Wien/Köln. Im Standortwettbewerb zwischen Städten kommt sozialen Netzwerken eine größere Bedeutung zu. Wie Fälle aus Deutschland und den USA zeigen, zählen bei Fragen der Standortwahl für Unternehmen längst nicht mehr nur Themen wie Infrastruktur oder Steueranreize, sondern auch die online bekundete Stimme des Volkes.
2012 soll der deutsche Markt erobert werden, gab Twitter-Mitgründer JackDorsay kürzlich bekannt. Weil dafür in Deutschland ein Büro eröffnet werden soll, meldeten unverzüglich mehrere Städte ihr Interesse an, darunter Berlin, Frankfurt, München – und Köln. Dort formierten sich Unternehmer und Bürger kurzerhand über Twitter selbst. Inzwischen machen sich bereits mehr als Tausend Twitterer für Köln stark.
Buhlen um Bananenkonzern
Mit einer über Twitter ausgetragenen Konkurrenz machte man auch in den USA bereits Erfahrung. Im September vergangenen Jahres verkündete der amerikanische Nahrungsmittelkonzern Chiquita, den Hauptsitz des Unternehmens aus Cincinnati zu verlagern – wohin, stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest. Der dieser Ankündigung folgende Wettbewerb um die Gunst des Unternehmens erfasste bald auch das Internet. Zunächst versuchten Einwohner Cincinnatis, mit Sympathiebekundungen über Twitter Chiquita doch noch zum Verbleib in der Stadt zu bewegen.
Binnen kurzem tat sich jedoch auch auf dem sozialen Netzwerk eine Front auf: Einwohner des mit Cincinnati wetteifernden Charlotte buhlten auf Twitter um den Konzern und die Aussicht auf neue Arbeitsplätze – und trugen schließlich den Sieg davon. "Wir sind zuversichtlich, dass Charlotte der optimale Ort für unser Geschäft ist", streute Chiquita-Vorstandschef Fernando Aguirre der Stadt Rosen. Wesentlich bei der Entscheidung zugunsten Charlottes waren dabei Faktoren wie ein aufstrebender Flughafen, Steuererleichterungen in Millionenhöhe und Mittel aus den öffentlichen Fördertöpfen. Immerhin aber ist Aguirre selbst auf Twitter höchst aktiv. Und soll am Wettbewerb, der um den Sitz seines Unternehmens geführt wurde, großen Gefallen gefunden haben.
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