• vom 19.07.2012, 16:50 Uhr

Gesellschaft

Update: 19.07.2012, 17:24 Uhr
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Zahlen zu Zwangsehen gibt es in Österreich nicht, in Deutschland schon, jedoch bleibt das Thema kontrovers

Religion oder Machokultur?


Von Cigdem Akyol und Stefan Beig

  • Experten sehen zwischen Zwangsehen und Religion keinen Zusammenhang.

Berlin/Wien. Manche emotionalen Debatten lassen sich anscheinend nur schwer versachlichen, selbst wenn wissenschaftlich belegte Daten beigesteuert werden. Zuweilen sind verlässliche Daten aber nur schwer zu finden. So etwa beim Thema "Zwangsehe".

Bevor die Kinder selbst entscheiden, wählen manche Eltern lieber selbst den Ehepartner.

Bevor die Kinder selbst entscheiden, wählen manche Eltern lieber selbst den Ehepartner.© © ImageShop/Corbis Bevor die Kinder selbst entscheiden, wählen manche Eltern lieber selbst den Ehepartner.© © ImageShop/Corbis

Offizielle Zahlen dazu gibt es in Österreich nicht. Die von der Stadt Wien und vom Bund geförderte Wiener Frauenservicestelle "Orient Express" ist die österreichweit einzige Beratungsstelle mit intensiver Krisenbetreuung für von Zwangsheirat bedrohte und betroffene Frauen. Ein bestimmter Ehrbegriff sei einer der beiden Hauptgründe für erzwungene Ehen, erzählt Gül Ayse Basari, eine Sozialarbeiterin des "Orient Express". Die Eltern hätten Angst, ihre noch minderjährige Tochter könne "auf den falschen Weg" geraten. Ein anderer Beweggrund sei das Verlangen, das finanzielle Vermögen in der Familie zu behalten. "Einige Zwangsehen finden daher vor allem innerhalb der Verwandtschaft statt", berichtet Basari.

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Die Zahl der Frauen, die wegen einer Zwangsheirat das Service des "Orient Expresses" aufgesucht haben, ist in den vergangenen Jahren beträchtlich gestiegen; waren es 2004 noch 26, so suchten 2011 bereits 83 Frauen Rat bei der Wiener Beratungsstelle. Basari führt das auf die zunehmende Vernetzung der Einrichtung zurück. Speziell die präventive Informationsarbeit durch Workshops an Schulen habe gepunktet. Viele Lehrerinnen hätten seither Schülerinnen an den Verein weitergeleitet. 54 der 83 Klientinnen wurde eine Zwangsehe nur angedroht, sie wurde aber noch nicht geschlossen. Die meisten dieser 54 Frauen waren minderjährig.

Dass Zwangsehe eine Frage der Integration sei, hält die Expertin für "Blödsinn": "Bei mir sind oft Klientinnen mit perfekten Deutschkenntnissen und österreichischer Staatsbürgerschaft." Das Phänomen trete in allen sozialen Schichten auf, sei ebenso wenig eine Frage der Bildung und auch keine der Religion: "In der Türkei betrifft es Sunniten, Aleviten und Christen gleichermaßen." Man betreue ebenso römisch-katholische Frauen aus dem Roma-Milieu und buddhistische aus Indien. Es gebe halt wechselnde Trends. Kürzlich sei die Anzahl tschetschenischer Frauen gestiegen.

Anders als in Österreich hat in Deutschland das Bundesfamilienministerium im vergangenen Jahr eine Studie zu Zwangsehen in Auftrag gegeben, deren Präsentation jedoch für weitere Kontroversen sorgte. Das Thema "Religion" war dafür ausschlaggebend.




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Dokument erstellt am 2012-07-19 16:56:08
Letzte Änderung am 2012-07-19 17:24:27


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