
Wien/New York. Erfolgreiche Internetkonzerne zeichnen sich durch ebenso einfache wie geniale Dinge aus: gute Software, große Nutzer-Community und damit einhergehend die Positionierung als breite Werbeplattform. Wegen der historischen Börsen-Erfahrungen und einem unübersehbaren Mangel an "angreifbaren" Produkten tendieren IT-Konzerne jedoch immer öfter dazu, die gesamte Wertschöpfungskette abzudecken.
Alle wollen am liebsten so wie Apple werden: Schaffe eine Marke, am besten cool und hip, entwickle einfache Software, kontrolliere die Hardware und die Inhalte - an denen du auch noch kräftig mitschneidest. Schon ist das Geschäftsmodell perfektioniert.
Doch auch Apple stößt an seine Grenzen. Dies zeigten die letzten Tage deutlich. Apple hat den mobilen Markt unter seine Herrschaft gebracht, die technophilen Menschen und solche, die es sein wollen, lechzen nach iPad und iPhone. Doch den Wohnzimmer-PC zu etablieren hat auch Apple nicht geschafft. Also muss eine Lösung her, und diese lautet: Fernseher. Der Fernseher als multimediale Unterhaltungszentrale im Wohnzimmer, samt Zugang zum Internet und seinem Content mit daran angeschlossener Werbe-Plattform, feiert eine Renaissance. Daher sucht Apple nach Übernahmekandidaten. Laut Gerüchteküche könnte dies der deutsche Hersteller Loewe sein.
Das Unternehmen ist so etwas wie das "Apple der Fernsehbranche" und bietet hochpreisige, weil durchgestylte Endgeräte an. Mit einem Schlag hätte Apple somit einen Fuß im TV-Geschäft. Loewe dementierte bislang, aber einen Apple-Fernseher wird es sicherlich in Bälde geben.
Google auf Einkaufstour
Der Online-Riese Google, uneingeschränkter Marktführer in Sachen Suchen und Finden im Netz, musste erkennen, dass das Internetgeschäft, wenn schon keine Blase, so doch langfristig nur schwer mit erfolgreichen Produkten zu befüllen ist, und ging auf Einkaufstour. Motorola wird nun Google-Handys bauen, bislang erledigte dies Samsung.
Der Softwarekonzern Microsoft, der gerne eine ebenso breite Wertschöpfungskette wie Apple hätte, setzt offiziell zwar immer noch auf sein Betriebssystem Windows und das Büropaket Office, doch die Geschäftsfelder sind längst erweitert - von der Spielekonsole bis hin zur engen Partnerschaft mit Nokia. Will man seine Software genutzt wissen, bedarf es eigener Endgeräte.
Facebook räumte zuletzt auch Probleme mit dem mobilen Bereich ein, in dem immerhin 488 der 901 Millionen registrierten Nutzer zu Hause sind. In einer Aktualisierung des Börsenprospekts bestätigte das Unternehmen, dass man "mit den mobilen Facebook-Produkten derzeit keine direkten nennenswerten Umsätze generiert", und erwähnte unter den möglichen Unternehmensrisiken, dass man bisher auch die Fähigkeit, dass dies in Zukunft gelingen könne, noch nicht unter Beweis gestellt habe.
Immerhin kündigte das soziale Netz aber die Entwicklung einer neuen App-Plattform an, die den Trend hin zur mobilen Nutzung Facebooks auch mit verbesserten Werbemöglichkeiten unterstützen soll.
Facebook muss reagieren: Den Anfang machte der Instagram-Zukauf. Als Nächstes muss ein eigenes Endgerät her - der Blackberry-Hersteller RIM wäre ein interessanter Übernahmekandidat, ist aber eher mäßig hip und jugendlich. Experten haben sich auch schon gefragt, ob die Börse-Milliarden Facebooks zum Aufkauf der Handysparte von Sony genutzt werden könnten. Erst in den kommenden Monaten werden sie darauf eine Antwort erhalten.
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