München. Der US-Computerriese Apple hat einem Experten-Blog zufolge Interesse an Deutschlands größtem Fernseher-Hersteller Loewe. Die Internetseite "Apple Insider" zitiert einen angeblichen Kenner der Pläne, wonach die Amerikaner knapp 88 Millionen Euro für die Oberfranken bieten wollen. Eine Vorentscheidung solle noch in der laufenden Woche fallen. Loewe erklärte allerdings, nicht über eine geplante Übernahme informiert zu sein. Der Aktienkurs schoss am Montag dennoch um 26 Prozent nach oben.
Was Apple an Loewe reizen könnte:
Apple feilt seit längerem erfolglos an einem breiten Einstieg ins TV-Geschäft. Loewe könnte durch seine lange Erfahrung viel Erfahrung in Sachen Technik und Vermarktung mitbringen. Die ausgetüftelten Geräte vom Erfinder des Fernsehens sind vollgestopft mit Technologie und Schnittstellen. Zudem ähnelt das traditionelle Loewe-Design mit seiner Fokussierung auf die Farben weiß, schwarz und silber dem des US-Konzerns fast aufs Haar. Loewe ist in Europa als Nobelmarke etabliert.
Loewe hat in den vergangenen Jahren seine Produkte konsequent für eine Vernetzung mit der Apple-Welt entwickelt. So kann ein iPad oder iPhone der Amerikaner mittels App als Fernbedienung für Loewe-Fernseher dienen. Auch die Audi-Produkte baute Loewe um Apple herum. Der Lautsprecher "Air Speaker" gibt drahtlos Musik von den Apple-Geräten wieder. Der Computerriese verkauft die 750 Euro teuren Boxen in Deutschland sogar in seinen Läden und europaweit über seine Online-Shops.
Was Apples Interesse dämpfen könnte:
Loewe ist im weltweiten Markt ein Nischenanbieter. Der Jahresabsatz liegt bei rund 200.000 Geräten, selbst mittlere Anbieter wie Sharp oder Panasonic kommen auf ein Vielfaches. Der einzige Produktionsstandort des Traditionsherstellers liegt im oberfränkischen Kronach.
Die Loewe-Apparate kosten ein Mehrfaches des Durchschnittspreises für TV-Geräte in Europa, die Preisskala für Fernseher mittlerer Größe beginnt bei 1500 Euro und reicht bis 12.000 Euro für die Top-Produkte. Damit kommt Loewe in Deutschland auf einen Marktanteil von an die fünf Prozent. Zuletzt hatte Loewe zudem mit Verlusten und rückläufigen Jahresumsätzen zu kämpfen.
Die Franken sind international nur in Europa und dem Nahen Osten vertreten, in Asien und den USA ist die Marke praktisch unbekannt.
Um das Unternehmen unter seine Kontrolle bringen zu können, muss sich Apple mit mehreren Großaktionären einig werden. Der langjährige japanische Anteilseigner Sharp hält mit knapp 29 Prozent den größten Posten, der französische IT-Konzern LaCie gut elf Prozent. Eine Schlüsselperson ist zudem Aufsichtsratschef Rainer Hecker: Zusammen mit seiner Familie und dem Management kommt der Doyen der deutschen Unterhaltungselektronik auf 14 Prozent der Loewe-Anteile.
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