Tokio. Der japanische Spielekonsolen-Hersteller Nintendo gehört zu den Exoten in der Computerspielebranche. Nicht, wie etwa Sony oder Microsoft, durch andere Geschäftsfelder querfinanziert oder immer auf der Suche nach Zukäufen und Online-Shop-Inhalten, bleibt man seinem Kerngeschäft treu. Mit allen Höhen und Tiefen.
Als Sega ein immer größerer Gegner wurde, attestierten Experten Nintendo ein baldiges Ende. Am Ende zog sich Sega aus dem Geschäft zurück. Als Sony mit seiner PlayStation extrem erfolgreich die Bühne betrat, wurde ein aweiteres Mal das Ende von Nintendo prognostiziert - oder zumindest der Verkauf. Als Microsoft ankündigte eine Spielkonsole auf den Markt bringen zu wollen, dachte man zunächst an einen Aufkauf von Nintendo, dann als die erste Xbox erschien, erst recht an das Ende der Japaner.
Totgesagte leben länger
Doch irgendwie rettete sich Nintendo immer wieder durch neue Ideen und seine erfolgreichen Serien: Pokemon, Zelda Super Mario, die Wii, den Nintendo DS, Nintendogs, MarioKart und vieles Andere mehr. Und nun? Nun wird Nintendo wieder einmal als akut gefährdet eingestuft.
Angesichts der wachsenden Konkurrenz durch Smartphones und Tablet-Computer bleibt Nintendo immer häufiger auf seinen Geräten sitzen. Im vergangenen Quartal setzte der Konzern im Vergleich zum Vorjahr nur noch weniger als halb so viele Exemplare seiner in die Jahr gekommenen Konsole Wii ab. Verkauft wurden 710.000 Stück, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Das kleinere Spielgerät DS verbuchte in dem von April bis Juni laufenden ersten Geschäftsquartal einen noch stärkeren Einbruch. Dagegen lief das im Februar vergangenen Jahres aufgelegte Modell 3DS: Angeschoben durch eine kräftigen Preisnachlass wurde es mit rund 1,86 Millionen Geräten mehr als doppelt so stark nachgefragt als im Vorjahreszeitraum.
Rettung in Sicht?
Nintendo reduzierte seinen Quartalsverlust um zwei Drittel auf umgerechnet rund 109 Millionen Euro. Ein Sparprogramm und neue Software-Angebote haben den Gewinn verbessert. Im Gesamtjahr will Nintendo weiterhin ein operatives Ergebnis von umgerechnet rund 370 Millionen Euro erzielen. Dazu beitragen soll die neue Spiel-Version des Verkaufsschlagers "Dragon Quest". Noch vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft soll zudem die neue Spielkonsole Wii U in den Regalen liegen. Und es ist davon auszugehen, dass Nintendo dem Tod ein weiteres Mal von der Schaufel springen wird. Und das ist gut so.