Oslo. Der Prozess um den norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik wird nun um eine Facette reicher. Vor Gericht erklärte Breivik, dass er mit Computerspielen seine Anschläge simuliert und geplant hätte.
Nach eigenen Angaben spielte Breivik - oft mehrere Stunden am Stück - den Ego-Shooter "Modern Warfare". Ein Jahr lang widmete er sich zudem auch der Welt von "World of Warcraft" - er nahm sich dafür eigens ein Jahr frei. "Ich mag diese Art von Spielen eigentlich nicht besonders, aber es war sehr gut für Simulationszwecke im Training", vermeldete Breivik. Der Massenmörder tötete acht Menschen mit einer Autobombe in Oslo und dann 69 zumeist Jugendliche auf einer Ferieninsel.
Die Aktionen der Polizei vorhersehen
Nicht weniger als 17 Stunden will Breivik "Modern Warfare" am Silvesterabend 2010/2011 am Stück gespielt haben, um so eine realitätsnahe Simulation der möglichen Aktionen der Polizei und der Erfolgschancen seiner Fluchtpläne zu bekommen. "Die wahrscheinlichkeit unverletzt zu überleben, habe ich mit 5 Prozent errechnet", so Breivik vor Gericht. "Ich habe mich dafür trainiert aus einer solchen Situation zu entkommen. Das habe ich mit den Spielen simuliert."
Das Jahr 2006 verbrachte Breivik fast vollständig in der Welt von World of Warcraft. Er wohnte bei seiner Mutter und stoppte erst als diese stutzig wurde. "Ich spielte bis zu 16 Stunden am Tag. Das war viel. Ein ganzes Jahr - Spielen und Schlafen, Spielen und Schlafen."
Thomas Hylland Eriksen, Professor der Sozialanthropologie an der Osloer Universität meinte, dass Breivik bei seinen Taten möglicherwiese gar nicht mehr zwischen Realität und virtueller Welt unterscheiden konnte und wollte.
Diskussion um Gewaltspiele
Es ist zu erwarten, dass nach den Meldungen von Breiviks Computersimulationserfahrungen die Diskussion um Gewaltspiele wieder losgetreten werden wird.