• vom 24.04.2012, 12:13 Uhr

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Update: 24.04.2012, 12:17 Uhr
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Es geht um 650 Patente oder Anwendungen

Facebook kauft für 550 Mio Dollar Patente von Microsoft



  • Soziale Netzwerke verliert vor Börsegang an Tempo.
  • Nutzerekord versus sinkendem Gewinn.

Redmond. Kurz vor seinem Börsengang kauft Facebook für 550 Mio. Dollar (419 Mio. Euro) zahlreiche Patente von Microsoft. Dabei gehe es um 650 Patente oder Anwendungen, die Microsoft selbst erst jüngst von AOL erworben habe, teilten beide Firmen am Montag mit. AOL hatte Anfang April angekündigt, einen Großteil seiner Patente für rund eine Milliarde Dollar an Microsoft zu verkaufen. Facebook will voraussichtlich im Mai an die Börse gehen.

   Weltweit bemühen sich Technologiekonzerne, ihren Bestand an Patenten aufzustocken, um sich dauerhaft Lizenzen und damit Einnahmen zu sichern. Beispielhaft für Streitigkeiten in dem Bereich sind die Klagen, mit denen sich Yahoo und Facebook jüngst gegenseitig überzogen. Kreisen zufolge soll auch Google Interesse an den AOL-Patenten gehabt haben, die letztlich Microsoft erwarb.

Welche Patente jetzt zu Facebook weitergereicht wurden, blieb offen. Fest steht aber der Grund für den Kauf: Facebook rüstet sich damit für die laufenden Patent-Händel vor Gerichten in mehreren Ländern. Das Unternehmen baue ein Portfolio an geistigem Eigentum auf, um seine Interessen zu schützen, erklärte Chefjustiziar Ted Ullyot unumwoben. Facebook befindet sich derzeit mit Yahoo in einem Rechtsstreit um die illegale Nutzung von technischen Ideen.

Netzwerk hat nun 900 Millionen Nutzer
Nur wenige Wochen vor dem erwarteten Börsengang schwächelt Facebook. Das zeigt ein Blick in den aktualisierten Börsenprospekt mit den neuesten Geschäftszahlen. So manches, was die potenziellen Investoren in dem rund 200 Seiten umfassenden Dokument lesen konnten, dürfte ihnen sauer aufgestoßen sein.

  Zum ersten Mal seit zwei Jahren schrumpfte der Umsatz im direkten Quartalsvergleich - und zwar vom Schlussquartal 2011 zum Auftaktquartal 2012 um 6 Prozent. Und das, obwohl Facebook die Zahl seiner Nutzer im gleichen Zeitraum kräftig steigern konnte. Facebook begründete den Rückgang am Montag mit "saisonalen Trends". Zu Weihnachten werben Firmen gemeinhin besonders stark - und Werbung ist für Facebook immer noch die Haupteinnahmequelle.

 
Ein Traumwert bereitet Kopfweh
Von 2010 auf 2011 hatte Facebook dieses Loch jedoch umgehen können. Damals war das Unternehmen rasanter gewachsen als heute. Facebook hatte es in der Vergangenheit nicht selten geschafft, sein Geschäft binnen eines Jahres zu verdoppeln. Nun stieg der Umsatz im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum noch um 45 Prozent auf 1,06 Mrd. Dollar (807 Mio. Euro). Für jede normale Firma wäre das ein Traumwert - für Facebook ist es wenig.

  Auch beim Gewinn musste Facebook zu Jahresbeginn Abstriche machen. Auf die gewöhnlichen Aktionäre entfielen 137 Mio. Dollar und damit 10 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Hauptgrund für den Rückgang waren deutlich gestiegene Marketing- und Entwicklungskosten. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte seine Mannschaft kräftig aufgestockt, und zwar um 46 Prozent auf gut 3.500 Mitarbeiter.

  Das Soziale Netzwerk hatte Ende März 901 Millionen aktive Nutzer im Monat. Ende Dezember waren es erst 845 Millionen. Die Nutzer sind der Schatz von Facebook. Neben der Werbung verdient das Unternehmen vor allem an den beliebten Onlinespielen. Die Einnahmequellen abseits der Werbung steuerten im ersten Quartal schon beinahe ein Fünftel zum Umsatz bei.

  Facebook dürfte in wenigen Wochen den größten Börsengang eines Internetunternehmens aller Zeiten hinlegen. Die Einnahmen sind auf 5 Mrd. Dollar veranschlagt. Der gesamte Börsenwert von Facebook - also inklusive der Anteile, die bei den Alteigentümern wie Mark Zuckerberg verbleiben - wird auf 75 bis 100 Mrd. Dollar geschätzt.

  Wie Facebook jetzt enthüllte, soll die Aktie an der Technologiebörse Nasdaq gehandelt werden - das ist ein Schlag für die traditionsreiche New York Stock Exchange mit ihrem klassischen Parketthandel. Bei dem Börsengang winken nicht nur Gebühren, sondern auch jede Menge Renommee. Das genaue Datum für den Börsengang ist aber weiterhin unklar.

  Um sich interessanter für Anleger zu machen, hatte Facebook erst vor wenigen Wochen die Übernahme des Fotodienstes Instagram für 1 Milliarde Dollar verkündet. Der Börsenprospekt offenbart nun die Details des Kaufs: Demnach fließen 300 Mio. Dollar in bar, der Rest wird in Aktien bezahlt, 23 Millionen an der Zahl. Sollte der Kauf platzen - etwa wegen Bedenken der Wettbewerbshüter - stehen den Instagram-Eignern 200 Mio. Dollar als Trostpflaster zu.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-24 12:16:45
Letzte Änderung am 2012-04-24 12:17:24


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