• vom 25.08.2012, 11:30 Uhr

Gesellschaft

Update: 26.08.2012, 13:59 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Die Israelitische Kultusgemeinde Wien hat 7700 Mitglieder, aber in Wien leben insgesamt an die 15.000 Juden

Nach Israel und zurück



  • Viele Zuwanderer aus dem Osten verändern das jüdische Wien.

600 Grusinen gehören zur IKG, Dezoni Dawaraschwili vertritt sie im Kultusvorstand. - © Wiener Zeitung

600 Grusinen gehören zur IKG, Dezoni Dawaraschwili vertritt sie im Kultusvorstand. © Wiener Zeitung

Wien. Die einen gehen nicht einmal zu Jom Kippur, dem Versöhnungstag, in die Synagoge, die anderen selbst an Wochentagen. Die einen leben seit Generationen in Wien, die anderen sind zugezogen - aus Osteuropa, aus Zentralasien. An die 7700 Mitglieder zählt die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Wien heute - und sie ist alles andere als homogen.

Werbung

Zuwächse verzeichnete man zuletzt nicht durch massiven Zuzug, sondern indem Juden, die bisher noch nicht der IKG angehörten, dazu motivierte, Mitglied zu werden. Schätzungen zu Folge leben in etwa doppelt so viele Juden in Wien als die IKG Mitglieder hat, also an die 15.000.

Raimund Fastenbauer, Generalsekretär für religiöse Angelegenheiten der IKG, geht davon aus, dass etwa 25 Prozent der Wiener Gemeindemitglieder einer der streng orthodoxen Gruppierungen angehören. Sie befolgen die Vorschriften der Halacha, wie die Schabbatruhe einzuhalten, sich ausschließlich koscher zu ernähren, zu beten, aber auch, sich um seine Mitmenschen zu kümmern.



An die 30 Prozent der Gemeinde leben traditionell. Vor allem viele der Bucharen und Grusinen, das sind Zuwanderergruppen aus der ehemaligen Sowjetunion, halten die Tradition stark hoch, ohne jedoch hundertprozentig orthodox zu leben. Sie besuchen beispielsweise am Schabbat die Synagoge und halten alle Feiertage. Bei den restlichen etwas weniger als 50 Prozent findet sich alles von gemäßigt religiös "bis eben nicht religiös", wie es Fastenbauer formuliert. Viele Wiener Juden bezeichnen sich als "säkular". Fastenbauer wartet mit einem Bonmot von David Ben-Gurion, dem ersten Premierminister Israels, auf: "Die Synagoge, in die ich nicht gehe, ist eine orthodoxe Synagoge." Den Grad der Religiosität bestimmt in der Praxis jeder für sich selbst. Das liegt auch daran, dass sich eben nicht alle Juden über die Religion definieren, unterstreicht der Generalsekretär. Manche ziehen für ihre Identität die Volkszugehörigkeit heran, sie identifizieren sich stark mit Israel und sind sehr zionistisch. Andere sehen sich vor allem als Teil einer Schicksalsgemeinschaft.

Wiens Juden sind allerdings nicht nur in Bezug auf den Grad ihrer Religiosität äußerst inhomogen, sondern auch im Hinblick auf ihre Herkunft. Nur wenige hundert Juden überlebten den NS-Terror in dieser Stadt. Nach der Befreiung kam es zur Rückwanderung einiger weniger Wiener Juden, vor allem aber zum Zuzug von Displaced Persons. Sie kamen aus Osteuropa. Bis Ende der 1940er Jahre zählte die Gemeinde an die 4000 Mitglieder.




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-24 16:56:12
Letzte Änderung am 2012-08-26 13:59:22


Beliebte Inhalte



Die einzige Sendung, in der mit Akzent gesprochen wird. Im Bild die Moderatoren Lakis Jordanopoulos und Silvana Meixner. - ORF
  • ORF: "Migrationshintergrund kein Ausschlussgrund für eine Redaktion."
  • weiter

Somali-Unterricht soll es auch bald in Schulen im 20. und 21. Bezirk geben. - Luiza Puiu
  • Zum ersten Mal findet an zwei Wiener Volksschulen Unterricht in Somali statt.
  • weiter

Das Image des Teppichhändlers ist passé. Heute ist die iranische Community vielschichtiger. - dpa
  • Die jüngere Generation ist deutlich toleranter als alteingesessene Iraner.
  • weiter

Die drei   Schüler des Schulschiffes in Wien haben Start-Stipendien erhalten . - Jenis
  • Stipendium bietet mehr Möglichkeiten als der herkömmliche Schulunterricht.
  • weiter

Deutschkurs in Deutschland - APAweb / EPA/WALTRAUD GRUBITZSCH
  • 40 Prozent mehr Einwanderer aus Südeuropa, Österreich ebenfalls gefragt.
  • weiter

Die einzige Sendung, in der mit Akzent gesprochen wird. Im Bild die Moderatoren Lakis Jordanopoulos und Silvana Meixner. - ORF
  • ORF: "Migrationshintergrund kein Ausschlussgrund für eine Redaktion."
  • weiter



Werbung



Buch des Monats

Ihr wunderbarer Friseursalon

friseursalon - © Wiener Zeitung / Christa Hager Dass Weißheit nicht im Kopf, sondern auf dem Kopf beginnt, diese Erfahrung ist das Erfolgsgeheimnis des Friseursalons von Frau Khumalo... weiter




Februar 2013

Der Friedhof vor Europas Toren

CAP ANAMUR - APA / EPA/FRANCO LANNINO Wenn Bücher über menschenrechtliche Missstände nach zehn Jahren nach wie vor aktuell sind, dann wirft das kein gutes Licht auf die Wirklichkeit... weiter



"Um die imposanten Locations wie Berge, Flüsse und Wälder in Szene setzen zu können und ihnen genügend Raum zur Entfaltung zu geben, haben wir im Format 2.35:1 gedreht, einem in Österreich eher selten verwendeten Seitenverhältnis", betont Kameramann und Bildgestalter Satoshi.

Syrische Flüchtlinge im Libanon. 19. April 2013: "Wo wart ihr so lange?" fragen die Flüchtlinge. Seitdem sie vor zwei Monaten in das Servitenkloster gezogen sind, sind sie aus dem Blickfeld der Medien verschwunden.

Mit einer für österreichische Verhältnisse ungewöhnlichen Protestaktion machten vergangene Woche Flüchtlinge aus Somalia auf ihre Situation aufmerksam.

Jüdisch leben

Beten an der Klagemauer

20130517mechitze - Juan Reyero/CC-BY-2.0 Wo dürfen Frauen an der Klagemauer in Jerusalem beten? Und wie dürfen sie das tun? Still oder laut? Mit Gebetsschal und Betriemen – oder sind... weiter



Veranstaltungstipp

Österreichischer Integrationstag

Am 12. April 2013 findet bereits zum dritten Mal der Österreichische Integrationstag statt. Unter dem Motto "Zukunft gestalten: Heute Handeln... weiter



Videos zum Thema Xenophobie

Video-Interview Thema Xenophobie 2


Video-Interview Thema Xenophobie




Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

20.5.2013: Ein tibetischer Mönch hält ein Schild neben einem Plakat, das Gedhun Choekyi Nyima, den elften Penchen Lama zeigt, der vom Dalai Lama anerkannt wird. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung