Berlin. Kein guter Tag für die deutsche Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger – denn der "Bundestrojaner" wurde geknackt. Dieses Überwachungs-Programm dient der Durchsuchung von Computern über das Internet. Seit 2007 wurde die Verwendung dieser Software immer wieder stark kritisiert – neben der technischen Umsetzung kamen auch die Verwendungsmöglichkeiten in Verruf. Nun gelang es dem Chaos Computer Club, eine Version des Bundestrojaners auf seine genaue Funktionsweise zu analysieren.
Auf der Seite des CCC heißt es:
"Der Chaos Computer Club (CCC) hat eine eingehende Analyse staatlicher Spionagesoftware vorgenommen. Die untersuchten Trojaner können nicht nur höchst intime Daten ausleiten, sondern bieten auch eine Fernsteuerungsfunktion zum Nachladen und Ausführen beliebiger weiterer Schadsoftware. Aufgrund von groben Design- und Implementierungsfehlern entstehen außerdem eklatante Sicherheitslücken in den infiltrierten Rechnern, die auch Dritte ausnutzen können."
Server auch in den USA
Neben dem Ablesen von Bildschirmen ist die Software auch in der Lage, Internet-Telefonie mit zu verfolgen. Für weitere Verwendungszwecke können Zusatzfunktionen nachgeladen werden. Besondere Kritikpunkte sind die Server, über die operiert wird. Während einer davon in Hessen steht, befindet sich der zweite in Verwendung stehende Webserver in Ohio, USA. Eingriffe durch US-amerikanische Behörden sind möglich, ein Missbrauch der gespeicherten Daten durch Dritte wird befürchtet. Auch die deutschen Behörden sollen die strengen gerichtlichen Reglementierungen zur Online-Durchsuchung mehrfach überschritten haben. FDP-Abgeordnete Leutheusser-Schnarrenberger sieht das kritisch: "Es ist mehr als beunruhigend, dass die berechtigten technischen Argumente der Beschwerdeführer in der Klage gegen die Online-Durchsuchung vor dem Bundesverfassungsgericht jetzt bestätigt werden". Die geplante Verwendung der Untersuchungs-Software trotz der nun nachgewiesenen Mängel setzt die zuständigen Polizeistellen weiter unter Druck.
Neben der Analyse vorhandener Funktionen der Software konnte der Chaos Computer Club auch ein selbst erstelltes Modul zur Fernsteuerung des Zielcomputers erfolgreich dem Trojaner hinzufügen. Da das erklärte Ziel der Bundesbehörden ausschließlich die Telekommunikations-Überwachung war, ist die nachgewiesene Funktion zur Nachrüstung des Programmes einer der schwersten Mängel und somit auch der größte Kritikpunkt. Auch ohne Erweiterung kann in der Praxis kaum zwischen behördlich genehmigter und gesetzlich illegaler Überwachung getrennt werden, da an zu vielen Stellen Daten erhoben und unzureichend verschlüsselt werden. Beim Zugriff auf die erwähnten Funktionen wird laut CCC keine Authentifizierung benötigt – ein möglicher Missbrauch wird somit erleichtert. Nun fordert der Hacker-Verein ein endgültiges Verbot der in Verruf geratenen Software.
Das US-Justizministerium würde erneut Opfer eines Hacker-Angriffs.Screenshot justice.gov Das US-Justizministerium würde erneut Opfer eines...weiter