Tokio/Seoul. (ag/wak) Die goldenen Zeiten von Sony sind bis auf weiteres vorbei. Revolutionär war der japanische Konzern, als er den Walkman erfunden hat. Und dann die CD. Doch Walkman und Compact Discs klingen nicht nur nach Retro, sie sind es auch. Das Einzige, was Sony neben seiner glorreichen Vergangenheit von seinen zahllosen Konkurrenten im technologischen Bereich unterscheidet, ist die Playstation, die wiederum von Nintendo gehörig Konkurrenz bekommt. Ansonsten produziert Sony all das, was auch alle anderen produzieren: Flat Screens und Blu Rays. Handys und Laptops (Vaio).
Zu viele japanische Elektro-Firmen machen inzwischen das Gleiche: Mindestens acht Unternehmen bauen Mobiltelefone, mehr als zehn verkaufen Reiskocher. Alle forschen halbherzig an ähnlichen Produkten herum, niemand ist wirklich innovativ. Seit 2000 haben die fünf größten japanischen Konzerne (Sony, Panasonic, Fujitsu, Sharp und der semi-staatliche Konzern NEC) sage und schreibe zwei Drittel ihrer Marktkapitalisierung verloren. Die Ratingagentur Fitch hat zu Jahresanfang die Schulden von Sony und Panasonic auf nur eine Stufe vor dem Griechenland-Ramsch-Status heruntergestuft.
"Galapagos-Effekt" in Japans Elektronik-Industrie
Die technischen Produkte der japanischen Unternehmen würden zudem oft an einem "Galapagos-Effekt" leiden, schreibt etwa der "Economist": Oftmals wären sie zu speziell oder zu inkompatibel, um es vom japanischen Markt ausgehend in den Rest der Welt zu schaffen.
Anders die südkoreanischen Konkurrenten Samsung oder LG. Sie haben im Technologie-Wettbewerb immer öfter die Nase vorn. Samsung und LG matchen sich derzeit um den großen Wandel im Fernsehgeräte-Markt: LCD-Bildschirme sind nach jahrelanger Dominanz auf dem Rückzug, die Zukunft beansprucht die OLED-Technik (Organic Light Emitting Diodes) für sich. OLED-Displays sind kräftiger, dünner und sparsamer, kamen aber wegen höherer Kosten bisher nur bei Smartphones zum Einsatz. Dieses Jahr soll die Technik endgültig den Sprung an die Wohnzimmerwände schaffen. LG kündigte etwa bereits einen OLED-Fernseher mit einer Bildschirmdiagonale von 55 Zoll (knapp 140 Zentimeter) an. Bisher war Samsung der mit Abstand weltgrößte OLED-Anbieter.
Analysten hatten gehofft, dass Sony bei seinem lang angekündigten Konzernumbau gleich als Erstes die schwer defizitäre TV-Sparte verkauft. Doch Sony gibt sich trotzig. Durch eine Senkung der Fixkosten um 60 Prozent und eine Kürzung der Betriebskosten um 30 Prozent soll die TV-Sparte im Geschäftsjahr 2013/14 wieder Gewinn abwerfen. Das gab der neue Sony-Chef Kazuo Hirai bekannt. Experten fürchten allerdings, dass dieses Unterfangen angesichts der koreanischen Rivalen aussichtslos sein wird.
Starker Yen schwächt die Japaner im Wettbewerb
Wie berichtet steckt Sony im vierten Jahr in Folge in der Verlustzone. Der starke Yen - der vor allem gegenüber dem koreanischen Won aufgewertet hat - hilft auch nicht unbedingt. Am Donnerstag gab Hirai bekannt, dass die Neuausrichtung den Konzern im laufenden Geschäftsjahr umgerechnet 700 Millionen Euro kosten wird. 10.000 Arbeitsplätze werden abgebaut. Gleichzeitig verkündete der Sony-Chef ehrgeizige Ziele. Sony wolle Weltmarktführer bei Mobiltelefonen werden. Und das Geschäft in rasant wachsenden Ländern wie Indien und Mexiko vorantreiben.
Von dem radikalen Jobabbau sollen übrigens die zwei Salzburger Werke nicht tangiert sein, sagte Unternehmenssprecherin Christina Schobesberger zur APA. In Salzburg werde ohnedies ein Reformpaket umgesetzt, das den Abbau von 158 Mitarbeitern beinhaltet. Bei Sony DADC Austria in Anif und Thalgau werden DVDs, Blu-ray Discs und medizintechnische Chips erzeugt.
Zudem soll sich der schwankende Riese verstärkt auf Geschäftsfelder abseits klassischer Unterhaltungselektronik ausrichten. Mit Medizintechnik wollen die Japaner bis 2014/15 knapp eine halbe Milliarde Euro einnehmen. Dafür wollen sie auch auf Einkaufstour gehen. Sony sucht Übernahmekandidaten. "Sony wird sich verändern", sagt Hirai.
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