - noch aufschiebende Wirkung gewähren, ansonsten muss der ORF unverzüglich alle Social-Media-Aktivitäten einstellen. - APAweb
  • Nun ist Verwaltungsgerichtshof am Zug, sonst muss der ORF unverzüglich alle Social-Media-Aktivitäten einstellen.
  • weiter

Was verursachte die Panne, die den Auftakt zum Handel mit Facebook-Aktien um eine gute halbe Stunde verzögerte? Die US-Börsenaufsicht hat die Untersuchungen eingeleitet. - APAweb/Reuters/Thomas Hodel
  • Ernüchternder Börsengang von Panne überschattet.
  • Übernahme der Handy-App Karma gemeldet.
  • weiter

Das US-Justizministerium würde erneut Opfer eines Hacker-Angriffs. - Screenshot justice.gov Washington. Zum zweiten Mal in diesem Jahr ist das US-Justizministerium Opfer eines Hacker-Angriffs geworden. Die Behörde räumte am Montag in...weiter

Apple bleibt die wertvollste Marke der Welt. Der US-Technologiekonzern habe seinen Markenwert im vergangenen Jahr noch weiter gesteigert und seinen 2011 erreichten Spitzenplatz verteidigt. - APAweb/Reuters
  • Apple-Boss ist der bestbezahlte Unternehmenschef in den USA.
  • Red Bull mit 10 Milliarden Dollar Markenwert auf Rang 80. Facebook nun Nummer 19.
  • weiter

 Es vereine damit die Vorteile von sozialen Online-Netzwerken und sozialer Suche, die auf der Auswertung von Suchergebnissen von Personen mit ähnlichen Interessen beruht. Hauptzielgruppe des Angebots sind demnach Studenten. - Screenshot: Archiv
  • Bisher stand das Netzwerk nur Informatik- und Designstudenten verschiedener US-Hochschulen offen. Nun könnten es alle Interessierten nutzen.
  • weiter




Werbung




Porträt Emilie Flöge, 1902
Gustav Klimt
Öl auf Leinwand

Vergessenes wurde wiederentdeckt. Im Naturhistorischen Museum freut man sich über die Belebung des Museums durch die Arbeit des Künstlers Daniel Spoerri. (Im Bild: "Austernschabracken-Pferdeskelett-Spießbock-Kümmerer" von Spoerri.) Blick auf das Werk "Sevilla-Series, No. 1, Tapir" des Künstlers Daniel Spoerri im Rahmen der Ausstellung "ein inkompetenter Dialog?" im Naturhistorischen Museum in Wien. Die Ausstellung ist vom 23. Mai bis 17. September 2012 zu sehen. (21. Mai)
Siehe auch: http://bit.ly/JrMvnU

Ein Demonstrant zeigt der berittenen Polizei das Victory Zeichen.  Hunderte Amerikaner gingen am Wochenende auf die Straße, um gegen den NATO-Gipfel in Chicago zu protestieren. Das amerikanische Model Lydia Hearst posiert für die Kamera.

Werbung