• vom 05.07.2012, 18:24 Uhr

Ausbildung & Arbeitswelt

Update: 05.07.2012, 18:35 Uhr
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15 Prozent aller Studenten an der Kunstuni stammen aus Asien, die meisten davon aus Südkorea

"Wir sind keine Chinesen!"


Von Todor Ovtcharov

  • Zwei Musikstudenten aus Korea erzählen über ihre Integrationsprobleme.

Musiker aus Asien punkten bei Aufnahmeprüfungen oft mit einer sehr guten Spieltechnik.

Musiker aus Asien punkten bei Aufnahmeprüfungen oft mit einer sehr guten Spieltechnik.© © Ken Seet/Corbis Musiker aus Asien punkten bei Aufnahmeprüfungen oft mit einer sehr guten Spieltechnik.© © Ken Seet/Corbis

Wien. Chiron hat in Wien Schwierigkeiten mit seinen Nachbarn: Zwar sind diese durchwegs nette Leute, und er macht auch keine Partys, mit denen er die Nacht zum Tag verwandelt, aber durch sein achtstündiges Geigenspiel terrorisiert er sie ungewollt den ganzen Tag. Nur muss Chiron ständig üben, da der 23-jährige Geiger aus Südkorea andernfalls für zwei Jahre zum Militär muss und das will er als Musiker auf jeden Fall vermeiden. Gelingen kann ihm das nur, wenn er jedes Jahr internationale Musikwettbewerbe gewinnt.

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Chiron lebt seit sechs Jahren in Wien und studiert Violine an der Universität für Musik und darstellende Kunst. Er ist einer der vielen Musikstudenten aus Südkorea, die am liebsten die Bühnen der Welt erobern wollen, und das mit Hilfe eines Studiums in jener Stadt, in der auch Mozart und Beethoven weilten.

Die asiatischen Studenten machen ungefähr 15 Prozent aller Studierenden der Wiener Kunstuni aus. Die meisten davon stammen aus Südkorea - 145 südkoreanische Studenten sind zurzeit zum ordentlichen Studium zugelassen. Dahinter folgen die Japaner mit 107 Studierenden, an dritter Stelle liegen die Chinesen. Da sich die Musiker aus Asien durch eine sehr gute Spieltechnik auszeichnen, kommt es sogar dazu, dass es bei der Aufnahmeprüfung für manche Instrumente und Studienrichtungen mehr Studenten aus Asien als aus Österreich und Europa aufgenommen werden. An keiner anderen Universität in Österreich ist der Prozentsatz nicht-österreichischer Studenten so hoch wie hier.

Vicki kommt auch aus Südkorea und ist ebenfalls Geigerin. Nach Wien gekommen ist die heute 22-Jährige im zarten Alter von 13 Jahren gemeinsam mit ihrer älteren Schwester, die zurzeit Dirigieren studiert. Vicki stammt aus einer Musikerfamilie, ihre Mutter spielt und unterrichtet Cello in Korea und hat ebenfalls in Wien studiert. Vicki kam nach Österreich, ohne die Sprache zu beherrschen, ging dennoch von Anfang an in ein normales österreichisches Gymnasium. Ihre Schwäche in Deutsch und in Geschichte kompensierte sie durch Stärke in Mathematik und Physik. "In Korea waren wir viel weiter in Mathe", erzählt Vicki lächelnd. "Das hat mir die Haut gerettet."

Heute nach fast zehn Jahren in Österreich hat Vicki kaum österreichische Freunde. Die meisten Menschen, mit denen sie sich privat trifft, stammen ebenfalls aus Südkorea. Sie weiß nicht, woran das liegt. Weder sie noch Chiron haben es geschafft, in Wien viele Freunde zu finden. Ihr Freundeskreis besteht großteils aus koreanischstämmigen Musikern. "Ich gehe nicht in die Disco", sagt Vicki. "Wenn ich andere Musik als klassische höre, dann nur koreanische. Ich habe schon ein paar österreichische Bekannte aus der Schule aber wir treffen uns immer seltener."




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-05 16:29:06
Letzte Änderung am 2012-07-05 18:35:33


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