• vom 06.03.2012, 17:22 Uhr

Ausbildung & Arbeitswelt

Update: 07.03.2012, 13:43 Uhr
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Das Interkulturelle Zentrum in Wien-Mariahilf widmet sich seit 1989 der Überwindung kultureller Barrieren

Kultur ist nicht an allem schuld



"Was ist die Wiener Lebensart?", fragt die Kulturanthropologin Marie Steindl.

"Was ist die Wiener Lebensart?", fragt die Kulturanthropologin Marie Steindl.© Stanislav Jenis "Was ist die Wiener Lebensart?", fragt die Kulturanthropologin Marie Steindl.© Stanislav Jenis

Darauf legt auch Marie Steindl wert: Über die offene Auseinandersetzung trete oft zutage, dass viele Kultur für eine klar umrissene, unveränderliche Sache halten. Oft würden Werte, Traditionen oder Lebensart als charakteristische Elemente genannt werden. "Aber was ist eigentlich die Wiener Art?", fragt sie. "Die Kultur- und Wertedebatte in Deutschland ist gescheitert." Unklarheiten gebe es hier auch in der Wissenschaft: "Es gibt mehr als 500 verschiedene Definitionen von Kultur." Kultur sei eben permanent im Wandel.

Durch die interkulturelle Bildung würden gewisse Klischees aufgebrochen werden. So könne man Kultur auch nicht nur - wie es meistens der Fall ist - im Zusammenhang mit Ethnizität sehen. Es gebe auch Frauen- und Jugendkulturen. Ein fixes Verständnis von Kultur könne auch beim Lösen von Konflikten wenig helfen - etwa, wenn ein Streit zwischen einem Serben und einem Türken ausbricht. "Soziale Dinge sind hingegen veränderbar", erzählt Steindl. Hier könne man ansetzen.

Es gibt eben verschiedene Dimensionen unserer Identität, die sich miteinander vermischen. "Manche Zugehörigkeiten können in einem bestimmten Kontext wichtiger sein, in einem anderen aber gleichgültig sein." Nicht nur, ob jemand Muslim oder Türke ist, sei relevant, sondern eben auch soziale, politische Fragen.

Kulturalistische Fixierungen würden von den Jugendlichen oft übernommen werden, erzählt Steindl. "Sie sagen dann: Wir sind hier aufgewachsen, trotzdem werden wir auf der Straße als Ausländer behandelt und von der Polizei ständig angesprochen. So werden sie nicht zum Teil der Wir-Gruppe." Die entstehenden Gruppenbildungen seien ein Spiegel der Gesellschaft. Unbewusste Vorurteile, die das verstärken, können beim Kurs offen angesprochen werden: "Ab wann ist man Österreicher? Wenn man die österreichische Staatsbürgerschaft hat. Doch warum sprechen wir dann von Neo-Österreichern?"

Unsicherheit überwinden
Zu den erlernbaren Fähigkeiten gehöre etwa der Perspektivenwechsel, der es einem ermögliche, sich mit Empathie der Perspektive einer anderen Person einzufügen. Auch der Umgang mit der eigenen Unsicherheit zähle dazu, etwa wenn die Menschen um einen herum eine andere Sprache sprechen. In Schulen, wo 80 Prozent der Kinder nicht-deutscher Muttersprache sind, kann das schon passieren.

"Die vielen Fallbeispiele haben mir sehr geholfen", erzählt Sonja Irmgard Weghaupt, eine ehemalige Kursteilnehmerin, die als Gleichstellungsbeauftragte bei der Unternehmensberatung "Die Berater" tätig ist. Ihr Umgang mit anderen sei sicherer geworden. "Man lernt, dass es keine goldenen Rezepte gibt, wohl aber eine Orientierung." Kulturelle Missverständnisse, die sie selber schon in ihrer Beratertätigkeit erlebt hat, könne sie jetzt früher aufklären.

Marie Steindl hält fest: "Der Umgang mit Bildung braucht Begleitung und Moderation. Wie geht man mit Vielfalt um?"




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-03-06 17:29:14
Letzte Änderung am 2012-03-07 13:43:11


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