• vom 28.06.2012, 19:50 Uhr

Gesellschaft

Update: 28.06.2012, 19:53 Uhr
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Das Filmprojekt "Vienna goes L.A." soll das Selbstvertrauen und die Talente von Schülern fördern

Hollywood an Wiener Schulen?


Von Elisabeth Minkow

  • Geschichten, die das Leben schreibt, werden von Jugendlichen gefilmt.

Latente Talente traten beim Drehen des Liebesdramas "Marcel und Melissa" zutage. - © Vienna goes L.A.

Latente Talente traten beim Drehen des Liebesdramas "Marcel und Melissa" zutage. © Vienna goes L.A.

Wien. Wütendes Geschrei dringt durch eine Wohnungstür. Ein Mädchen rennt nach draußen. Weinend und völlig verzweifelt taumelt es durch Wiens Straßen. Auf einmal hört man quietschende Reifen - und einen dumpfen Aufprall. Schnitt. Der tragische Liebesfilm, den 13- bis 15-jährige Schüler der Kooperativen Mittelschule Schopenhauerstraße 79 gemacht haben, überrascht durch Professionalität und Emotionen.

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"So viel Drama wie möglich!" - das war der wichtigste Lerneffekt beim gemeinsamen Filmdreh, bekennen die Jugendlichen einhellig bei einer Nachbesprechung mit ihrem Filmcoach Ippolit Wischin. Beim Projekt "Vienna goes L.A." standen alle jungen Teilnehmer vor und hinter der Kamera und haben den Plot selbst entwickelt. Alle haben Migrationshintergrund. Ihre Eltern stammen aus Serbien, der Türkei, dem Iran und aus anderen Ländern. Hier hatten sie die Möglichkeit, ihre eigenen Geschichten zu erzählen.

Initiiert wurde die Initiative vom US-amerikanischen Geschäftsmann und Filmproduzent Robin Saban, der vor kurzem von Los Angeles nach Wien übersiedelt ist. In Los Angeles hat Saban das Internationale Schüler und Studenten Filmfestival aufgebaut, das heuer zum zehnten Mal über die Bühne gegangen ist. Auch die Idee zu "Vienna goes L.A." hat er bereits vorher in den USA verwirklicht. Zugewanderte Jugendliche im "Byzantine-Latino Quarter" von Los Angeles erlernten von Profis das filmische Know-how, bevor sie ihre eigenen Kurzfilme drehten und diese dann der Öffentlichkeit vorstellten.

In Wien sieht Saban viel ungenutztes Potenzial, das gefördert werden muss. "Jene Menschen, die ansonsten nicht zu Wort kommen, bekommen durch "Vienna goes L.A." eine Stimme: Mit den Techniken des Filmemachens und Geschichtenerzählens können sie ihre Gefühle mitteilen", erzählt der Geschäftsmann. Durch die Bekanntschaft und Zusammenarbeit mit dem Filmcoach Ippolit Wischin und seinem Team wurde das Projekt auch hier entwickelt.

Im vergangenen Schuljahr sind bereits fünf Kurzfilme entstanden, von Schülern der KMS Schopenhauerstraße und dem Bundesoberstufenrealgymnasium 3 (Landstraßer Hauptstraße). Der Themenspektrum der Filme ist breit. Teils staunt man nicht schlecht, was die Jugend so alles zu erzählen hat: Es geht um Vandalismus, Geldsorgen und Drogen - keine leichte Kost. Aber ganz so trostlos stellen sich die Kinder ihre Protagonisten dann doch nicht vor. Der Hollywood-Manier folgend können einige der gefallenen Helden schließlich noch durch Einsicht in ihre Fehler und dem Geloben zur Besserung die inneren Dämonen besiegen und ihre Konflikte lösen. Überraschend sind auch das kritische Potenzial und die klaren Wertvorstellungen, die die Filme transportieren. Sie regen deshalb auch erwachsene Zuschauer zur Selbstreflexion an.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-28 17:08:07
Letzte Änderung am 2012-06-28 19:53:08


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