• vom 08.05.2012, 15:29 Uhr

Ausbildung & Arbeitswelt

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Lernschwächen und ausländische Wurzeln verschlechtern die Aussichten auf eine Lehrstelle

Vom Sonderschüler zum Lehrling


Von Yordanka Weiss

  • Wer aus bildungsfernen Familien kommt, hat einen schweren Start.

Die Zusammenarbeit von Betrieb und Berufsschule bekämpft wirksam die Arbeitslosigkeit. apa - © APA/HANS KLAUS TECHT

Die Zusammenarbeit von Betrieb und Berufsschule bekämpft wirksam die Arbeitslosigkeit. apa © APA/HANS KLAUS TECHT

Wien. 15 Jahre alt, schlechte Zeugnisse, Sonderschüler mit Pflichtschulabschluss, im Ausland geboren: So sieht die schwierige Ausgangslage vieler Jugendlicher aus bildungsfernen Familien aus. Wien unterstützt sie nun verstärkt bei der Lehrstellensuche über Jugendarbeitsassistenz: Ein Jahr lang begleiten Berater Jugendliche mit Beeinträchtigung - damit sind meistens Lernschwächen gemeint - beim Übergang von der Schule zum Beruf.

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In den Bezirken Floridsdorf und Donaustadt betreuen vier Berater von Wien Work laufend 60 Schüler aus Kooperativen Mittelschulen und Polytechnischen Schulen in Einzelgesprächen. "Zwei Drittel der Jugendlichen, die ich betreue, haben Migrationshintergrund", erzählt Renate Stanek. Schüler mit Leistungsschwächen werden meist schon in der Volksschule identifiziert und danach in der Hauptschule nach dem Sonderschullehrplan unterrichtet und als Sonder- oder Integrationsschüler bezeichnet.

Die Eltern wüssten oft nicht, was der Sonderstatus für ihre Kinder bedeutet, erzählt Stanek. Sie betreute einen Schüler irakischer Herkunft dessen Eltern zufrieden waren, dass ihr Kind überhaupt zur Schule geht. Dass er Sonderschüler war, haben sie nicht verstanden. In den meisten Fällen bleibe der Sonderstatus weiterbestehen und bestimmte die ganze Karriere. "Nur wenn sich Eltern engagiert darum kümmern, wird etwas verändert", sagt die Beraterin. Einmal veranlasste eine Mutter neue Tests für ihre Tochter, und prompt wurde deren Integrationsstatus aufgehoben.

Integrationsklassen gibt es nicht in jeder Schule, sie werden je nach Bedarf zusammengestellt. Meistens sitzen in einer Klasse mit 25 Schülern bis zu fünf Integrationsschüler. In den Fächern, in denen sie Leistungsschwächen gezeigt haben, werden sie separat unterrichtet.

"Wir suchen maßgeschneiderte Lösungen", erzählt Hemma Hollergschwandtner, Leiterin des Teams Jobmanagement bei Wien Work. Finanziert wird das Angebot von Wien Work vom Bundessozialamt, für die Jugendlichen ist es freiwillig und kostenlos. Oft kann ein Lehrabschluss vor Arbeitslosigkeit schützen: Anfang 2012 waren 32.700 Personen mit Pflichtschulabschluss arbeitslos gemeldet, bei einer abgeschlossenen Lehre waren es nur 18.300.

Es sei freilich eine Herausforderung, die Jugendliche in Betrieben einzugliedern, berichtet Renate Stanek. "Ein 15-Jähriger mit türkischen Wurzeln war ein sehr guter Schüler, aber er stotterte", erzählt sie. Nach der Bewerbung wurde er fast immer zum Vorstellungsgespräch geladen, die Absagen kamen nach dem persönlichen Gespräch. Zur Behebung seiner Redestörung schaltete Stanek eine Logopädin ein, prompt bestand er die Aufnahmetests für die Lehre als Elektro- und Energietechniker.




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Dokument erstellt am 2012-05-08 15:35:06


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