Wien/Kyoto. Nach dem glorreichen Comeback mit der Spielkonsole Wii sind für das japanische Videospiel-Unternehmen Nintendo harte Zeiten angebrochen. Die Verkaufszahlen der Ende 2006 herausgegebenen Konsole waren schon 2011 stark zurückgegangen, Nintendo meldete, im Geschäftsjahr 2011/12 insgesamt 9,8 Millionen Stück verkauft zu haben. Damit hatte man das Verkaufsziel von 13 Millionen deutlich verfehlt. Ein Fiskaljahr zuvor waren es allerdings noch 15 Millionen gewesen.
Die Verkaufszahlen brechen auch heuer weiter ein. Jede Woche muss man sich mit weniger Nachfrage abfinden. Waren in der mit 7. Jänner zu Ende gegangenen Verkaufswoche weltweit noch mehr als 305.000 Wii über den Verkaufstisch gegangen, so waren es in der am 12. Mai zu Ende gegangenen Woche nur mehr 62.000. Zum Vergleich: Die Xbox360 von Microsoft sank von 264.000 auf 108.000 und liegt damit nun deutlich vor der Wii. Die Nummer 1 bei den Spielkonsolen ist aber bereits seit mehr als einem Jahr die PlayStation 3 (PS3) von Sony. Still und heimlich hat die unter den Erwartungen gestartete PS3 die Marktführerschaft übernommen.
Ein wesentlicher Grund für den Erfolg von Sonys Schlachtross ist in der reichhaltigen Spielpalette mit etlichen Exklusivtiteln zu finden. In diesem Bereich schwächelt Nintendo außerordentlich. Zudem hat die PS3 mit der Blu-ray-Technologie ein weiteres Verkaufsargument, das die Käufer speziell in Krisenzeiten überzeugt. Statt ein weiteres Gerät kaufen zu müssen, kann man mit der PS3 Blu-ray-Filme ansehen.
Bei den Gesamtverkaufszahlen über den gesamten Lebenszyklus dürfte die PS3 noch heuer die Xbox360 überholen. Derzeit liegt Sonys Konsole bei knapp über 64 Millionen verkauften Exemplaren, wie das Internetportal VGChartz berichtet, die Xbox360 hat um knapp zwei Millionen mehr verkauft.
100-Millionen-Grenze
Nintendo darf sich wenigsten darüber freuen, die magische 100-Millionen-Grenze noch 2012 zu überschreiten. Und man hat für heuer noch ein Ass im Ärmel. Ende des Jahres soll mit der Wii U der Nachfolger der Wii erscheinen. Damit soll erneut für Furore gesorgt werden, nachdem man das letzte Geschäftsjahr - erstmals seit dem Börsengang vor über 50 Jahren - mit roten Zahlen abschloss. Allerdings stehen die Zeichen nicht all zu gut.
Der Spieleentwickler und ehemalige Creative Director von Microsoft Games Europe, Peter Molyneux, kanzelte die Konsole mit dem Statement ab, der Wii U "fehle es an Feuer". Und auch die Japaner sind nicht wirklich überzeugt, dass die abwärtskompatible Konsole ein Musskauf sei. Bei einer Ende April von der goo Research online monitor group durchgeführten Umfrage haben nur mehr 7,1 Prozent erklärt, die Wii U kaufen zu wollen. Dagegen stieg die Zahl derjenigen, die sie partout nicht kaufen wollen, um 6,9 Prozentpunkte auf 58,4 Prozent an.
Die direkten Nintendo-Konkurrenten haben die Gunst der Stunde erkannt und werden heuer keine Konsolen der nächsten Generation auf den Markt werfen. Mit Preisabschlägen und Sondermodellen versuchen sowohl Sony als auch Microsoft, noch zusätzliche Kunden für ihre Konsolen zu finden. Die mit Spannung erwarteten Xbox Next und PS4 werden, wie Analysten erwarten, frühestens 2013 ihren Verkaufsstart erleben.