
Bern. Zwangsheiraten in der Schweiz sind keine Einzelfälle: In den vergangenen zwei Jahren wurden laut einer Studie rund 1400 junge Frauen von ihrer Umgebung unter Druck gesetzt, zu heiraten, eine Liebesbeziehung zu beenden oder auf eine Scheidung zu verzichten.
Diese Zahlen sind Schätzungen, welche die Universität Neuenburg im Auftrag des Bundesamts für Migration (BFM) gemacht hat. Die Forscherinnen um Janine Dahinden und Anna Neubauer machten drei Typen von Situationen aus, in denen junge Frauen von ihrer Umgebung zu Handlungen forciert werden. Sie fanden 348 Fälle von Zwangsheiraten, in denen also eine Person unter Druck gesetzt wurde, eine ungewollte Heirat zu akzeptieren. In 384 Fällen wurde gemäß der Studie eine junge Frau unter Druck gesetzt, eine selbst gewählte Liebesbeziehung zu beenden. Und in 659 Fällen ging es darum, dass eine junge Frau auf ihr Scheidungsbegehren verzichten musste.
Scheidungsverzicht
Die ersten beiden Typen, die Zwangsheirat und die verbotene Liebesbeziehung, betreffen vor allem junge Frauen ausländischer Herkunft zwischen 18 und 25 Jahren. Den Untersuchungen zufolge stammen die meisten aus den Balkanländern, aus der Türkei und aus Sri Lanka. Die Kategorie des Scheidungsverzichts betrifft vor allem über 25-jährige, im Ausland geborene Frauen, die wirtschaftlich von ihrem Ehemann abhängig sind und deren Aufenthaltsstatus unsicher ist.
Um den Frauen zu helfen, empfiehlt die Studie eine neue Herangehensweise an das Problem der Zwangsheiraten: Alle diese Zwangssituationen sollten künftig als Formen der häuslichen Gewalt behandelt werden, so die Forscherinnen.
Gesetz gegen Zwangsheirat
Im Juni hat der National- und der Ständerat der Schweiz ein Gesetz erlassen, das für Personen, die jemanden zu einer Heirat zwingen, eine Strafe von bis zu fünf Jahren Haft vorsieht. Gegen den Willen des Bundesrates fügten die Räte ins Gesetz einen Passus ein, wonach Zwangsehen automatisch geschieden werden sollen. Damit muss ein Gericht künftig eine erzwungene Heirat auch dann aufheben, wenn die Verheirateten die Ehe weiterführen wollen.
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