• vom 06.07.2012, 16:38 Uhr

Gesellschaft

Update: 06.07.2012, 17:14 Uhr
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Traumata bei der Flucht und Integrationsprobleme erhöhen das Risiko für Alkohol- oder Opiatabhängigkeit

Migranten stärker suchtgefährdet


Von Yordanka Weiss

  • Je nach Kulturkreis sind verschiedene Drogen unterschiedlich stark verbreitet.

Bei der zweiten Generation ist die Suchtgefahr wegen Perspektivenlosigkeit noch höher. - © APA

Bei der zweiten Generation ist die Suchtgefahr wegen Perspektivenlosigkeit noch höher. © APA

Wien. Herr K. war opiatabhängig, ist HIV-positiv und leidet an Depressionen. Er ist 30 Jahre alt, stammt aus Ex-Jugoslawien, zehn Jahre Drogenersatztherapie konnten seine Lebensqualität erheblich verbessern. Jetzt gilt er als chronisch krank, arbeitet und lebt in einer Beziehung. Dass er nicht alleine ist, das ist ihm wichtig zu wissen. Wenn er Hilfe braucht, ruft er den Verein "Dialog" an, der seit 30 Jahren individuelle Suchthilfe an fünf Orten in Wien anbietet.

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Geschätzte 30 Prozent der Klienten von "Dialog" sind Migranten. "Erlittene Traumata erhöhen das Risiko für Alkohol- oder Opiatabhängigkeit", betont Geschäftsführerin Christine Tschütscher. Nicht immer bringen sie die Suchterkrankungen von ihrem Herkunftsland mit. "Das kann, aber es muss nicht sein. Das Suchtproblem tritt vor allem bei der zweiten oder dritten Generation auf", sagt Tschütscher.

Spaltung zwischen Kulturen
Die erste Generation entschied sich bewusst, auszuwandern. Die zweite Generation hingegen könne an Perspektivenlosigkeit, sozialer Isolation und der Spaltung zwischen den Kulturen leiden. Schwierigkeiten bei der Eingliederung in das soziale Gefüge sind nicht der einzige Grund. Migranten sind wesentlich öfter arbeitslos als Einheimische. Das sei eine zusätzliche Belastung - und ein weiterer Auslöser für eine Suchterkrankung.

Probleme treten auch bei der Diagnose auf: Krankheitssymptome werden je nach Kultur unterschiedlich dargestellt. Manche Afrikaner hängen Verhexungsideen an als traditionelles Erklärungsmodell bei Erkrankungen. In den Anden hingegen hat Sucht mit dem Kauen von Cocablättern sogar Tradition. Migrationsforscher sind sich nur in einem einig: Auswanderung belastet die Seele. In wie vielen Fällen sie in einer Sucht mündet, ist zu erforschen.

Mit den Biografien junger, suchtkranker Frauen beschäftigt sich Dana Pajkovic in ihrer Dissertation. Sie eruiert, welche Bedeutung die Migration im Kontext der Erkrankung hat. "Meine Arbeit zeigt: Je früher Traumatisierungen stattfinden, desto eher kommt es zu einer Suchterkrankung", sagt Pajkovic.

Als "Sucht" wird eine körperliche oder psychische Abhängigkeit eines breiten Spektrums von Substanzen bezeichnet: Drogen-, Alkohol- oder Arzneimittelkonsum fällt darunter, ebenso pathologisches Glücksspiel, Kauf- oder Arbeitssucht. Das krankhafte Abhängigkeitssyndrom kann viele Ursachen und unterschiedliche Verläufe haben.




Schlagwörter

Trauma, Migrant, Sucht, Drogen, Migration

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-06 16:44:07
Letzte Änderung am 2012-07-06 17:14:07


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