Reykjavik/Stockholm. (leg/apa) Im Jahr 2009 hatte das schwer von der Finanzkrise gebeutelte Island noch in einem baldigen EU-Beitritt einen Rettungsanker vor der schweren Finanzkrise des Landes gesehen. Zwei Jahre und eine Eurokrise später ist die Europabegeisterung auf der Atlantikinsel deutlich abgekühlt: Eine Mehrheit der Isländer spricht sich mittlerweile nicht nur gegen einen EU-Beitritt aus, sondern auch dafür, die Gespräche mit Brüssel sofort abzubrechen. Laut einer vor zwei Wochen veröffentlichten Umfrage wollen derzeit 51 Prozent der Isländer die Beitrittsverhandlungen aufgeben, 38,5 sind für eine Fortsetzung und 10,5 Prozent gaben an, unentschieden zu sein.
Die Gespräche laufen auch jenseits der Haltung der Bevölkerung nicht gerade zufriedenstellend: Vor allem Agrarminister Jon Bjarnason wird nachgesagt, sein Mandat sehr eng auszulegen und bei den Verhandlungen kaum Spielraum zuzulassen. Bjarnason, der für die heiklen Verhandlungskapitel Fischerei und Walfang zuständig ist, wird in seiner restriktiven Haltung von den Interessenverbänden der Fischer und Bauern massiv unterstützt.
Zwist in der Regierung
Innerhalb der isländischen Regierung zeigt sich Uneinigkeit über den EU-Kurs. Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir, eine der stärksten Befürworterinnen eines EU-Beitritts, versuchte zuletzt, ihrem sozialdemokratischen Parteikollegen Össur Skarphedinsson mehr Befugnisse bei den Verhandlungen zu geben. Doch die EU-skeptischen Links-Grünen, der Koalitionspartner, leisteten Widerstand. Der ursprünglich für 2011 geplante EU-Beitritt liegt mittlerweile in weiter Ferne. Selbst wenn Island die Verhandlungen erfolgreich beendet, müsste noch die - wohl unüberwindliche - Hürde der obligatorischen Volksabstimmung genommen werden.
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