• vom 21.12.2011, 16:54 Uhr

Ausbildung & Arbeitswelt

Update: 21.12.2011, 17:48 Uhr
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Lateinamerikanische Unternehmer finden in der Selbständigkeit einen Weg aus ihrer Unterqualifizierung

Von Tortilla bis zur Latino-Bar



In Mexiko ist das Fladenbrot Tortilla daheim. In den USA ist es mittlerweile auch verbreitet.

In Mexiko ist das Fladenbrot Tortilla daheim. In den USA ist es mittlerweile auch verbreitet.© Viviane Moos/CORBIS In Mexiko ist das Fladenbrot Tortilla daheim. In den USA ist es mittlerweile auch verbreitet.© Viviane Moos/CORBIS

In Österreich bietet zurzeit nur Mex&Co eigene Tortillas.

In Österreich bietet zurzeit nur Mex&Co eigene Tortillas. In Österreich bietet zurzeit nur Mex&Co eigene Tortillas.

In der Wirtschaftskammer Wien ist die Gründungsberatung für die Unterstützung sowohl in- als auch ausländischer Unternehmer zuständig. "Eine eigene Abteilung für Migranten gibt es dort nicht, aber wir haben Informationsmaterial in verschiedenen Sprachen. Auch Spanisch ist dabei", erklärt Schmising-Kerssenbrock. Um als Ausländer in Wien ein Unternehmen zu gründen muss man eine gültige Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung vorweisen. Für gewisse Berufe ist es für Drittstaatsangehörige zudem nötig, Zusatzprüfungen abzulegen, weil ihre Qualifikationen nicht immer anerkannt werden.

Zusatzprüfungen mussten die Kolumbianer Alava und Cortés keine ablegen. Sie kamen allerdings auch nicht als Unternehmer, sondern als Studenten nach Österreich - "zu einem Zeitpunkt als dafür noch kein Visum nötig war. Heute wäre das sicher viel schwieriger", merkt Alava an. In Österreich wollen sie bleiben, sie fühlen sich wohl, ihr Lokal läuft gut: "Die Leute mögen uns, sie sind von der Musik im Fania begeistert. Die Musik ist überhaupt das Allerwichtigste an unserem Lokal."

Freilich haben auch die beiden ihre Probleme mit der österreichischen Bürokratie. Zwei Jahre warten sie jetzt schon auf eine Genehmigung zum Ausbau des Lokales, zwölf Mal haben sie die Pläne bereits neu eingereicht. Dennoch: "Wien gefällt mir super. Anders als in Kolumbien gibt es hier noch Respekt für das Leben - und eine funktionierende Demokratie", ist Lautaro Alava überzeugt.

Vom Baustellenarbeiter
zum erfolgreichen Künstler

Der Peruaner Martin Ponce ist Inhaber von Planeta Papaya. In seinem grellorangen Geschäftslokal in der Strozzigasse verkauft der gelernte Grafiker T-Shirt-Eigenkreationen. Nach Wien ist er wegen seiner Freundin gekommen. Anfangs hätte er auf einer Baustelle gearbeitet. "Ich habe kaum Deutsch gesprochen und keine Kontakte in Österreich gehabt. Daher hatte ich keine andere Wahl, aber ich habe es gehasst", sagt er. Schritt für Schritt machte er sich selbständig. Zuerst mit einem kleinen Siebdruckatelier - die T-Shirts verkaufte er noch in verschiedenen Geschäften - und seit drei Jahren nun mit seinem eigenen Verkaufsraum. Heute macht er in Österreich das, was er auch in Peru gemacht hat, und wofür er eine Ausbildung hat: "Ich habe Kunst studiert. Ich bin Künstler." Planeta Papaya ist eine Erfolgsgeschichte. Das Geschäft läuft gut. Der Umzug in ein Lokal in der Neubaugasse steht bevor.

Viele seiner lateinamerikanischen Bekannten wollen sich ebenso selbständig machen, erzählt Ponce, um ihrer Ausbildung entsprechende Jobs zu finden. Eine Beobachtung, die nicht nur die Wiener Wirtschaftskammer bestätigt, sondern auch Rubén Contreras Salazar: Er selbst hat als Koch und Kellner angefangen, bevor er Mex&Co gründete. Heute leidet er darunter, dass seine lateinamerikanischen Angestellten den harten Job in der Tortilleria oft schnell aufgeben. "Entweder sie wechseln in ein mexikanisches Restaurant oder sie verbessern ihr Deutsch. Und steigen auf."




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-12-21 16:59:11
Letzte Änderung am 2011-12-21 17:48:04


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