Wien. Facebook wagt einmal mehr einen halbherzigen Versuch, seine Datenschutz-Bestimmungen auf Vordermann zu bringen. Das weltgrößte Online-Netzwerk hat seine Datenschutz-Richtlinie erneuert. Eine wesentliche Neuerung ist, dass einige Informationen länger als bisher gespeichert werden könnten.
"Wir werden Daten so lange einbehalten, wie dies erforderlich ist, um den Nutzern und anderen Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Diese umfassendere Verpflichtung gilt für alle Daten, die wir über Dich sammeln und erhalten, einschließlich Informationen von Werbetreibenden", hieß es in einer Erklärung von Facebook. Damit können Daten in einigen Fällen länger als die bisherigen 180 Tage aufbewahrt werden.
Wiener Studenten sehen Rückschritt
Eine Wiener Studentengruppe, welche einen Rechtsstreit gegen Facebook im Zusammenhang mit der Nutzung von Daten angestrengt hat, sprach am Wochenende von einem Rückschritt. "In der neuen Richtlinie erlaubt sich Facebook noch mehr und probiert die aufgedeckten Fehler dadurch zu "legalisieren", dass sie nun offiziell in der Datenschutzrichtlinie stehen.", hieß es dazu am Wochenende von Seiten Wiener Facebook-Kritiker. Die Studentengruppe "europe-v-facebook.org", führt derzeit einen Rechtsstreit mit Facebook. Max Schrems, Sprecher der Gruppe, wurde in einer Erklärung so zitiert: "Wir freuen uns natürlich extrem, dass wir mit ein paar Anzeigen diesen Weltkonzern dazu zwingen die Richtlinie zu ändern. Gleichzeitig sind wir vom Inhalt der Änderungen wenig begeistert. Facebook nimmt sich nun sogar noch mehr raus als zuvor. Das Motto scheint zu sein: Ein Schritt vorwärts, zwei zurück!"
Hintergrund für die Änderungen seien Auflagen der irischen Datenschutzbehörde, die in einem ersten Bericht vom 21. Dezember 2012 Facebook zu massiven Verbesserungen der Datenschutzrichtlinie aufgerufen hätte. Diese Verbesserungen hätten laut dem Bericht schon mit 31. März 2012 erfolgen sollen, Facebook hatte diese Frist aber bisher ignoriert. Der Bericht basiert auf 22 Anzeigen welche von "europe-v-facebook.org" in Irland eingebracht wurden.
Zur neuen Richtlinie wird von Facebook erstmals sehr ausführlich dargestellt, welche Informationen Facebook über sogenannte Cookies bekommt - kleine Dateien, die Websites auf dem Rechner des Users ablegen, um Nutzer wiederzuerkennen. Über die Verwendung von Cookies durch Facebook hatte es immer wieder zum Teil heftige Diskussionen mit Datenschützern gegeben.
Hauptkritikpunkt der Studenten ist, dass Facebook sich nun als Controller der User-Daten bezeichnet. Damit würden die Benutzer de facto enteignet werden.
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