• vom 15.06.2010, 13:09 Uhr

Tech-Talk

Update: 16.06.2010, 15:49 Uhr

Ein Gespräch mit Daniel Jahre, dem Präsidenten der Linuxwochen - Österreichs wichtigstem Forum für Open-Source-Software

Rampenlicht für Linux




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Von Franz Zauner / WZ Online

  • Wiener Zeitung:Herr Jahre, welchen Stellenwert hat freie Software in Österreich, auf einer Skala zwischen Entwicklungsland und Musterschüler?
  • Daniel Jahre: Entwicklungsland würde ich definitiv nicht sagen. Es gibt sehr viele Firmen, die Open Source einsetzen. Teilweise bekennt man sich dazu, teilweise sagt man weniger offen, dass man Open-Source-Software nutzt.

Daniel Jahre: "Die meisten User verwenden Open Source, ohne es zu bemerken."

Daniel Jahre: "Die meisten User verwenden Open Source, ohne es zu bemerken."© WZ Online / Zauner Daniel Jahre: "Die meisten User verwenden Open Source, ohne es zu bemerken."© WZ Online / Zauner

Viele dieser eher kleineren Firmen könnten ohne Open Source ihre Projekte gar nicht so einfach umsetzen, freie Software stellt ihnen eine Funktionalität zur Verfügung, die sie sonst teuer einkaufen müssten. Ich merke das auch in meiner Arbeit. Wir entwickeln Software für Behörden und Unternehmen und verwenden dafür Open-Source-Programmierumgebungen. Vor einigen Jahren hat man dafür noch sehr viel Geld ausgeben müssen.


Wie kann man sich die österreichische Linux-Szene vorstellen? Wir groß ist sie, wie organisiert sie sich? Lässt sich das aus einer Vogelperspektive darstellen?

Kaum. Der Zugang zu Open Source ist höchst unterschiedlich. Die meisten User verwenden sie, ohne es zu bemerken. Andere schimpfen darauf und sagen, die Programme sind immer so schlecht, und verwenden sie trotzdem. Und dann gibt es die Begeisterten, offenbar in gar nicht so kleiner Zahl. Es gibt alle möglichen Treffpunkte für verschiedenste Themen, so genannte Usergroups. Für nahezu jedes Thema, egal ob Linux, Java oder Python, gibt es Usergroups. Wie viele Köpfe da insgesamt involviert sind, das kann ich Ihnen aber nicht sagen.

Es gibt die alte Frontstellung zwischen Kauf- und freier Software: Nur Kaufsoftware ist das Wahre, sagten die einen. Freie Software ist der einzige Weg, meinten die anderen. Das löst sich, so scheint es, zugunsten von entspannteren Koexistenz-Modellen auf?

Das würde ich durchaus auch so sehen. Man muss selbst herausfinden, mit welcher Variante man besser zurecht kommt. Es gibt qualitativ hochwertige Software in beiden Welten, und ebenso minderwertige Programme.

Können Sie mir bitte eine kurze Geschichte der Linux-Wochen erzählen?

Die Linux-Wochen sind vor zehn Jahren im Zuge einer großen Install-Party entstanden. Dabei treffen sich Gleichgesinnte und errichten ihre Computersysteme. Solche Veranstaltungen sind in letzter Zeit leider ein wenig aus der Mode gekommen. Es entstand aber damals die Idee, dass man sich einmal im Jahr trifft und austauscht - über Vorträge und Diskussionen.

Jetzt trifft man sich aber nicht nur einmal, sondern öfter in Städten wie Linz, Graz und Wien. Man diskutiert nicht nur, es gibt auch Stände zu sehen wie auf Messen. Sind die Linuxwochen zu so einer Art Messe für Open-Source-Software geworden?

Ja, durchaus. Trotzdem ist die Initiative dezentral geblieben. Die Events in den einzelnen Städten werden von lokalen Initiativen organisiert - "Linuxwochen" ist sozusagen die Dachmarke, der Name, unter dem sich alle zusammengeschlossen haben. Ziel ist nach wie vor, das Open-Source-Thema in die Öffentlichkeit zu tragen, aber auch die Ursprungsidee, den jeweiligen Gruppen und ihren aktuellen Themen ein Forum zu bieten, ist erhalten geblieben. Es kommen aber nicht nur Insider, sondern auch viele Leute, die beruflich mit IT zu tun haben. Da sind wir thematisch über Linux hinausgewachsen. Mittlerweile gibt es Open-Source-Software ja nicht nur auf Linux, sondern auch für Windows, auf Macs, auf Handhelds. Und dementsprechend breit ist das Spektrum der Leute geworden, die ein Interesse an Open-Source-Software haben.

Welche Highlights gab es heuer bei den Linuxwochen?

Schon im letzten Jahr hat das Open-Streetmap-Projekt, das sich mit freien Land- und Straßenkarten beschäftigt, großes Interesse hervorgerufen, das hat sich heuer noch verstärkt. Wir haben auch immer mehr mobile Geräte, auf denen Linux läuft, allen voran die Android-Plattform von Google. Nach wir vor stark nachgefragt sind die Einsteiger-Workshops, etwa zur Bildbearbeitung mit freier Software.

Danke für das Gespräch.

Daniel Jahre (32) hat in Chemnitz Informatik studiert, ist vor vier Jahren nach Wien übersiedelt und arbeitet bei HPC als Software-Entwickler. Er ist Präsident der "Linuxwochen". Die in einem Verein zusammengeschlossene Initiative organisiert Foren und Präsentationen für Open Source Software (OSS).

Die Linuxwochen sind ein Fixpunkt im jährlichen Veranstaltungskalender der IT-Branche. Sie finden in verschiedenen Städten statt und bieten Vorträge und Workshops für Einsteiger und Profis. Firmen - darunter auch so große wie Microsoft und IBM - stellen Produkte, Projekte und Dienstleistungen vor. In Wien fand die Veranstaltung heuer im Alten Rathaus statt.

http://www.linuxwochen.at/

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+++ Neelie Kroes wirbt für Open Source



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Dokument erstellt am 2010-06-15 13:09:00
Letzte Änderung am 2010-06-16 15:49:00



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