• vom 13.04.2012, 17:47 Uhr

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Die islamisch-christlichen Beziehungen im Byzantinischen Reich werden noch heute gerne vergessen

Byzanz, Vorreiter des Multi-Kulti


Von Stefan Beig

  • Moscheen in christlichen Ländern gab es schon vor 1300 Jahren.

In Europa idealisiert, bei anderen unbeliebt: Gottfried von Bouillon, Heerführer im Ersten Kreuzzug, erobert Jerusalem.

In Europa idealisiert, bei anderen unbeliebt: Gottfried von Bouillon, Heerführer im Ersten Kreuzzug, erobert Jerusalem. In Europa idealisiert, bei anderen unbeliebt: Gottfried von Bouillon, Heerführer im Ersten Kreuzzug, erobert Jerusalem.

Wien. Auch Religionen haben ihre Narrative. Sich selbst sehen sie dabei lieber in vorteilhaftem Licht, das Schlechte suchen sie beim anderen. Gerne verweist der Islam auf seine frühe Toleranz und die Vielfalt von Religionen unter seiner Herrschaft, der er ein intolerantes Mittelalter gegenüberstellt, zu dessen finstersten Elementen die Kreuzzügler zählen. Das Christentum wiederum denkt gerne an seine friedliche Frühzeit zurück, als es sich - anders als der Islam - ohne Waffen und Eroberungszüge ausgebreitet hat. Die Geschichte ist freilich wechselvoller, betonen Ekaterini Mitsiou und Johannes Preiser-Kapeller vom Institut für Byzanzforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

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Die beiden Wissenschafter verweisen dabei auf einen anderen geografischen Raum, der gerne vergessen wird, nämlich das Byzantinische Reich. "Byzanz war ein Vielvölkerreich", erzählt Mitiou. "Es waren nicht nur hier Christen und dort Muslime. Ein kultureller Austausch hat stattgefunden, es gab multikulturelle Gemeinden."

Fortschrittlicher als die Schweizer Demokratie war Byzanz in gewisser Hinsicht schon vor 1300 Jahren. Damals, im Jahr 717, wurde - ohne Minarett-Votum - die erste Moschee in Konstantinopel errichtet. Dafür gab es auch einen konkreten Anlass: Den arabischen Kriegsgefangenen sollte eine Gebetsstätte zur Verfügung stehen. Auf diese religiöse Toleranz wurde aber Wert gelegt.

In einem Brief schrieb der Patriarch von Konstantinopel Nikolaos I. Mystikos an den Kalifen Al-Muqtadir in Bagdad um 922: "Die Kaiser der Römer haben von Anfang an im Hinblick auf die Kriegsgefangenen verfügt: Während sie sich bewusst sind, dass es, solange die Kämpfe andauern, ihre Pflicht ist danach zu trachten ihre Feinde zu schädigen, müssen diese aber, wenn ihre Feinde in ihre Macht fallen, so versorgt werden wie Untertanen." Deshalb habe man ihnen "geräumige Unterkünfte" zukommen lassen; "weiters ist ein Gebetsraum für den Gebrauch der Angehörigen Deines Glaubens eingerichtet".

Nicht alles war eitle Wonne. Nachdem der Langzeit-Rivale des Byzantinischen Reichs - das Sassanidenreich - im Jahr 642 gegen die Araber untergegangen war, musste auch Byzanz dem arabischen Ansturm standhalten. "Vom Anfang der Konfrontation bis ins achte Jahrhundert kämpfte es ums Überleben", berichtet Preiser-Kapeller. Unter diesen Umständen wurde damals auf beiden Seiten die Idee der Reziprozität umgesetzt. "Wir erlauben Muslimen die Ausübung ihrer Religion unter uns, umgekehrt dürfen auch Christen ihre Religion unter islamischer Herrschaft frei ausüben", fasst das Preiser-Kapeller zusammen.




Schlagwörter

Byzanz, Islam, Christentum

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Dokument erstellt am 2012-04-13 17:53:04


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