Wien.

"Die Gastarbeiter haben zwar damals musiziert, aber nur in den eigenen vier Wänden: die Jugos in ihren Clubs, die Türken in den Cafés und die Griechen in ihren Tavernen", erzählt Ninić. Das änderte sich mit der Gründung der Tschuschenkapelle im Jahr 1989. "Wir punkteten am meisten bei den Österreichern. In den Gastarbeiter-Kreisen waren wir in den ersten fünf Jahren hingegen ziemlich unbekannt." Damals habe es in der Community auch noch nicht so viele Künstler gegeben wie heute.
Begonnen hat alles eher spontan. Slavko Ninić hat schon immer musiziert - sei es für Freunde oder für sich selbst. Als der gebürtige Kroate, der in Wien und in seiner Heimat Soziologie und Dolmetschen studiert hat, bei einer Beratungsstelle für Ausländer arbeitete, lernte er einen Wiener kennen, der Mandoline spielte, und einen Türken, der das Saz spielte. "Ich habe mich dazugesellt." Die Beratungsstelle war ein auf Initiative des damaligen Sozialministers Alfred Dallinger entstandener Verein. "Damals ist man draufgekommen, dass viel zu tun ist. Die Zuwanderer bleiben hier, sie reisen nicht ab", erinnert sich Ninić.
Gemeinsam mit seinen Arbeitskollegen machte er schließlich die Leidenschaft zum Beruf. Auf den Bandnamen sind sie im Lokal Makedonia gekommen. "Das war ein Stammbeisl am Naschmarkt, in dem sich die linke Szene getroffen hat. Dort haben wir uns getroffen, g’scheitlt und musiziert." An der Namensgebung beteiligte sich das ganze Lokal. "Irgendwann hat wer gerufen: Ihr seid’s die Tschuschnband, weil Tschuschn seid’s eh."
Bereits von der ersten Aufnahme wurden ein paar tausend Stück gekauft. "Wir wollten kulturpolitische Inhalte vermitteln, betreffend die Gastarbeiter, ihre Kultur, Hintergründe, Probleme und die Migration. Auch wenn ich kein Gastarbeiter war, fühlte ich mich ihnen dazugehörig."
Musikalisch wurde viel experimentiert. Griechische und Wiener Lieder waren auch dabei, ebenso Eigenkompositionen. Die Gruppe, die auf bis zu acht Mitglieder anwuchs, bestand aus vielen Österreichern. "Heute orientieren wir uns wieder mehr an der Tradition", betont Slavko Ninić. Zurzeit kommen auch - von einer gebürtigen Bulgarin abgesehen - alle Bandmitglieder vom Balkan. "Zehn Jahren nach der Bandgründung hat es einen Bruch gegeben. Einige hatten keinen Spaß mehr. Dadurch fehlte die Freude auf der Bühne, die das Publikum braucht." Von den jetzigen Musikern könne er viel lernen, erzählt Slavko Ninić.
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