Wien.

Hessel, Sohn eines jüdischen Vaters, von den Nazis allerdings vorrangig wegen seines Engagements in der Résistance in KZs inhaftiert, führt in seiner Streitschrift auch ganz zentral seine Empörung über die aktuelle Lage in Gaza aus. Zu lesen ist da etwa: "Dass Juden Kriegsverbrechen begehen können, ist unerträglich. Leider kennt die Geschichte nicht viele Beispiele von Völkern, die aus ihrer Geschichte lernen."
Jérôme Segal, gemeinsam mit Monika Kaczek und Tal Adler für die Filmauswahl zuständig, stoßen manche Aussagen Hessels sauer auf; als Motto für das Festival sei "Empört euch" im Zeichen der aktuellen politischen Entwicklungen dennoch sehr passend. Die vergangenen Monate haben gezeigt, was Menschen bewegen könnten, die aufstehen und sich empören, erläutert dazu Kaczek. Als Beispiele nennt sie die Revolutionen im arabischen Raum, die Proteste in Spanien und Großbritannien sowie Israel.
Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Wien, die das Festival letztes Jahr wegen zweier Filme massiv kritisiert hatte - es ging um "Fucking different", eine Arbeit über Leben und Lieben in Tel Aviv von schwulen und lesbischen Filmemachern, sowie "Brit", einem Dokumentarfilm über Beschneidung -, äußert sich heuer bewusst nicht. Es gebe keine Stellungnahme seitens der IKG, betont Präsident Ariel Muzicant auf Anfrage. Gemeindeintern waren im vergangenen Jahr die Wogen hochgegangen, nachdem sich liberale Stimmen wie der Schriftsteller Doron Rabinovici oder die Filmemacherin Ruth Beckermann über die offiziellen Aussagen der IKG-Führung zu dem Festival empört hatten.
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