New York. Facebook setzt die Talfahrt fort: Nachdem das soziale Netzwerk seit dem Börsengang im Mai rund 50 Prozent seines Marktwertes verloren hat, ist die Suche nach den Verantwortlichen für den Absturz des einst glänzenden Internet-Unternehmens voll angelaufen. Nach dem Rückzug des deutschstämmigen Alt-Investors Peter Thiel rückt nun Firmengründer Mark Zuckerberg ins Zentrum der Aufmerksamkeit: Immer häufiger wird seine Vision für die Zukunft des Konzerns in Frage gestellt. Sein Vorstandsposten scheint - derzeit - aber nicht gefährdet zu sein.
Die Kritik am Führungsstil von Mark Zuckerberg wird indes immer lauter. Dem Milliardär, der das Unternehmen von einem College-Projekt zum globalen Konzern aufgebaut hat, wird besonders ein gespanntes Verhältnis zur Wall Street nachgesagt. "Es liegt in seiner Verantwortung, mit den Investoren zu reden", sagt Wedbush Securities-Analyst Michael Pachter, der hinzufügt: "Ich bin mir nicht sicher, ob er sich ausreichend darum kümmert."
Mobile Achillesferse
Was Investoren fehlt, ist eine klare Vision für das Unternehmen. Dass das soziale Netzwerk gerade im stark wachsenden Bereich der mobilen Nutzung gravierende Probleme hat, Werbung unterzubringen, die den überwiegenden Teil der Einkünfte Facebooks darstellen, ist nicht erst seit den ersten Börsenprospekten des Unternehmens bekannt. Das Unternehmen versprach diesbezüglich zwar Besserung und stellte erst vergangene Woche in Aussicht, Facebook-Apps für Smartphones und Tablets zu optimieren, was auch bessere Werbemöglichkeiten eröffnen soll.
Zugleich betont Facebook, dass man das mobile Geschäft jetzt in den Mittelpunkt stelle. Das ganze Unternehmen sei jetzt darauf fokussiert worden, sagte Chefentwickler Mike Schroepfer der "New York Times". "Es war eine riesige Veränderung." Inzwischen arbeiteten rund 100 Entwickler an Produkten für mobile Geräte, weitere lernten um und bis Ende des Jahres sollen es doppelt so viele sein. Vielen ist das aber immer noch zu wenig konkret.
In memoriam Steve Jobs
Gerade im Internet gehen die Wogen hoch. "Mark Zuckerberg muss als Facebook-CEO sofort zurücktreten", wird etwa auf Twitter unverhohlen gefordert. Andere ziehen den Vergleich zur frühen Entwicklung bei Apple und warnen davor, den gleichen Fehler wie dieses Unternehmen zu begehen, das sich nach der ersten Boomphase des Unternehmens von Gründer Steve Jobs trennte - um ein knappes Jahrzehnt später erst dank dessen Rückkkehr wieder Oberwasser zu bekommen.
Ob der Internetkonzern auf die Stimmen der Online-Community hört und den Chefposten des Firmengründers zur Debatte stellt, ist aber ohnehin fraglich: Zuckerberg gibt nicht nur von der Chefetage aus den Ton an - sondern verfügt auch über mehr als die Hälfte der Stimmrechte.
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