• vom 16.09.2012, 08:43 Uhr

Gesellschaft

  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Hunderte junge Frauen pro Jahr betroffen

Zwangsheiraten in der Schweiz sind keine Einzelfälle


Von WZ Online / Christa Hager

  • Studie der Universität Neuenburg.
  • Zwangsheirat soll als häusliche Gewalt gelten.

"Wo ist das Gesetz", steht auf dem Plakat einer Demonstrantin gegen Gewalt gegen Frauen in Afghanistan (Foto vom April 2012).

"Wo ist das Gesetz", steht auf dem Plakat einer Demonstrantin gegen Gewalt gegen Frauen in Afghanistan (Foto vom April 2012).APAweb / EPA/S. SABAWOON "Wo ist das Gesetz", steht auf dem Plakat einer Demonstrantin gegen Gewalt gegen Frauen in Afghanistan (Foto vom April 2012).APAweb / EPA/S. SABAWOON

Bern. Zwangsheiraten in der Schweiz sind keine Einzelfälle: In den vergangenen zwei Jahren wurden laut einer Studie rund 1400 junge Frauen von ihrer Umgebung unter Druck gesetzt, zu heiraten, eine Liebesbeziehung zu beenden oder auf eine Scheidung zu verzichten.

Diese Zahlen sind Schätzungen, welche die Universität Neuenburg im Auftrag des Bundesamts für Migration (BFM) gemacht hat. Die Forscherinnen um Janine Dahinden und Anna Neubauer machten drei Typen von Situationen aus, in denen junge Frauen von ihrer Umgebung zu Handlungen forciert werden. Sie fanden 348 Fälle von Zwangsheiraten, in denen also eine Person unter Druck gesetzt wurde, eine ungewollte Heirat zu akzeptieren. In 384 Fällen wurde gemäß der Studie eine junge Frau unter Druck gesetzt, eine selbst gewählte Liebesbeziehung zu beenden. Und in 659 Fällen ging es darum, dass eine junge Frau auf ihr Scheidungsbegehren verzichten musste.

Scheidungsverzicht

Die ersten beiden Typen, die Zwangsheirat und die verbotene Liebesbeziehung, betreffen vor allem junge Frauen ausländischer Herkunft zwischen 18 und 25 Jahren. Den Untersuchungen zufolge stammen die meisten aus den Balkanländern, aus der Türkei und aus Sri Lanka. Die Kategorie des Scheidungsverzichts betrifft vor allem über 25-jährige, im Ausland geborene Frauen, die wirtschaftlich von ihrem Ehemann abhängig sind und deren Aufenthaltsstatus unsicher ist.

Um den Frauen zu helfen, empfiehlt die Studie eine neue Herangehensweise an das Problem der Zwangsheiraten: Alle diese Zwangssituationen sollten künftig als Formen der häuslichen Gewalt behandelt werden, so die Forscherinnen.

Gesetz gegen Zwangsheirat

Im Juni hat der National- und der Ständerat der Schweiz ein Gesetz erlassen, das für Personen, die jemanden zu einer Heirat zwingen, eine Strafe von bis zu fünf Jahren Haft vorsieht. Gegen den Willen des Bundesrates fügten die Räte ins Gesetz einen Passus ein, wonach Zwangsehen automatisch geschieden werden sollen. Damit muss ein Gericht künftig eine erzwungene Heirat auch dann aufheben, wenn die Verheirateten die Ehe weiterführen wollen.




Schlagwörter

Zwangsehe, Integration, Schweiz

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-22 15:43:29
Letzte Änderung am 2012-08-22 16:30:23


Beliebte Inhalte



Wilfried Peinhaupt und Piotr Cichon versuchen, auf die speziellen Bedürfnisse ihrer migrantischen Patienten einzugehen. - Luiza Puiu
  • Viele Betroffenen halten Krankheit vor der eigenen Community geheim.
  • weiter

  • Sexuelle Diskriminierung wird als Asylgrund selten akzeptiert.
  • weiter

Yvonne Pichler ist im Inneren eine Jüdin. - Ugur Atay
  • Yvonne Pichler erzählt vom Jonglieren zwischen allen spirituellen Welten.
  • weiter

Somali-Unterricht soll es auch bald in Schulen im 20. und 21. Bezirk geben. - Luiza Puiu
  • Zum ersten Mal findet an zwei Wiener Volksschulen Unterricht in Somali statt.
  • weiter

Die einzige Sendung, in der mit Akzent gesprochen wird. Im Bild die Moderatoren Lakis Jordanopoulos und Silvana Meixner. - ORF
  • ORF: "Migrationshintergrund kein Ausschlussgrund für eine Redaktion."
  • weiter

Isabel Arévalos (links) füllt mit ihren Mitstreiterinnen im Akkord Empanadas mit Fleisch und Spinat. - Flener
  • Wiens paraguayische Community umfasst 80 Männer und Frauen.
  • weiter

Die einzige Sendung, in der mit Akzent gesprochen wird. Im Bild die Moderatoren Lakis Jordanopoulos und Silvana Meixner. - ORF
  • ORF: "Migrationshintergrund kein Ausschlussgrund für eine Redaktion."
  • weiter

Auf Initiative des grünen Kultursprechers Klaus Werner-Lobo wurde darum das Projekt "kültür gemma!" ins Leben gerufen. - Screenshot: Archiv
  • Projekt "kültür gemma!" vom grünen Kultursprecher Werner-Lobo initiiert.
  • weiter

  • Sexuelle Diskriminierung wird als Asylgrund selten akzeptiert.
  • weiter



Werbung



Buch des Monats

Ihr wunderbarer Friseursalon

friseursalon - © Wiener Zeitung / Christa Hager Dass Weißheit nicht im Kopf, sondern auf dem Kopf beginnt, diese Erfahrung ist das Erfolgsgeheimnis des Friseursalons von Frau Khumalo... weiter




Februar 2013

Der Friedhof vor Europas Toren

CAP ANAMUR - APA / EPA/FRANCO LANNINO Wenn Bücher über menschenrechtliche Missstände nach zehn Jahren nach wie vor aktuell sind, dann wirft das kein gutes Licht auf die Wirklichkeit... weiter



"Um die imposanten Locations wie Berge, Flüsse und Wälder in Szene setzen zu können und ihnen genügend Raum zur Entfaltung zu geben, haben wir im Format 2.35:1 gedreht, einem in Österreich eher selten verwendeten Seitenverhältnis", betont Kameramann und Bildgestalter Satoshi.

Syrische Flüchtlinge im Libanon. 19. April 2013: "Wo wart ihr so lange?" fragen die Flüchtlinge. Seitdem sie vor zwei Monaten in das Servitenkloster gezogen sind, sind sie aus dem Blickfeld der Medien verschwunden.

Mit einer für österreichische Verhältnisse ungewöhnlichen Protestaktion machten vergangene Woche Flüchtlinge aus Somalia auf ihre Situation aufmerksam.

Jüdisch leben

Die Sache mit dem Stricherl

Weiss - Paul Divjak Vielleicht haben Sie es auch schon einmal gelesen: G’tt. Nein, das ist kein Tippfehler. Gläubige Juden schreiben den Begriff Gott nicht aus... weiter



Veranstaltungstipp

Österreichischer Integrationstag

Am 12. April 2013 findet bereits zum dritten Mal der Österreichische Integrationstag statt. Unter dem Motto "Zukunft gestalten: Heute Handeln... weiter



Videos zum Thema Xenophobie

Video-Interview Thema Xenophobie 2


Video-Interview Thema Xenophobie




Stammgast beim Life Ball: Bill Clinton.

Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971, Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers.

Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. "Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten.

Werbung