• vom 01.06.2012, 16:21 Uhr

Gesellschaft

  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Das "Let‘s CEE"-Filmfestival zeigt erstmals in Österreich eine Doku über die Band Plavi Orkestar

Musiker im Schatten des Krieges


Von Nada Andjelic

  • "Orkestar" ist ein Balkan-Roadtrip. Es geht um den Star und um die Menschen.

Immer mit Kappe: Sasa Losic ist eine ex-jugoslawische Legende - vor und nach dem Krieg.

Immer mit Kappe: Sasa Losic ist eine ex-jugoslawische Legende - vor und nach dem Krieg.letscee Immer mit Kappe: Sasa Losic ist eine ex-jugoslawische Legende - vor und nach dem Krieg.letscee

Wien. Als "intime Reise durch Zeiten, die uns erst verhätschelten und schließlich zerschmetterten", beschreibt Regisseur Pjer Zalica seinen neuen Film "Orkestar" gegenüber der "Wiener Zeitung". Die Reise besteht aus Erzählungen über eine der erfolgreichsten Bands Ex-Jugoslawiens: Plavi Orkestar (Blaues Orchester), die 1983 in Sarajevo von Bandleader Sasa Losic gegründet wurde und schon als die Beatles Jugoslawiens bezeichnet wurde. Mehr als fünf Millionen verkaufter Tonträger, acht Alben und mehr als 1500 Konzerte weltweit kürte das - laut Musikenzyklopädien - "kulturelle Phänomen der 1980er und 1990er Jahre".

Werbung

Ko-Autor und Hauptakteur des Films ist Sasa Losic, der erfolgreiche Sänger und Komponist der Band, dessen Karriere der Film mehr als 105 Minuten lang verfolgt. Losic ging mit seiner Band durch eine Zeit des politischen, gesellschaftlichen, aber auch persönlichen Umbruchs. Plavi Orkestar war die 1983 gegründete Antwort aus Sarajevo auf die musikalische Bewegung der new primitives - eine neue Form des Rocks gemischt mit Folk- und Popkomponenten, nachdem die Welle von Punk und Rock allmählich abgeflaut war. Ironisch sollte die Musik sein, erfolgreich war sie auf jeden Fall. Es gibt wohl kaum eine Person in Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Makedonien und vor allem Slowenien - wo die Band Publikumsrekorde aufstellte -, die Plavi Orkestar nicht kennt. Niemand hatte zuvor mit diesem einschlagenden Erfolg der Band gerechnet.

Sasa Losic, genannt Losa, ist ein Multitalent, das zahlreiche Erfolge als Sänger, Komponist und Songwriter verbuchen konnte und auch Lieder für Film, Theater sowie für weitere Sänger schrieb. Losa war, wie im Film von seiner Mutter erzählt, von klein auf ein Trendsetter. Selbst seine Badehosen waren im kroatischen Hvar unter anderen Jugendlichen ein Hingucker. Sein Image, das er seit Jahrzehnten pflegt und um das sich viele Mythen und Witze ranken, besteht vor allem aus seiner Kappe. Losic sei zusammen mit seiner Kappe aufgewachsen, heißt es. Allerdings - so versichert der Songwriter - würde er sie zu Hause ablegen.

Während der Kriegsjahre in Bosnien konnte er seiner Profession als Sänger aus ideologischen aber auch privaten Gründen nicht nachgehen. Für seinen Beruf brauche es Euphorie und guten Willen - und das war damals schwer aufzubringen. "Ich habe mich schlecht dabei gefühlt, meiner Arbeit nachzugehen", erzählt er der "Wiener Zeitung". Um zu überleben, sang Losic in kleinen Kneipen vor ein paar Betrunkenen. Er stand auf einem kleinen klapprigen Tisch und wurde von alkoholisierten Männern gezwungen, einen seiner berühmtesten Hits "Bolje biti pijan nego star" ("Besser betrunken als alt") in Endlosschleife rauf und runter zu spielen. Doch im Grunde war er zwischen 1991 und 1996 verstummt.




Schlagwörter

Jugoslawien, Balkan, Pop, Krieg

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-01 16:26:12


Beliebte Inhalte



Yvonne Pichler ist im Inneren eine Jüdin. - Ugur Atay
  • Yvonne Pichler erzählt vom Jonglieren zwischen allen spirituellen Welten.
  • weiter

Isabel Arévalos (links) füllt mit ihren Mitstreiterinnen im Akkord Empanadas mit Fleisch und Spinat. - Flener
  • Wiens paraguayische Community umfasst 80 Männer und Frauen.
  • weiter

Auf Initiative des grünen Kultursprechers Klaus Werner-Lobo wurde darum das Projekt "kültür gemma!" ins Leben gerufen. - Screenshot: Archiv
  • Projekt "kültür gemma!" vom grünen Kultursprecher Werner-Lobo initiiert.
  • weiter

Die einzige Sendung, in der mit Akzent gesprochen wird. Im Bild die Moderatoren Lakis Jordanopoulos und Silvana Meixner. - ORF
  • ORF: "Migrationshintergrund kein Ausschlussgrund für eine Redaktion."
  • weiter

Somali-Unterricht soll es auch bald in Schulen im 20. und 21. Bezirk geben. - Luiza Puiu
  • Zum ersten Mal findet an zwei Wiener Volksschulen Unterricht in Somali statt.
  • weiter

Isabel Arévalos (links) füllt mit ihren Mitstreiterinnen im Akkord Empanadas mit Fleisch und Spinat. - Flener
  • Wiens paraguayische Community umfasst 80 Männer und Frauen.
  • weiter

Die einzige Sendung, in der mit Akzent gesprochen wird. Im Bild die Moderatoren Lakis Jordanopoulos und Silvana Meixner. - ORF
  • ORF: "Migrationshintergrund kein Ausschlussgrund für eine Redaktion."
  • weiter



Werbung



Buch des Monats

Ihr wunderbarer Friseursalon

friseursalon - © Wiener Zeitung / Christa Hager Dass Weißheit nicht im Kopf, sondern auf dem Kopf beginnt, diese Erfahrung ist das Erfolgsgeheimnis des Friseursalons von Frau Khumalo... weiter




Februar 2013

Der Friedhof vor Europas Toren

CAP ANAMUR - APA / EPA/FRANCO LANNINO Wenn Bücher über menschenrechtliche Missstände nach zehn Jahren nach wie vor aktuell sind, dann wirft das kein gutes Licht auf die Wirklichkeit... weiter



"Um die imposanten Locations wie Berge, Flüsse und Wälder in Szene setzen zu können und ihnen genügend Raum zur Entfaltung zu geben, haben wir im Format 2.35:1 gedreht, einem in Österreich eher selten verwendeten Seitenverhältnis", betont Kameramann und Bildgestalter Satoshi.

Syrische Flüchtlinge im Libanon. 19. April 2013: "Wo wart ihr so lange?" fragen die Flüchtlinge. Seitdem sie vor zwei Monaten in das Servitenkloster gezogen sind, sind sie aus dem Blickfeld der Medien verschwunden.

Mit einer für österreichische Verhältnisse ungewöhnlichen Protestaktion machten vergangene Woche Flüchtlinge aus Somalia auf ihre Situation aufmerksam.

Jüdisch leben

Beten an der Klagemauer

20130517mechitze - Juan Reyero/CC-BY-2.0 Wo dürfen Frauen an der Klagemauer in Jerusalem beten? Und wie dürfen sie das tun? Still oder laut? Mit Gebetsschal und Betriemen – oder sind... weiter



Veranstaltungstipp

Österreichischer Integrationstag

Am 12. April 2013 findet bereits zum dritten Mal der Österreichische Integrationstag statt. Unter dem Motto "Zukunft gestalten: Heute Handeln... weiter



Videos zum Thema Xenophobie

Video-Interview Thema Xenophobie 2


Video-Interview Thema Xenophobie




Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

Werbung