• vom 15.05.2017, 18:12 Uhr

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Update: 15.05.2017, 19:24 Uhr

Cyber-Angriff

"Die Angreifer lernen"




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  • Europol gibt nach dem globalen Hackerangriff vorerst Entwarnung. Doch der nächste kommt bestimmt.



Den Haag. (rs) Knapp 270 Millionen Personal Computer wurden im vergangenen Jahr verkauft, deutlich mehr als die Hälfte davon gingen laut der IT-Strategieberatungsagentur Gartner an Geschäftskunden. Entsprechend groß war daher auch die Angst, dass das wirklich dicke Ende erst kommt, wenn die Menschen am Montag an ihren Arbeitsplatz zurückkehren und ihren Computer einschalten. Doch die IT-Welt, die nach dem beispiellosen globalen Hackerangriff auf die Systeme von Unternehmen, Behörden und Privatleuten am Wochenende ziemlich verwundbar ausgesehen hatte, dürfte vorerst mit einem blauen Auge davon gekommen sein. Eine weitere massenhafte Ausbreitung der Schadsoftware mit dem Namen Wannacry sei wohl vermieden worden, sagte Europol-Sprecher Jan Op Gen Oorth am Montag in Den Haag. "Die Zahl der Opfer ist offenbar nicht weiter nach oben gegangen, bisher scheint die Lage in Europa stabil. Das ist ein Erfolg."

Dass Wannacry sich nicht weiter ausgebreitet hatte, ist laut Europol vor allem den IT-Experten zu verdanken, die offenbar am Wochenende in großer Zahl ihre "Hausaufgaben" gemacht haben. Vor allem der anonym bleiben wollende Betreiber des Blogs "MalwareTech" der in dem Schadprogramm gewissermaßen einen Not-Aus-Schalter gefunden hat, dürfte wesentlichen Anteil daran haben, dass der Schaden nicht noch größer geworden ist.

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Von der NSA entdeckt
In den ersten Stunden hatte es freilich noch danach ausgesehen, als würde sich die am Freitagabend begonnene Cyberattacke nur schwer unter Kontrolle bringen lassen. So hat das Virus selbst große globale Konzerne wie den Kurierdienst FedEx und den spanischen Telekom-Riesen Telefonica getroffen. Bei der Deutschen Bahn fielen bundesweit Anzeigetafeln und Fahrscheinautomaten aus, der Automobilbauer Renault musste sogar phasenweise die Produktion einstellen. Zum Ziel wurden auch mehr als 20 britsche Spitäler, die Patienten abweisen und Operationen verschieben mussten. Insgesamt dürften bis zu 200.000 Computersysteme in 150 Ländern infiziert worden sein, wobei Österreich mit vier betroffenen Unternehmen mehr als glimpflich davon kam.

Die Hacker hatten für ihre Angriffe eine Sicherheitslücke genützt, die auf Windows-Rechnern ohne dem aktuellesten Sicherheitsupdate vorhanden war. Laut dem Microsoft-Manager Brad Smith hatte der US-Geheimdienst NSA dieses Einfallstor zunächst für eigene Überwachungszwecke genutzt. Dann wurde die NSA allerdings selbst Opfer eines Hackerangriffs und die Information über die Sicherheitslücke gelangte in kriminelle Hände.

Die noch unbekannten Angreifer hatten die Wannacry-Schadsoftware dann so gestaltet, dass sie die Daten auf den infizierten Computern verschlüsselt und ein Lösegeld verlangt, um die Daten wieder freizugeben. Auf dem Bildschirm der betroffenen Rechner erschien dabei lediglich die knappe Aufforderung, innerhalb von drei Tagen 300 Dollar in der Internet-Währung Bitcoin zu überweisen. Sollte binnen sieben Tagen keine Zahlung eingehen, würden die Daten gelöscht.

In mehreren Ländern haben die Behörden allerdings davor gewarnt, den Forderungen nachzukommen, da es keine Garantie gebe, dass die Daten auf den betroffenen Computern tatsächlich wieder freigegeben würden. Ungeachtet der Warnungen gingen einige Opfer aber offenbar auf die Lösegeldforderungen ein. Laut dem IT-Unternehmen Digital Elliptic Labs wurden bis Montag Transaktionen im Wert von 50.000 Dollar registriert.

Börsen unbeeindruckt
Wie groß der wirtschaftliche Schaden abseits solcher Lösegeldzahlungen ist, blieb allerdings relativ unklar. Die Sicherheitsfirma Symantec rechnet bislang in etwa mit einem zweistelligen Millionenbetrag, vor allem für die Überarbeitung von Firmen-Netzwerken. Von überschaubaren Kosten scheinen auch die Märkte auszugehen. In Asien, wo China mit 30.000 infizierten Systemen am stärksten betroffen war, reagierten die meisten großen Börsen gelassen. Auch in Europa und den USA waren die wichtigsten Aktienindizes im Plus.

Gänzlich ausgestanden dürfte die Sache aber dennoch nicht sein. "Auch die Angreifer verbessern ihre Software", sagt Giullaume Poupard, der Chef der französischen Behörde für Cybersicherheit. "Und natürlich haben andere Computerkriminelle aus diesem Vorgehen gelernt und werden ihre eigenen Angriffe starten." Die größte Gefahr dürfte dabei vor allem von der Wurmfunktionalität ausgehen, die auch jetzt zu beobachten war. Sobald Wannaycry einen Computer befallen hatte, suchte die Schadsoftware die vorhandenen Netzwerke aktiv nach Ausbreitungsmöglichkeiten ab.




Schlagwörter

Cyber-Angriff, Hacker, WannaCry

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Dokument erstellt am 2017-05-15 18:18:06
Letzte ńnderung am 2017-05-15 19:24:04



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