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Testlabor

Update: 22.12.2016, 09:41 Uhr

Fußball

Der Computer spielt mit




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Von Adrian Lobe

  • Big Data hält auch im Fußball Einzug. Statistiker suchen in riesigen Datenmengen nach der entscheidenden Siegformel.

Lionel Messi wurde einst noch von einem Scout entdeckt. Der nächste Star könnte von einem Computer gefunden werden. - © reuters/Albert Gea

Lionel Messi wurde einst noch von einem Scout entdeckt. Der nächste Star könnte von einem Computer gefunden werden. © reuters/Albert Gea

London. Schon seit Wochen fiebert die Community dem Release des Computerspiels "Fußball-Manager" entgegen. Nun ist das Tool seit wenigen Tagen im Handel erhältlich - und nicht nur Gamer sind darüber erfreut. Auch professionelle Fußball-Manager nutzen die Simulation als Scouting-Tool. Spätestens seit André Villas-Boas, einst Chefscout beim FC Chelsea, öffentlich einräumte, die Datenbank zur Grundlage von Transferentscheidungen gemacht zu haben, ist es in der Premier League ein offenes Geheimnis, dass Manager in der Computersimulation nach Spielern Ausschau halten - und Entwicklungen simulieren. Die Datenbank, die anfänglich aus lediglich 4000 Kickern bestand, umfasst heute fast 700.000 Spieler auf allen Kontinenten mit 250 Eigenschaften. Das Entwicklerstudio Sports Interactive, das das Tool entwickelt, unterhält ein globales Netzwerk von 1300 Scouts, deren Beobachtungen Datenanalysten in verschiedene Kategorien einordnen: Schussstärke, Schnelligkeit, Kopfballstärke. Aus diesen Werten ergibt sich ein Gesamtbild eines einzelnen Spielers.

Legendär ist etwa die Geschichte des früheren Glasgow-Rangers-Chefcoachs Alex McLeish, dessen Sohn, ein begeisterter Fußball-Manager-Fan, eines Tages zu ihm kam und ihn auf einen talentierten Spieler in der B-Elf des FC Barcelona aufmerksam machte, mit der dringenden Bitte, ihn unter Vertrag zu nehmen: Es war kein Geringerer als Lionel Messi. McLeish ignorierte den Ratschlag seines Sohnes, er habe von dem Kicker noch nie gehört. Wer konnte damals ahnen, dass aus dem jungen Argentinier ein Weltstar wird? Den zweiten Messi zu scouten, davon träumt jeder Talentspäher. Der britische Journalist Michael Calvin schildert in seinem Buch "The Nowhere Man. The Unknown Story of Football’s True Talent Spotters", wie Scouts für 40Pence Meilengeld zu Fußballspielen in der Provinz tingeln. Inzwischen sind das Scouting und die Spielbeobachtung viel professioneller - und datengetriebener.

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Spielanalytiker haben sich auf die Auswertung von Fußballdaten spezialisiert. So hat die britische Firma ProZone beispielsweise eine Player-Tracking-Software entwickelt, die - gespeist aus acht Kameras - eine zweidimensionale Animation eines Fußballspiels erstellt. Die hochkomplexe Maschine kann jede Bewegung auf dem Rasen binnen 0,1 Sekunden verfolgen und registriert pro Spiel rund 3000 Ballereignisse. ProZone hat 2014 eine Kooperation mit Sports Interactive vereinbart, der Entwicklerfirma des Computerspiels. Datenanalyse war einst etwas für Nerds und Fußballprofessoren, eine Disziplin, die eher mit Sportarten wie Basketball oder Baseball assoziiert wurde.

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Dokument erstellt am 2016-12-21 16:33:05
Letzte Änderung am 2016-12-22 09:41:04



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