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  • Artikel vom 24.01.2012, 14:34 Uhr

Digital-News

Update: 24.01.2012, 14:37 Uhr
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Webprojekt MathInBraille

Mathematik zum Tasten


  • Neues Webservice ermöglicht es, komplizierte Formeln in Blindenschrift auszudrücken.

Mathematik in der Braillezeile: Komplexe Formeln können dargestellt und abgerufen werden. - http://www.hilfsgemeinschaft.at

Mathematik in der Braillezeile: Komplexe Formeln können dargestellt und abgerufen werden. http://www.hilfsgemeinschaft.at

Wien. Die Brailleschrift ist die Schrift der Blinden und Sehbehinderten: Sie besteht aus erhabenen Punktmustern, die mit den Fingerspitzen abgetastet werden können. Das Feld der konventionellen Sprache deckt die Brailleschrift problemlos ab, die Darstellung mathematischer Symbole ist aber schwierig. Das neu entwickelte Onlineportal www.mathinbraille.at bietet Blinden ab sofort die Möglichkeit, bislang unzugängliche mathematische Inhalte einfach und kostenlos in lesbare Braille- und Sprachformate zu konvertieren.

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Die Darstellung mathematischer Formeln mit ihrer Vielzahl von Symbolen gehört zu den schwierigsten Aufgaben im Bereich der Brailleschrift. Weltweit existiert noch immer kein einheitliches System, auch wegen der nationalen Unterschiede zwischen den Brailleschriften in verschiedenen Sprachen. Blinde und sehbehinderte Menschen haben daher große Schwierigkeiten beim Lesen mathematischer Inhalte. Dieses Problem versuchte das Projekt MathInBraille zu lösen, das 2010 von der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs in Kooperation mit dem Institut Integriert Studieren der Johannes Kepler Universität Linz ins Leben gerufen wurde.

"Der Zugang zu Texten in Brailleschrift hat sich in den letzten Jahren entscheidend verbessert. Anders ist die Situation bei mathematischen Formeln, die meist nicht oder nur unzulänglich bereitgestellt werden", fasst Univ.-Prof. Dr. Klaus Miesenberger die Ausgangssituation zusammen. "Mit MathInBraille haben wir eine einfache, internetbasierte Lösung zur Verfügung gestellt, die bei Bedarf in der Praxis, also im Alltag, in der Schule, an der Universität schnell und einfach anzuwenden ist", erläutert der Projektleiter das Potenzial des Onlineportals.

Aufwändige Entwicklungsarbeit
Bei der aufwändigen Entwicklung des innovativen Webservice galt es komplexe Herausforderungen zu bewältigen. So musste ein 8-Punkte-Braillesystem für mathematische Inhalte neu definiert werden, das sich zum Lesen auf der Braillezeile am Computer eignet. Die visuelle Darstellung von Formeln, wie z. B. √(a²+4)/8, wurde auf die lineare, taktile Ebene von Brailleformaten heruntergebrochen. Um eine brauchbare Sprachausgabe generieren zu können, musste eigens ein verbales Mathematiksystem definiert werden. Das ist eine Vorschrift, wie mathematische Inhalte vorgelesen werden müssen, um überhaupt verständlich zu sein. Informatiker der Universität Linz entwickelten die Softwaremodule zur Implementierung in die frei zugängliche Konvertierungsdatenbank MathInBraille.

Blinde und sehbehinderte User können jetzt mithilfe des neuen Onlineportals ganz einfach zum Beispiel die Heronsche Flächenformel oder den Satz des Pythagoras in Braille- oder Sprachformate konvertieren.

"MathInBraille ist ein wichtiger Beitrag zum Abbau der digitalen Kluft", ist Mag. Irene Vogel, Geschäftsführerin der Hilfsgemeinschaft, überzeugt. Schüler und Studierende, aber auch alle anderen blinden und sehbehinderten Personen, die sich beruflich oder in ihrer Freizeit mit Sach- und wissenschaftlicher Literatur beschäftigen, können von MathInBraille profitieren.

Das Förderprogramm Netidee 2010 der gemeinnützigen Internet Foundation Austria (IPA) hat das Projekt MathInBraille finanziert. Dabei handelt es sich um ein Folgeprojekt des ebenfalls von der IPA geförderten, äußerst erfolgreichen Webservice RoboBraille-Deutsch (www.robobraille.at). Nichtkommerzielle Anwender können damit kostenlos elektronische Dokumente in Blindenschrift oder synthetische Sprache konvertieren. Dadurch wird der Zugang zu Information und Bildung für visuell beeinträchtigte Menschen und Personen mit Lese-/Schreibschwäche wesentlich erleichtert. Der RoboBraille-Service ist derzeit in 15 Sprachen verfügbar.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-01-24 14:34:23
Letzte Änderung am 2012-01-24 14:37:14


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