Wien. Für einen Überraschungseffekt sorgt die Fraktion "Initiative Respekt": Sie tritt bei der Wahl des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) in Wien am 11. November zum ersten Mal an und hat am Mittwochabend die PR-Beraterin und Journalistin Sonia Feiger zur Spitzenkandidatin gekürt - diese ist damit die erste Frau, die sich um das IKG-Präsidentenamt bewirbt.

Feiger, in Prag geboren, in Budapest aufgewachsen und 1956 im Alter von sechs Jahren nach Wien emigriert, kennt die IKG von innen. Bis zu ihrer Pensionierung 2011 war sie 16 Jahre lang Chefredakteurin des IKG-Magazins "Die Gemeinde". Seit ihrer Jugend hat sie sich in vielen jüdischen Organisationen engagiert. 1972 wurde die Mutter zweier erwachsener Töchter, die mit dem Architekten Thomas Feiger (der unter anderem den neuen IKG-Campus im Prater entworfen hat) verheiratet ist, zur ersten Frau an der Spitze der Jüdischen Hochschüler gewählt.
"Ich war mein Leben lang in der jüdischen Gemeinde aktiv", betont Feiger. "Jetzt, wo ich nicht mehr berufstätig bin, möchte ich mich einer neuen Herausforderung stellen." Für die jüdische Gemeinde wünscht sie sich, dass Neschume wieder groß geschrieben wird. Unter Neschume versteht man die jüdische Seele. "Es geht um Wärme, ein Miteinander."
Zusammenhalt in der Gemeinde leben
Zum gewalttätigen Angriff auf einen Rabbiner in dieser Woche in Deutschland meint Feiger: "Wir müssen uns weltweit wieder der Frage stellen, was man gegen Antisemitismus tun kann. Entsetzen alleine bringt nichts. Es muss einen starken inneren Zusammenhalt in der Gemeinde geben, auch wenn sie so bunt gemischt ist wie jene in Wien." Für Feiger bedeutet das: Die Einheitsgemeinde darf nicht nur politisches Schlagwort sein, sondern muss auch gelebt werden. Das bedeute, auch Zuwanderer in der Gemeinde unterstützend, mit offenen Armen zu empfangen. "Es muss aber auch alles dafür getan werden, die Zukunft der Gemeinde weiterhin finanziell zu sichern und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln sorgsam umzugehen."

Feigers Chancen sind schwer abzuschätzen. Es wird aber davon ausgegangen, dass ihre Fraktion "Initiative Respekt" den Einzug in den Kultusvorstand, sozusagen in das Gemeindeparlament, schaffen wird. Am 11. November wählen die Mitglieder der IKG jene Fraktionen, die in den kommenden fünf Jahren im 24-köpfigen Kultusvorstand vertreten sind. Die 24 Kultusvorstände wählen dann in im zweiten Schritt aus ihren Reihen den Präsidenten und die zwei Vizepräsidenten, erläutert Generalsekretär Raimund Fastenbauer.
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