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  • Artikel vom 20.02.2012, 15:38 Uhr

Ausbildung & Arbeitswelt

Update: 20.02.2012, 16:06 Uhr
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Der Österreichische Gewerkschaftsbund bietet sein Service mittlerweile auch in sechs Fremdsprachen an

Mit Existenzfragen zur Beratung


Von Alexia Weiss
  • Viele Betriebsräte sind heute Migranten oder Kinder von Migranten.

Wien.

In der Reinigung, am Bau und in der Gastronomie waren Gastarbeiter besonders häufig beschäftigt.

In der Reinigung, am Bau und in der Gastronomie waren Gastarbeiter besonders häufig beschäftigt.© Rachel Frank/Corbis In der Reinigung, am Bau und in der Gastronomie waren Gastarbeiter besonders häufig beschäftigt.© Rachel Frank/Corbis

"Zehn Formulare für Heizkostenzuschüsse habe ich diesen Jänner ausgefüllt", erzählt Zdravko Spajic. Das stimmt ihn traurig. Dann wieder gehe es um Rezeptgebührenbefreiungen, um Ausgleichszulagen. "Es sind viele Existenzfragen, mit denen die Menschen heute zu mir kommen." Spajic ist muttersprachlicher Berater im Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) in Bosnisch/Kroatisch/Serbisch (BKS). Und das ist er schon sehr lange: 1974 hat er als Dolmetscher im ÖGB begonnen. "Damals waren die Leute meistens in Sachen Arbeitsrecht hier, zum Kontrollieren von Abrechnungen, da gab es Fragen zum Steuerrecht. Damals war es keine Frage, dass man Beschäftigung findet. Heute sieht das anders aus."

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Der ÖGB bietet derzeit Beratung auf Türkisch, BKS, Tschechisch, Slowakisch, Ungarisch und Englisch an. Es wird überlegt, auch für bulgarische Arbeitnehmer muttersprachliche Beratungen anzubieten. Am meisten Nachfrage gibt es allerdings nach Türkisch.

Azem Olcay ist in dieser Sprache seit 2008 Berater. Mit welchen Sorgen die Menschen zu ihm kommen? "Wegen prekärer Arbeitsverhältnisse, Problemen am Arbeitsplatz wie Mobbing, nicht wahr- und ernstgenommen zu werden, wegen Gesundheitsproblemen, Niederlassungsfragen, aber auch wegen Ausländerfeindlichkeit und Diskriminierung." Über die Jahre haben sich die Probleme verändert: "Fragen bezüglich Aufenthaltstitel beziehungsweise Niederlassungsbewilligung, Invaliditätspension und Kündigungen häufen sich." Es sind vor allem Zuwanderer der ersten Generation, die hier muttersprachliche Unterstützung suchen. Bei Spajic und Olcay sind das oft jene, die in den 60er und 70er Jahren als Gastarbeiter nach Österreich kamen. Sie sind heute Pensionisten. Vor allem Frauen haben nicht viel Geld zur Verfügung, denn die Pensionen sind klein. "Meist bekommen sie kaum mehr als 800 Euro." Die meisten Gastarbeiter waren eben am Bau, in der Gastronomie, in der Reinigung beschäftigt, sagt Spajic. Da suche man dann auch um Heizkostenzuschuss an. "100 Euro sind viel Geld für manche Leute."

Ursprünglich hatte man gedacht, hier Geld zu verdienen, zu sparen, wieder in die alte Heimat zurückzugehen. Doch man blieb. Die Häuser, "die Paläste" (Spajic), die etwa im ehemaligen Jugoslawien gebaut wurden - sie stehen heute alle leer. "Die Familie stirbt aus, die Eltern leben nicht mehr. Und die Enkel wollen nicht mehr weg von hier. Das Leben spielt sich hier ab - und man bleibt." Die Häuser in der alten Heimat sind heute unverkäuflich. Denn jene, die im ehemaligen Jugoslawien geblieben sind, können sich diese Immobilien schlicht nicht leisten.




Schlagwörter

Arbeit, Sprache, ÖGB, Integration

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-20 15:44:13
Letzte Änderung am 2012-02-20 16:06:47


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