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  • Artikel vom 17.02.2012, 21:46 Uhr

Europastaaten

Update: 18.02.2012, 10:55 Uhr
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Das Ende eines Uneinsichtigen

Vollstress in Berlin nach Wulffs Rücktritt


Von Gerhard Lechner
  • Kanzlerin Merkel will Nachfolger für den Bundespräsidenten mit SPD und Grünen suchen.
  • Im Internet formieren sich Fans von Joachim Gauck.

Christian Wulff (u.r.) kommt in einer deutschen Gaststätte in einen Bilderrahmen zu den Fotos der ehemaligen Bundespräsidenten, darunter Horst Koehler (u. l.). - APAweb / dpa/ Loos

Christian Wulff (u.r.) kommt in einer deutschen Gaststätte in einen Bilderrahmen zu den Fotos der ehemaligen Bundespräsidenten, darunter Horst Koehler (u. l.). APAweb / dpa/ Loos

Berlin. Was wird von Christian Wulffs kurzer Amtszeit als deutscher Bundespräsident bleiben - außer seinen Korruptionsaffären, über die der frühere niedersächsische Ministerpräsident schließlich stürzte? Seine Rede zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit im Jahr 2010, als er mit der Aussage, der Islam gehöre "inzwischen auch zu Deutschland", kontroverse Reaktionen provozierte? Seine junge Frau Bettina und ihre Tattoos? Oder gar Marginalien wie der Regenwurm, der ihm bei einem Essen im Kreml serviert wurde?

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Kanzlerin Angela Merkel versuchte jedenfalls am Freitag eine Würdigung des Abgetretenen, den sie einst gegen große Widerstände als Bundespräsidenten durchgesetzt hatte: Voller Energie habe sich Wulff für ein modernes, offenes Deutschland eingesetzt, habe gezeigt, dass die Stärke des Landes in seiner Vielfalt liege. "Diese Anliegen werden mit seinem Namen verbunden bleiben."

Die deutschen Medien sahen das anders: "Er hat es vermasselt", kommentierte da etwa der "Spiegel" die Präsidentschaft des Niedersachsen. Ihn zum Bundespräsidenten zu machen, sei "die dümmste politische Idee der vergangenen Jahre" gewesen: "Es hätte bessere gegeben, alle wussten es." Im Zuge der Kredit-Äffäre sei mehr und mehr deutlich geworden, dass Deutschland keinen Staatsmann als Präsidenten gehabt habe, sondern einen politischen Aufsteiger, der notorisch Privates und Dienstliches miteinander verquickte. "Es bleibt beim Bild eines Gernegroß, der zu klein war für das Amt, dem letztlich seine Mittelmäßigkeit zum Verhängnis wurde."

Gequältes Lächeln

Nach der Rücktrittserklärung: Christian Wulff und Ehefrau Bettina verlassen den Saal im Schloss Bellevue (Berlin)

Nach der Rücktrittserklärung: Christian Wulff und Ehefrau Bettina verlassen den Saal im Schloss Bellevue (Berlin)Michael Kappeler dpa/lbn Nach der Rücktrittserklärung: Christian Wulff und Ehefrau Bettina verlassen den Saal im Schloss Bellevue (Berlin)Michael Kappeler dpa/lbn

Wulff zog am Freitag den Schlussstrich unter eine Präsidentschaft, die von Anfang an unter keinem guten Stern gestanden hatte: Kurz nach elf Uhr trat er im Beisein seiner Frau am Freitag im Schloss Bellevue vor die versammelte Presse, um seinen Rücktritt zu erklären. Im Blitzlichtgewitter musste er beim Verlesen seines kurzen Statements mehrmals schlucken, während sich seine Frau ein Lächeln für die Fotografen abzwang. Deutschland, so Wulff, brauche einen Präsidenten, der vom Vertrauen nicht nur einer Mehrheit, sondern einer breiten Mehrheit der Bürger getragen werde. "Die Entwicklung der vergangenen Tage und Wochen hat gezeigt, dass dieses Vertrauen und damit meine Wirkungsmöglichkeiten nachhaltig beeinträchtigt sind." Deshalb könne er das Amt nicht mehr so wahrnehmen, "wie es notwendig ist".

Kanzlerin Angela Merkel tritt für einen parteiübergreifenden Kandidaten ein.

Kanzlerin Angela Merkel tritt für einen parteiübergreifenden Kandidaten ein.© dapd Kanzlerin Angela Merkel tritt für einen parteiübergreifenden Kandidaten ein.© dapd




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-17 10:17:19
Letzte Änderung am 2012-02-18 10:55:57


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