Frankfurt. Unternehmen in aller Welt haben am Mittwoch den neuen Internetstandard IPv6 eingeführt. Diese Umstellung der sogenannten IP-Adressen soll Internetnutzern eines Tages ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Zunächst aber sollen Verbraucher von der Umstellung kaum etwas mitbekommen.
Internet-Protokoll-Adressen (IP-Adressen) waren bisher 32-stellige Zahlencodes. Sie stecken als eindeutige Adresse unter anderem hinter den gut merkbaren Webseiten mit Endungen wie .de oder .com. Ruft ein Nutzer eine Internetseite über die Adresszeile des Internetbrowsers auf, fragt dieser beim sogenannten Nameserver - einer Art Web-Telefonbuch - nach der dazugehörigen IP-Adresse und ruft die Seite auf. Zudem hat jedes mit dem Internet verbundene Gerät eine IP-Adresse, egal ob Laptop, Smartphone oder Firmenserver.
4,3 Milliarden IP-Adressen lassen sich mit den 32-stelligen Zahlencodes generieren, doch das ist zu wenig: Überall auf der Welt gehen langsam die IP-Adressen aus. Auch der starke Anstieg internetfähiger Geräte lässt den Standard an seine Grenzen stoßen. Der Bedarf jedoch steigt stetig: Nicht nur gibt es immer mehr Internetseiten, auch die Zahl internetfähiger Geräte steigt: Zu Computern gesellen sich etwa Smartphones sowie Fernseher und bald vielleicht auch Autos, Kühlschränke oder Hundehalsbänder. Um genügend Adressen zur Verfügung zu haben, wurde mit IPv6 ein neuer Standard entwickelt.
340 Sextillionen neue Adressen
Die IP-Adressen nach dem alten Standard bestehen aus 32 Ziffern. Bei IPv6 besteht jede Internetadresse aus 128 Stellen. Dadurch sind 340 Sextillionen Adressen möglich - als Zahl: 340.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000. Dann müssen laut Verband der deutschen Internetwirtschaft (eco) IP-Adressen auch nicht mehr mehrfach verwendet werden, wie es derzeit der Fall ist. Das biete dem Verbraucher neue Möglichkeiten: Er könnte beispielsweise von unterwegs per Smartphone seine Heizung anwählen und einstellen, da jeder Heizkörper seine feste Adresse habe. Theoretisch kann jedem Lebenswesen auf der Erde eine eigene Adresse zugewiesen werden.
Internet-Firmen stellen als erste um
Die großen Internetfirmen sind vorangeschritten, in Deutschland waren es 1.400 IT-Unternehmen. Sie haben am Mittwoch um 02.01 Uhr (MESZ) auf den neuen Standard umgestellt. IPv4 und IPv6 werden allerdings noch mehrere Jahre parallel laufen: Die Nameserver geben dann bei Anfragen sowohl die alte wie auch die neue IP-Adresse aus. Mit der Zeit sollen auch kleinere Firmen und Anbieter folgen und schrittweise IPv6 einführen.
IPv4 und IPv6 sind nicht miteinander kompatibel. Private Nutzer sollten trotzdem kaum Probleme bekommen. Moderne Betriebssysteme unterstützen den neuen Standard bereits. In seltenen Fällen könnte es dazu kommen, dass Verbindungen etwas langsamer sind - in vielen Fällen soll das Internet allerdings deutlich schneller werden. Um Fehlern zu entgehen, reicht es oft aus, ein aktuelles Betriebssystem zu verwenden. Manchmal muss laut deutschem IPv6-Rat auch eine Einstellung im Router für den Internetzugang verändert oder dessen Software aktualisiert werden.
User leichter zu identifizieren
Mit dem neuen IPv6-Standard könnte jeder Internetnutzer für jedes einzelne seiner Geräte eine eindeutige Adresse erhalten. Das hat technisch gesehen viele Vorteile, doch sind einzelne Nutzer damit auch viel leichter zu identifizieren. Abhilfe schaffen soll ein eigenes System: Die sogenannte Privacy Extension verschlüsselt die zweite Hälfte der IP-Adresse, so dass sie nicht mehr zum jeweiligen User führt. Der Bundesbeauftragte für Datenschutz fordert, die Internetanbieter müssten ihren Kunden Aufklärung und Unterstützung anbieten, damit diese ihre Privatsphäre ausreichend schützen können.
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