• vom 27.01.2012, 14:50 Uhr

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Update: 27.01.2012, 14:53 Uhr
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"Doctor of Exorcisms" - Führung laut Wissenschaftsministerium strafbar

Titelkauf im Web: Rabattportal wirbt mit kirchlichen Doktorwürden



  • "deallx.at" wirbt mit Ehrendoktortiteln "für 39 statt 150 Euro".
  • Geschäftsführer: "Läuft unter dem Titel Geschenkideen".

Da würde selbst Graf Bobby Rot werden. Ein Titel aus dem Internet: Für die Einen eine "außergewöhnliche Geschenkidee", für die Anderen verboten.

Da würde selbst Graf Bobby Rot werden. Ein Titel aus dem Internet: Für die Einen eine "außergewöhnliche Geschenkidee", für die Anderen verboten.Foto: Constantin Film Da würde selbst Graf Bobby Rot werden. Ein Titel aus dem Internet: Für die Einen eine "außergewöhnliche Geschenkidee", für die Anderen verboten.Foto: Constantin Film

Wien. "Hol dir deinen Doktortitel, ganz schnell und unkompliziert" heißt es auf "http://deallx.at". Auf dem Rabattportal wird dem Besucher am Freitag neben Yoga-Schnupperkurs, Hotelschnäppchen und Massagegutscheinen der Ehrendoktor als "Deal des Tages" um 39 statt 150 Euro angeboten. Statt Studium und Promotion braucht es nur eine "Spende" an die "Miami Life Development Church" (MLDC) zu kirchlichen Ehrendoktorwürden. 17 Käufer haben sich innerhalb der ersten 14 Stunden laut Webseite gefunden - sie können aus verschiedensten Doktortiteln vom "Doctor of Alternative Health" bis zum "Doctor of Exorcisms" oder "Doctor of Feng Shui" wählen.

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  Hinter dem Angebot steht die Webseite http://doktortitel-kaufen.net,, die bereits vor einem Jahr durch die deutschen Medien ging. Auf der Webseite wird beteuert, dass kein "Titelhandel" vorliegt, die US-"Kirche" verleihe lediglich "kirchliche Ehrenwürden, sogenannte Doktor h.c. Grade, bzw. Professor h.c. Grade" als Dank für eine "Spende". Für den Doktor sind 150 Euro hinzublättern, für den Professor 200 Euro. Einen Online-Auftritt hat die Glaubensgemeinschaft aus Florida nicht, das übernimmt die Webseite stellvertretend.

Schnelle Lieferung und protzige Urkunde  
Nach Zahlung auf http://deallx.at erhält der Kunde einen Gutscheincode, den er auf der Titelkauf-Seite eintragen kann. Nach Eingang der "Spende" wird eine Urkunde verschickt. Ein Journalist der "Süddeutschen Zeitung" berichtet von einer schnellen Lieferung und einer "protzigen" Urkunde - mit echtem Stempel und faksimilierter Unterschrift "eines D. van Hoogen, des Senatspräsidenten". Laut Webseite ist das Tragen des Titels möglich, wenn keine Verwechslung mit akademischen Graden droht. Mit der Schreibweise "Dr. h.c. of metaphysics, MLDC Institute (USA)" sei man auf der sicheren Seite.

  Was in den USA und möglicherweise in Deutschland kein Problem ist, könnte in Österreich zu einem werden: Laut Heinz Kasparovsky, dem zuständigen Beamten im Wissenschaftsministerium, wird gerne mit "kirchlichen Titeln" gehandelt, "weil diese in den USA nicht unter die strenge Bestimmung der 'akademischen Grade' fallen". Diese Unterscheidung sei in Österreich aber irrelevant, "da unser Recht vom Anschein eines akademischen Grades ausgeht". Was sich "Doctor of ..." nennt, fällt genau darunter, eine Führung des Titels ist daher nicht möglich. Wegen des äußeren Eindrucks sind diese Titel daher strafrechtlich genauso wie akademische Grade im Sinne des Studienrechts zu sehen - und § 116 des Universitätsgesetzes 2002 besagt, dass wer in Österreich einen akademischen Grad unberechtigt verleiht, vermittelt oder führt, mit bis zu 15.000 Euro Verwaltungsstrafe rechnen kann.

"Außergewöhnliche Geschenkidee"  
Einer der beiden Geschäftsführer der für die Webseite verantwortlichen, in Wien ansässigen DEALLX GmbH, Bernhard Auer, sieht das Angebot auf APA-Nachfrage gelassen. Man wolle den Kunden "ein möglichst unterschiedliches Angebots-Portfolio zusammenstellen", da gehörten "außergewöhnliche Geschenkideen" eben auch dazu. Die Plattform selbst sei nur "Vermittler" zwischen dem werbenden Partner-  in dem Fall http://doktortitel-kaufen.net - und dem Kunden. Die Leistung bestehe "in der Ausstellung dieser Urkunde", "das Blatt Papier hat bis auf einen lustigen Geschenkwert keinen Wert".

  Dass manch ein Käufer den Titelerwerb ernst nehmen könnte, denkt Auer nicht. "Das läuft unter dem Titel Geschenkideen." Tatsächlich heißt es auf der Webseite nur unter einem von mehreren Punkten "auch zum Verschenken". Wörtlich ist etwa von einer "öffentlich gültigen Titelbezeichnung" die Rede. Der "Gutschein gilt für einen Doktortitel (Doktor honoris causa)", nicht etwa für die Ausstellung einer Urkunde. Für Auer ist ein Juxgeschenk für 39 Euro legitim - "für 150 Euro hätten wir den Deal aber nicht angeboten".




Schlagwörter

Internet, Doktortitel

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-01-27 14:52:17
Letzte Änderung am 2012-01-27 14:53:49


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