Wien. Die heimischen Investitionen in der Türkei nehmen seit Jahren zu. Erst Ende Mai hat Martin Essl, Vorstandsvorsitzender von Baumax, höchstpersönlich einen neuen Markt in Istanbul eröffnet, den sechsten innerhalb von zweieinhalb Jahren. 30 Märkte in allen größeren türkischen Städten sind geplant. Energie-Riesen wie die OMV oder die Verbund AG investieren schon länger in der Türkei. 2010 hat die OMV Petrol Ofisi, ein führendes Mineralölunternehmen mit mehr als 3600 Tankstellen, aufgekauft. Die Verbund AG ist 2007 einen Joint Venture mit Enerjisa eingegangen. Enerjisa versorgt fast fünf Millionen Kunden mit Strom. Die jährlichen Wachstumsraten der Verbund AG in der Türkei betragen sechs bis acht Prozent.
In den letzten drei Jahren war Österreich der größte Investor in der Türkei - in absoluten Zahlen. Insgesamt 4,9 Milliarden US-Dollar betrugen die Investitionen von 2002 bis 2011. Rund 1800 österreichische Unternehmen sind im Land geschäftlich aktiv. "Die Türkei ist ein wachsender Markt. Österreich hat eine gute Nase bewiesen", meint Edip Bayizitlioglu, Vizepräsident des Verbands Österreichischer und Türkischer Unternehmer und Industrieller.
Bei so viel Zusammenarbeit mutet es fast schon skurril an, wie sehr das österreichisch-türkische Verhältnis durch Klischees und politische Parolen belastet wurde. Mit dem Ziel, die Beziehungen zwischen beiden Ländern zu verbessern, wurde der Verein Österreichisch Türkische Zusammenarbeit (ÖTZ) gegründet. "Gerade in Österreich wissen die Meinungsbildner viel zu wenig über die heutige Türkei. Es bestehen falsche Bilder", betont ÖTZ-Präsident Lothar Fischmann.

Der Verein organisiert laufend Workshops, Symposien und Reisen in beiden Ländern. Wien biete schon seit Jahren über solche Veranstaltungen in Istanbul und Ankara sein Know-how im administrativen Bereich an, erzählt Fischmann, der seit 1976 bei der Stadt Wien in Politikberatung und Kommunikation tätig ist. Von den ÖTZ-Verantwortlichen initiiert wurde auch ein Kooperationsabkommen zwischen Ankara und Wien, das Ende Mai von den Bürgermeistern der beiden Städte in Wien unterzeichnet wurde. Auch auf sozialer Ebene wolle man die Menschen zusammenbringen, erklärt Vollmann, etwa über Schüleraustausch.
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