Wien. Der Verein Kama basiert zu 100 Prozent auf ehrenamtlicher Arbeit. Asylbewerber haben hier die Möglichkeit, Kurse ihren Fähigkeiten entsprechend abzuhalten - Koch-, Tanz- oder Sportkurse etwa. Bezahlung gibt es keine, dafür eine freiwillige Spende der Seminarteilnehmer. Das klappt nur durch viel organisatorische Arbeit: Bei Kama sind freiwillige Helfer für Einzelveranstaltungen ebenso willkommen wie Langzeitpraktikanten. An Interessenten mangelt es nicht: "Die Nachfrage ist tatsächlich enorm. Fast jede Woche organisieren wir Infoabende für neue ehrenamtliche Mitarbeiter", erzählt Kama-Gründerin Sonja Pargfrieder. Bei der Organisation der Kurse undder Schulworkshops, PR, Buchhaltung und Sponsoring, Events, Sekretariat und Garten kann man sich einbringen.
Die Aufgaben sind nichts für Anfänger. Viele Bereiche erfordern fundierte Fachkenntnisse, weshalb es nicht verwundert, dass gerade Studenten besonders gebraucht werden. Tatsächlich sind fast alle, die sich für diese freiwillige Arbeit interessieren, Studierende. Besonders beliebt ist die Organisation bei jenen, die sich ihr Engagement als Praktika in ihren Studienfächern anrechnen lassen können, wie etwa beim Fach "Internationale Entwicklung".
Eine von ihnen ist Catherina. Während eines Kama-Projekts hat sie Michael Genner, Obmann von Asyl in Not, kennengelernt und erfahren, dass auch dort die Möglichkeit eines Praktikums besteht. Ein Jahr später war sie mit dabei. Dass ihre Arbeit wieder einmal unbezahlt ist, macht ihr nichts aus. "Die haben selber nicht viel Geld, und es ist klar, dass es für eine gute Sache ist." Ihre Motivation sei der Kampf gegen den Rassismus. "Außerdem überlege ich mir, ob ich nach meinem Bachelor einen Master in internationalem Recht mache. Da ist es gut, wenn ich jetzt schon etwas über die Strukturen des Fremdenrechts und der Asyl- und Fremdenpolitik erfahren kann." Bei Asyl in Not geht es allerdings um einiges strenger zu als bei Kama, denn es handelt sich um eine Rechtsberatung, in der gerichtliche Urteile angefochten werden. Professionalität ist oberstes Gebot.
Die Chefin der Rechtsabteilung Judith Ruderstaller sieht die Praktikanten als große Entlastung: "Sie sind eine wichtige Stütze. Ich bin sehr froh, wenn mir der Telefondienst abgenommen wird. Ohne die Praktikanten hätten wir weniger Zeit, müssten Klienten ablehnen." Die Arbeit bei Asyl in Not erfordert starke Nerven, was einige nach kurzer Zeit dazu bewegt, wieder aufzuhören. Niemand wird gezwungen, eine bestimmte Anzahl an Stunden "abzuarbeiten". Die Organisationen haben Verständnis dafür, dass ihre Freiwilligen und besonders Studenten oft Nebenjobs zur Finanzierung ihres Studiums und ihrer Praktika haben. Ärgerlich ist es allerdings, wenn sie sich nicht abmelden und für längere Zeit einfach verschwinden.
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