
New York. Facebook "gefällt mir": Wenn es um Sympathiebekundung per Mausklick geht, kann das soziale Netzwerk auf eine stattliche Anzahl an Fans verweisen: 66 Millionen Facebook-Nutzer versicherten dem US-Unternehmen auf der gleichnamigen Online-Plattform per "Gefällt mir"-Button (im englischen "Like") ihre Gunst. Am kommenden Freitag steht für den Internetkonzern aber ein Beliebtheitstest anderer Natur an: Denn dann will Facebook den größten Börsengang eines Internet-Konzerns hinlegen, den die Welt gesehen hat. Und beweisen, dass das soziale Netz nicht nur den Gefallen der Anwender, sondern auch den Geschmack der Anleger trifft.
"Die Mission von Facebook ist, die Welt offener und vernetzter zu machen", ließ Mark Zuckerberg, Gründer und Chef von Facebook, mögliche Investoren in einem Werbe-Video wissen. Die Mission, die seit der Gründung des sozialen Netzwerkes vor etwas mehr als acht Jahren als Studentenprojekt in Harvard ihren Anfang nahm, kann inzwischen auf eine Gemeinschaft von 901 Millionen Benutzern verweisen. Eine Gemeinschaft, die 125 Milliarden "Freundschaften" hervorgebracht hat, täglich mehr als 300 Millionen Fotos online stellt und Tag für Tag 3,2 Milliarden "Likes" und Wortmeldungen produziert.
So beeindruckend diese Zahlen auch sind, so beliebig ließen sie sich mit weiteren Daten zu Größe und Aktivität der Facebook-Gemeinschaft ergänzen. Denn das US-Unternehmen, das es längst zum globalen Konzern geschafft hat, will beim Gang an die Technologiebörse Nasdaq vor allem mit einem punkten: Superlativen.
Hohe Erwartungen vor dem geplanten Börsengang
Bei einer - mittlerweile erhöhten - Preisspanne von 34 bis 38 Dollar pro Aktie und einer Ausgabemenge von 337 Millionen Anteilsscheinen soll das Unternehmen am Freitag eine Summe von mehr als zwölf Milliarden Dollar einnehmen. Damit würde Facebook nicht nur im Vorbeigehen den Internet-Rivalen Google übertrumpfen, der 2004 lediglich 1,7 Milliarden Dollar lukrierte, sondern, da nur ein Teil des Unternehmens an die Börse gebracht wird, mit einem hochgerechneten Gesamtwert von bis zu 104 Milliarden Dollar schlagartig in einer Liga mit globalen Konzernen wie Siemens oder VW landen.
"Die Erwartungen sind hoch", bestätigt Leopold Salcher, Analyst von Raiffeisen Capital Management im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Preis unter 35 Dollar liegen wird, da der Run auf die Aktie groß sein wird", setzt Salcher fort. Tatsächlich ließen die Großinvestoren bereits so großes Interesse erkennen, dass die Preisspanne, die zunächst 28 bis 35 Dollar betragen sollte, angehoben wurde und die Bücher für Aufträge zum Aktienkauf früher geschlossen werden als geplant.
Und doch ist ungewiss, wie sich die Aktie im Handel entwickeln wird. "Am ersten Tag geht es sicher zur Sache, da ist das Interesse groß und Kursgewinne programmiert", prognostiziert Salcher. Deutlich unklarer sei aber die weitere Entwicklung. Börsengänge von IT-Unternehmen hätten gerade 2011 Risiken für Anleger offenbart. "Wer am ersten Tag unlimitiert gekauft hat, ist nach einiger Zeit ordentlich ins Minus geraten", sagt Salcher und verweist auf schwache Kursentwicklungen bei anfangs stark nachgefragten Unternehmen wie Groupon oder Zynga.
Zweifel an Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells
Für das größte Fragezeichen über dem Börsengang sorgen aber nicht die hohen Erwartungen der Anleger, sondern ein Geschäftsmodell, das auf Online-Werbung und damit auf Größe und Wert einer Web-Community basiert.
Facebook, das rund 85 Prozent seiner Einkünfte aus der Online-Werbung bezieht, bemüht sich, im Börsenprospekt die Community als Werbemarkt mit außergewöhnlichen Möglichkeiten anzupreisen. "Wir bieten Werbelösungen an, die Nutzer ermuntern und gleichzeitig persönliche Daten und Interessen berücksichtigen, um Werbern dabei zu helfen, ihre Ziele besser zu erreichen." Neben der relativ hohen Zielgruppengenauigkeit würde etwa ein "Like" für ein Unternehmen oder Produkt eine für den Freundes- oder Bekanntenkreis vertrauenswürdige Empfehlung darstellen und damit den Wert des Inserats erhöhen. Immer wieder wird dabei auf die Größe der Gemeinschaft verwiesen, die nach absoluten Zahlen immerhin ein Achtel der Weltbevölkerung umfasst.
Ernüchternde Ergebnisse
im vergangenen Quartal
Nach Ansicht von Roman Scharf, der sich seit dem Aufbau und Verkauf des Internettelefonie-Anbieters Jajah in der Startup-Szene einen Namen gemacht hat, ist das allerdings nachrangig. Obwohl Scharf mit seiner jungen Web-Vermittlungsplattform Talenthouse mittlerweile eine Gemeinschaft von 1,5 Millionen Kreativen aufgebaut hat, ist er überzeugt, dass der Erfolg in seiner Branche anders gemessen wird: "Die Bewertung eines Web-Unternehmens kommt weniger von der Communitygröße her, sondern vom Businessmodel", meint der im Silicon Valley lebende Exil-Österreicher. Denn am Ende müsse schließlich Geld verdient werden.
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