• vom 19.04.2012, 16:03 Uhr

Gesellschaft

Update: 19.04.2012, 20:43 Uhr
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Mit dem Song Contest brechen oft alte Konflikte auf

Zwistigkeiten im geeinten Europa


Von Ali Cem Deniz

  • Angeblich nimmt den Song Contest niemand ernst - dennoch schafft er es jedes Jahr, für Wirbel zu sorgen.

Nach Eric Papilayas erfolglosem Auftritt boykottierte Österreich drei Jahre lang den Song Contest.

Nach Eric Papilayas erfolglosem Auftritt boykottierte Österreich drei Jahre lang den Song Contest.

Wien. "Oh Erdöl, mein liebes Erdöl", sang die türkische Diva Ajda Pekkan 1980 beim Song Contest. Das obskure Liebeslied an das Öl "Petr’oil" lieferte den Soundtrack zur damaligen Ölkrise. In einem Wettbewerb, den mehrheitlich Schnulzen und billige Spaßlieder dominieren, wollte die Türkei eine echte Innovation beisteuern.

Der Song hatte aber nicht den erwünschten Erfolg. Die Türkei erhielt nur 23 Punkte, drei davon kamen aus Österreich, und belegte damit den 15. von insgesamt 19 Plätzen. Noch heute wird das Lied in der Türkei belächelt und zählt neben "Opera", von "Cetin Alp & The Short Waves", zu den peinlichsten türkischen Eurovision-Auftritten. "Opera" war eine bizarre Mischung aus Soul, Operngesang und verrückten Fantasiekostümen und bescherte der Türkei 1983 in München punktelos den letzten Platz.

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"Petr’oil" mit reduzierter Romantik und erhöhter Dosis Politik war zwar erfolglos, passte aber ganz gut zum eigentlichen Charakter des Song Contests. Der Wettbewerb ist politisch aufgeladen wie sonst nur Olympiaden während des Kalten Kriegs. Jedes Jahr seit 1956 sind auch politische und nationale Interessen beteiligt. Das Spannendste - die Punkteverteilung - wird damit oft vorhersehbar. Da sind die üblichen Verdächtigen wie Türkei und Armenien. Für die Türkei ist der Song Contest ein Weg, guten Willen zu beweisen und sich vorsichtig anzunähern. So gibt es häufig zehn Punkte für Armenien. Allerdings kommt zum Ärger der türkischen Song-Contest-Fans selten was aus Armenien zurück.

In anderen Fällen ist die geographische Nähe von Vorteil. Mehr als politische Gemeinsamkeiten spielen dabei kulturelle eine Rolle. Konstellationen wie Skandinavien, Baltikum, Osteuropa oder Balkan finden sich auch in der Punkteverteilung wieder.

Zwei wichtige politische Ereignisse haben das Schicksal des Song Contests nachhaltig beeinflusst: der Zerfall der Sowjetunion und jener Jugoslawiens. Die neu entstandenen Länder traten der "European Broadcasting Union" bei und damit erhöhte sich seit den 90er Jahren die Zahl der Teilnehmer. Bis dahin dominierten westeuropäische Staaten den Wettbewerb, während Länder wie die Türkei oder Marokko die exotischen Außenseiter waren.

In den letzten Jahren erscheinen hingegen ehemalige Eurovision-Supermächte wie Großbritannien oder Frankreich zunehmend als Außenseiter. Die "Eurovision-Kultur" dieser Länder stagniert und ihre Beiträge sind musikalisch wie visuell unzeitgemäß. So schickte Großbritannien mit Scooch eine Dance-Pop-Gruppe in Piloten- und Stewardess-Kostümen auf eine Zeitreise in die 70er Jahre. Das Publikum schickte sie dafür auf den vorletzten Platz.




Schlagwörter

Musik, Europa, Nationalismus

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-19 16:08:04
Letzte Änderung am 2012-04-19 20:43:10


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