
Wien. (APA/weg) Wissenschaftliche Publikationen werden in Zukunft öfter kostenlos im Internet zugänglich sein: Der European Research Council (ECR), eine der größten europäischen Förderorganisationen, wird sich stärker mit Open Access beschäftigen und ist deswegen der UKPubMedCentral (daher künftig: Europe PubMedCentral) beigetreten. Großbritannien dient als Vorbild: Die britische Regierung und die UK Research Councils verpflichten alle geförderten Wissenschaftler Open Access zu publizieren. Bis 2014 soll das gesamte Publikationssystem umgestellt sein. Auch Österreich, bisher ein Open Access Vorreiter, setzt weiter auf Projekte dazu: Der Wissenschaftsfonds FWF startete eine neue Kampagne mit prominenten Forschern, die erklären, warum sie Open Access betreiben und warum sie denken, dass dieser wichtig ist.
"System ist am Kippen"
Laut Falk Reckling, Open Access Experte beim FWF, wird die Open Access Thematik gerade "von einem Nischenthema zu einem der zentralen forschungspolitischen Themen: Das System ist am Kippen". Obwohl zurzeit die meisten wissenschaftlichen Erkenntnisse nur über kostenpflichtige Datenbanken oder Zeitschriften zu Verfügung stehen, publizieren immer mehr Forscher in Open Access-Journalen. Der Trend zum kostenlosen Zugang zeichnet sich deutlich ab: Die derzeit weltweit größte wissenschaftliche Fachzeitschrift ist PLoSOne, eine Open Access-Zeitschrift.
Grüner Weg - Goldener Weg
Es gibt zwei verschiedene Open Access-Zugänge: Der "Grüne" und der "Goldene Weg". Ersterer bezeichnet die Archivierung durch die Wissenschaftler von in klassischen Zeitschriften erschienenen Postprints auf frei zugänglichen Homepages oder in institutionellen Archiven. Beim "Goldenen Weg" wird der wissenschaftliche Artikel in einer Zeitschrift, die allen frei zugänglich ist, veröffentlicht.
Reckling erwartet, dass dieser Weg das "Businessmodell der Zukunft in der Wissenschaft" sein wird. Verlage werden daher keine Bündel an Zeitschriften mehr verkaufen, sondern nur noch einzelne Artikel. Bereits prominente Beispiele für diesen Open Access Zugang sind die Zeitschriften der Public Library of Science.
The "not-so-Open Access"
Obwohl die Zeichen der Zeit auf Open Access deuten, gibt es noch eine Reihe von Problemen damit. Nicht nur, dass die Anzahl von Open Access-Zeitschriften mit hohem Renommee zu gering ist, auch die Restriktionen der Verlage machen derzeit den Open Access nur bedingt frei. Manche Verlage lassen es nur eingeschränkt zu, dass man Publikationen selbst archiviert. "So ist die Version, die nach den Regeln der Verlage archiviert werden darf, oft nicht identisch mit der, die publiziert wird", erklärt Reckling. Daher spricht für den FWF viel dafür, den "Goldenen Weg" zu forcieren.
Pläne für die Zukunft
Der FWF investiert im Jahr rund eine Million Euro in Open Access. Gegenwärtig baut er eine frei zugängliche E-Book-Library auf, die im September online geht. Anfangs wird diese 150 bis 200 Buchpublikationen umfassen, dann sollen 80 bis 90 pro Jahr dazukommen. Zudem arbeitet die europäische Dachorganisation "Science Europe" daran, klassischen Fachzeitschriften den Umstieg zu erleichtern. Auch die Europäische Kommission will Open Access vorantreiben: Bis 2016 sollen etwa 60 Prozent der Publikationen im Rahmen öffentlich geförderter Forschung frei zugänglich sein. Mit dem Forschungs- und Innovationsförderprogramms Horizont 2020 will die EU-Kommission selbst den Weg weisen: Ab 2014 müssen Autoren alle Artikel im Rahmen dieser Initiative kostenfrei öffentlich zur Verfügung stellen.
In Österreich werden Details der neuesten Entwicklungen während der Open Access-Tage vom 26. und 27. September 2012 an der Universität Wien diskutiert.
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